Big Data in Behörden und Kliniken

Der Staat als modernes Unternehmen

| Autor: Susanne Ehneß

Susanne Diehm
Susanne Diehm (Bild: © SAP)

Ebenfalls interessant sind ämterübergreifende Datenanalysen zum Beispiel auch für den Bereich der Steuerverwaltung. Kürzlich hat der Bundesrechnungshof auf die massiven Steuerausfälle durch Umsatzsteuerbetrug hingewiesen. Wir sind sicher, dass in diesem Kontext auch noch einmal neu über Analytics in der Steuerverwaltung nachgedacht werden muss. Im Interesse der Steuergerechtigkeit wird die Verwaltung hier die technischen Möglichkeiten mehr und mehr nutzen.

Ein Blick ins Ausland: Der US-Bundesstaat Indiana hat das Silo-Denken hinter sich gelassen. Wie sieht der Alltag in Regierungsbehörden und im Gesundheitswesen dort konkret aus?

Diehm: Im Fall „Indiana“ wurde eine neue Organisation mit dem Namen „Management and Performance Hub (MPH)“ vom vormaligen Governor Mike Pence geschaffen. Diese ist unter anderem verantwortlich, dezentrale Datenquellen von unterschiedlichen Behörden in einer zentralen Datenbank zu konsolidieren, um somit schnelle Auswertung über unterschiedliche Datentöpfe zu ermöglichen.

Hierbei geht es nicht nur um klassisches Berichtswesen, sondern auch um den Einsatz von „Datamining“-Algorithmen, um bestimmte Zusammenhänge zwischen Inputvariablen und Outputvariablen zu erkennen. Der State of Indiana hat dieses Projekt erfolgreich mit SAP HANA umgesetzt und konnte dadurch zum Beispiel eine Reduzierung der vielen Ursachen der erhöhten Kindersterblichkeit in Indiana auf drei wesentliche Faktoren erreichen.

Letztlich geht es darum, Politikentscheidungen sachlich fundiert und datengestützt zu treffen, und nicht nur auf der der Basis von Vermutungen oder ideologischen Überzeugungen. Idealerweise werden die Ursachen für gesellschaftliche Probleme – zum Beispiel Kriminalität, Arbeitslosigkeit – mit Hilfe vorhandener Daten analysiert, und man versucht, die Variablen zu identifizieren, die mit dem Problem in Zusammenhang stehen. Anschließend wird versucht, die relevanten Variablen zu beeinflussen (sei es durch Förderprogramme oder gesetzliche Regelungen), um das Problem idealerweise zu lösen oder aber zumindest seine negativen Auswirkungen deutlich zu reduzieren.

Ist eine Übertragung auf deutsche Verhältnisse machbar und sinnvoll?

Ergänzendes zum Thema
 
Big-Data-Analysen im US-Bundesstaat Indiana

Diehm: Grundsätzlich ist die Einstellung zum Datenschutz und der Nutzung persönlicher Daten in den USA eine andere als in Deutschland. Aber auch mit dem bestehenden Datenschutz ist eine sinnvolle Nutzung von Analytics möglich. Herausforderungen bestehen vor allem dann, wenn das Niveau und die konkreten Anforderungen an den Datenschutz nicht auf nationaler oder besser europäischer Ebene festgelegt werden, sondern individuell durch einzelne Landesdatenschützer oder sogar Datenschutzbeauftragte in Behörden.

Gerade die unterschiedliche Auslegung, die von der kleinsten Einheit her gedacht wird, steht modernen Konzepten und professionellen Lösungen oft im Weg. Ein alarmierendes Beispiel war die ­Forderung der Datenschützer der Länder, eine eigene Vertretung bei der Kommission einzurichten. Das ist der falsche Ansatz – wir brauchen für Deutschland ein einheitliches Datenschutzrecht.

Das Interview führte Susanne Ehneß

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