Polizei und Social Media

Der Öffentlichkeit ausgeliefert?

| Redakteur: Susanne Ehneß

Die Polizei will Bürgernähe schaffen – auch virtuell
Die Polizei will Bürgernähe schaffen – auch virtuell (© codiarts - Fotolia.com)

Ein Facebook-Auftritt schafft Aufmerksamkeit, kann aber auch provozieren. Dies gilt in besonderem Maße für öffentliche Einrichtungen wie die Polizei. Zwar können Bürger bei der Ermittlungsarbeit unterstützen und Azubis gewonnen werden, doch bieten Social-Media-Seiten auch eine Plattform für Kritik und Häme.

Die sächsische Polizei hatte es sicherlich gut gemeint mit ihrem Gewinnspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft. Auf Facebook lobten die Ordnungshüter eine Fahrt im Wasserwerfer für denjenigen aus, der den Sieger des Fußball-Turniers richtig tippe. Veröffentlicht wurde das Gewinnspiel auf einer Karriere-Seite der Polizei.

Doch die Reaktion auf das Gewinnspiel war verheerend. Die Facebook-User reagierten durchweg negativ auf das Gewinnspiel und den Hauptpreis – gerade vor dem Hintergrund der Polizeigewalt im Vorfeld der Fußball-WM. „Uns ist bewusst, dass ein Einsatzmittel wie der Wasserwerfer, sei es aufgrund eigener Erfahrung oder aktueller Presseberichte aus Brasilien, bei dem ein oder anderen negative Emotionen auslösen kann“, kommentierte daraufhin das Facebook-Team der Polizei.

Licht und Schatten

Letztlich wurde das Gewinnspiel abgebrochen: „Wir haben uns dazu entschlossen, unser Gewinnspiel vorzeitig zu beenden. Offensichtlich fanden viele User daran keinen Gefallen und sind nun verärgert. Das war nicht unsere Absicht und tut uns leid. Wir wollten euch lediglich eine Möglichkeit bieten, einen Blick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit zu werfen.“ Für den Gewinner werde man sich nun einen anderen Preis überlegen. Die Gewinnspiel-Meldung wurde daraufhin gelöscht.

Vor einem Shitstorm ist niemand, der sich auf sozialen Netzwerken tummelt, gefeit. Das gilt ebenso für die Polizei. Doch neben den Schattenseiten einer Social-Media-Präsenz gibt es natürlich auch Licht. Mit ihrer „Karriere-Fanpage“ will die Polizei Sachsen gezielt junge Leute und damit potenziellen Nachwuchs ansprechen. Dementsprechend werden hier Kinospots und Bewerbungsaufrufe gepostet. „1 Beruf – 1.000 Möglichkeiten“ werden für den „verdächtig guten Job“ versprochen. Rund 2.700 Facebook-User haben diese Seite bisland „geliked“.

Twitter-Aktion

Öffentlichkeitswirksam war auch eine Twitter-Aktion der Polizei Berlin. Anfang Juni wurde für 24 Stunden live aus der Notrufzentrale getwittert – 1.000 Tweets setzte die Polizei in diesem Zeitraum ab. Zwei Tage vor der Twitter-Aktion hatte man 5.775 Follower, durch die Aktion stieg die Zahl auf 20.000.

„Neben unserem Anliegen, allen Interessierten zu zeigen, was aus polizeilicher Sicht in der Stadt so passiert, wollen wir auch um Auszubildende werben und für die anspruchsvolle und abwechslungsreiche Arbeit bei der Polizei begeistern“, begründete die Berliner Polizei die Aktion. Für Frühjahr 2015 ist man auf der Suche nach 420 Auszubildenden.

Kontrolle

Neben der Chance, neue Azubis zu gewinnen, wird Facebook von den Polizeidienststellen derzeit vor allem für Blitzermeldungen, Unfallfotos oder Fahndungsinformationen genutzt.

Bei Letzteren dürfen dem Datenschutz zuliebe weder Namen noch Fotos veröffentlicht werden, zumal die Beiträge durch die deutschen Dienststellen kaum kontrolliert werden können: Die Facebook-Server stehen außerhalb Deutschlands, und das Löschen von einmal geposteten Fotos ist durch die „Teilen“-Funktion schier nicht möglich.

Auch auf Seiten der User kann die Kontrolle abhandenkommen, wenn beispielsweise die Diskussion in eine unbeabsichtigte Richtung geht oder wenn gefälschte Polizei-Profile auftauchen. Arnold Plickert von der Gewerkschaft der Polizei in Nordrhein-Westfalen erklärte gegenüber dem WDR, dass es schon Hetzjagden gegeben habe, „inbesondere bei ganz sensiblen Delikten wie Kindesmissbrauch und Kinderpornografie“. Hier müsse besonders vorsichtig mit den Personendaten umgegangen werden.

Als sinnvoll erachtet Plickert den Facebook-Einsatz bei der Suche nach vermissten Personen oder nach Wohnungseinbrüchen. „Wir können bei Facebook Fotos von Diebesgut einstellen und so darüber den einen oder anderen Geschädigten ermitten“, so Plickert.

Die meisten Fans hat Niedersachsen. Lesen Sie weiter!

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Man ist sowieso ausgeliefert. Wenn nicht auf den eigenen Plattformen dann auf Plattformen Dritter....  lesen
posted am 25.07.2014 um 14:30 von Unregistriert

Der öffentliche Dienst der Öffentlichkeit ausgeliefert: die Überschrift hat was. Im Bunker große...  lesen
posted am 21.07.2014 um 11:24 von woksoll


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42831264 / Kommunikation)