Wie Hubs die Nutzung von Geodaten in Behörden steigern

Der öffentliche Dienst im Aufbruch

| Autor / Redakteur: Dr. Stefan Grotehans* / Susanne Ehneß

Statische GIS-Karten sollten mit Informationen aus Video-Feeds von Drohnen, sozialen Medien, IoT-Sensordaten, Videos von örtlichen Reportern oder Nachrichtendiensten verknüpft werden
Statische GIS-Karten sollten mit Informationen aus Video-Feeds von Drohnen, sozialen Medien, IoT-Sensordaten, Videos von örtlichen Reportern oder Nachrichtendiensten verknüpft werden (© profit_image - stock.adobe.com)

Die aktuell nutzbaren Geodaten-Anwendungen verbessern die ­Effizienz der Behörden, sind jedoch angesichts des Potenzials noch recht rudimentär. Eine Einschätzung von Dr. Stefan Grotehans von MarkLogic.

Dr. John Snow bewies mit dem, was wir heute als Geodaten bezeichnen, dass Cholera nicht über die Luft, sondern durch verschmutztes Abwasser übertragen wird. Dafür hatte er jeden Cho­lera-Toten im Londoner Bezirk Soho in eine Karte eingetragen und so eine bestimmte Wasserpumpe als Übertragungsquelle identifiziert. Nachdem der Griff der Wasserpumpe entfernt worden war, ging auch die Zahl der Cholera-Fälle in dem Bezirk gegen null.

Fast 150 Jahre später verwenden Kommunalverwaltungen raum­bezogene Daten für unterschiedlichste Bereiche, wie etwa um die Lage von Krankenhäusern zu planen, die Touren der Müllabfuhr zu optimieren und Querverweise zu den Adressen registrierter Steuerzahler vor Wahlen zu erhalten.

Zugegeben – diese Anwendungen verbessern die Effizienz der Behörden, sie sind jedoch angesichts des Potenzials von Geodaten noch recht rudimentär. Der bevorstehende Wandel bei der Nutzung von Geodaten wird daher ausgefeiltere ­Möglichkeiten für neue Anwendungen bringen, die – vergleichbar mit der bahnbrechenden Arbeit von Dr. Snow – den öffentlichen Sektor vollkommen neu gestalten dürften.

Muster erkennen

Entscheidend dafür ist die Fähigkeit, scheinbar verschiedene Datenpunkte anhand des Standorts zueinander in Beziehung zu setzen. Dadurch lassen sich Muster erkennen und Einblicke gewinnen, mit denen Informationen auf neue Weise bereitgestellt und Bürger eingebunden werden.

Damit das gelingt, müssen statische GIS-Karten mit den ständig wechselnden Informationen aus Quellen wie Medienkanälen, Video-Feeds von Drohnen, sozialen Medien, allgemein verfügbaren Daten, IoT-Sensordaten, Videos von örtlichen Reportern und sogar Nachrichtendiensten verknüpft werden.

Diese verschiedenen Datentypen lassen sich am besten mit einer flexiblen Datenbank integrieren. Auf dieser Grundlage kann eine neue Generation an Geodaten-Anwendungen entstehen, die die Gestaltung und Umsetzung öffentlicher Leistungen vereinfacht – wie Planungsvorhaben, Wohnraum, Arbeitsplätze, Nahverkehr, Umweltschutz, Gesundheitsleistungen, ­Sozialfürsorge, Polizei und Rettungsdienste.

Angenommen, ein Ersthelfer ist bei einer Explosion in einem großen Frankfurter Bürohaus im Einsatz. Bei der heutigen Mapping-Software sieht er wahrscheinlich nur die Adresse und vielleicht den Grundriss des Gebäudes. Um wie viel hilfreicher wäre diese Anwendung, wenn sie nicht nur Satellitenbilder, sondern auch eine aktuelle Liste aller Mieter des Gebäudes, deren Mitarbeiter, die genaue Lage jedes Büros und vielleicht auch die neuesten Beiträge der Mieter in sozialen Netzwerken zeigen würde.

Echtzeit-Informationen

Noch effizienter aber wäre die Anwendung, wenn sie in Echtzeit Informationen aus sozialen News-Feeds anderer Bürger anzeigen würde, die bereits vor Ort sind, oder Zugriff auf Videos von Überwachungskameras im Gebäude und auf dem Außengelände ermöglichen könnte.

All diese zusätzlichen Datenpunkte in einer einheitlichen 360-Grad-Ansicht zusammengefasst, kann Feuerwehrleuten und Sanitätern helfen, im Katastrophenfall besser und schneller vorzugehen. Sie erhalten einen umfassenderen Überblick über mögliche Opfer, deren Standort und den schnellsten Weg, Verletzte sicher zu erreichen. Kommt es zu widersprüchlichen Informationen, werden Datenquellen überprüft und eine verlässlichere Quelle gesucht.

Auch die Polizei kann von diesem Ansatz profitieren, um Diebe schneller zu fassen, Kinder besser zu schützen und das Krisenmanagement bei Terroranschlägen zu verbessern.

Bei Kriminalitätsanalysen für aufgebrochene Fahrzeuge muss die britische Polizei beispielsweise um die zehn Datenbanken durchforsten – wie eingegangene Notrufe, Verkehrsstörungen, Verbrechensdatenbanken oder Heatmaps. Erst dann erhält sie ein Gesamtbild über aufgebrochene Autos in ihrer Region. Heutzutage verbringen Analysten rund 70 Prozent ihrer Zeit mit der Datenerfassung – einschließlich des manuellen Dateneingabe in Karten. Nur rund 30 Prozent der Zeit verwenden sie für die eigentliche Analyse. Durch Automatisieren dieser zeitaufwendigen Datenerfassung könnten Analysten Zeit sparen und Kriminalitätsmuster schneller erkennen.

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