Freie Software plus offenes Denken als Erfolgsrezept

Der LinuxTag wird politischer

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Linux-Desktops in den Kommunen

Zwei weitere Beispiele demonstrieren das: Erstens fanden sich jeweils nur etwa 60 bis 70 Zuhörer zu den Vorträgen über die Linux-Desktops in den Stadtverwaltungen von Treuchtlingen und München ein. Früher wäre der Saal brechend voll gewesen, aber heute sind das seit 2002 beziehungsweise 2006 erfolgreich laufende Projekte, die vor allem dadurch auffallen, dass sie nicht wie in anderen Kommunen gekappt oder gekippt wurden.

James Utzschneider, General Manager, Worldwide Marketing and Operations bei Microsoft.
James Utzschneider, General Manager, Worldwide Marketing and Operations bei Microsoft.
((Bild: MS Technet))

Zweitens war Microsoft, vor wenigen Jahren noch völlig undenkbar, ein Sponsor des LinuxTags und als solcher berechtigt, durch seinen höchsten Open-Source-Manager James Utzschneider eine Keynote-Rede zu halten. Das wollten sich gleich gut 100 Besucher anhören.

Utzschneider begann mit dem Satz: „We have changed as a company and have become more open.“ Zum Beleg führte er ausführlich aus, in wie vielen internationalen Gremien Microsoft sich für offene Standards engagiere und seine Systeme für Open-Source-Anwendungen öffne.

Die anschließende Fragerunde fiel völlig ruhig und sachlich aus. Hitzige, teilweise emotionale Debatten verblassen zur Erinnerung an vergangene Zeiten, heutzutage wird an Microsoft appelliert, in diesem oder jenem technischen Aspekt mehr Offenheit zu zeigen. Utzschneider dürfte weniger Probleme mit der Community haben als hausintern, wo er starke Gruppen wie die Office-Abteilung erst einmal dazu bewegen muss, sich langsam von ihrer bisher so profitablen proprietären Ausrichtung zu lösen.

Hierin deutet sich an, dass die Querelen mit der Windows-Company auslaufen, Microsoft und die Open-Source-Community einer Koexistenz entgegensehen. Es hätte insbesondere für Open-Source-Anbieter Vorteile, wenn die IT-Anwender weniger durch Attacken aus Seattle verunsichert würden. Sie hätten gleichzeitig mehr Zeit für die Arbeit an Produkten und einer besseren Interoperabilität, für neue geschäftliche Möglichkeiten durch Open Data und Open Government für mehr Engagement in der Politik und in Standardisierungsgremien.

Investitionsschutz für Open Source

So sendet dieser LinuxTag auch gute Nachrichten für Open-Source-Anwender: Ihre Investitionen in quelloffene Software sind weniger als früher von unkalkulierbaren Microsoft-Manövern bedroht. Ihre Open-Source-Umgebungen sind Bestandteile eines umfassenderen Trends zu Open Computing, der nach einer Ausführung von IBM-Manager Wilhelm Mild aus „Open Source plus Open Standards plus Open Architecture“ besteht. Dieser wird verstärkt durch eine immer deutlicher Ausrichtung der Öffentlichen Verwaltung auf offene Standards und Open Government.

Vor 18 Jahren, beim ersten LinuxTag, hat wohl niemand zu träumen gewagt, dass Open Source einmal ein treibendes Element zur weiteren Demokratisierung der Gesellschaft werden könnte.

Der Autor

* Ludger Schmitz, freiberuflicher Journalist in München.

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