Vision „KV 80-2020“

Der digitale Wandel eröffnet enorme Potenziale

| Autor / Redakteur: Alexander Bender / Jürgen Sprenzinger

Entbürokratisierung auf der Verwaltungsebene, weniger manuelle Abläufe und mehr automatisierte Prozesse auf einer soliden Datenbasis bedeuten eine enorme Zeitersparnis
Entbürokratisierung auf der Verwaltungsebene, weniger manuelle Abläufe und mehr automatisierte Prozesse auf einer soliden Datenbasis bedeuten eine enorme Zeitersparnis (Bild: Szekely.Oana)

Der digitale Wandel, der Schritt für Schritt immer mehr Wirtschaftszweige durchdringt, eröffnet Körperschaften des öffentlichen Rechts enorme Potenziale, sich zukunftsfähig aufzustellen und die Effizienz ihrer Prozesse zu steigern. Die Devise hierbei ist, die Ressourcen optimal zu nutzen, den Service zu verbessern und gleichzeitig Kosten zu senken.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen hat 2013 damit begonnen, ihre Kernprozesse zu digitalisieren und nimmt damit eine visionäre Vorreiterrolle ein: Sie demonstriert, wie Dienstleister im Gesundheitswesen sich im Zeitalter der Digitalisierung aufstellen können, um für ihre Mitglieder und Mitarbeiter den größten Nutzen zu erzielen.

Status quo: Digitalisierung der Kernprozesse

Konkret hat die KV ein Master-Data-Managementsystem eingeführt und sämtliche Prozesse mithilfe eines Prozessanalyse-Tools visualisiert und auf Optimerungspotenziale hin analysiert. Automatisierung, Ausführung und Integration erfolgten durch ein Business-Process-Management-System. Soweit die Technik.

In der Praxis bedeutet das: massive Entbürokratisierung auf der Verwaltungsebene, weniger manuelle Abläufe, mehr automatisierte Prozesse auf einer soliden Datenbasis. Damit spart die KV Hessen enorm viel Zeit und Kosten. Gleichzeitig hat sie durch die Harmonisierung der IT-Systeme die Agilität der gesamten Infrastruktur gesteigert und kann seitdem kurzfristiger auf sich verändernde gesetzliche Vorgaben reagieren, was die Prozesseffizienz künftig um bis zu 25 Prozent erhöhen wird – beispielsweise bei dem Kernprozess der Widerspruchsbearbeitung.

Effizientere Verwaltung verbessert die medizinische Versorgung

Warum dieser Aufwand? Ganz einfach: weil eine effizientere Verwaltung eine bessere medizinische Versorgung ermöglicht. Der Gesundheitsmarkt in Deutschland erwirtschaftet jährlich circa 180 Milliarden Euro durch die Beiträge der gesetzlich Krankenversicherten, die zu einem größeren Teil zur medizinischen Versorgung und zu einem kleineren Teil zur Finanzierung der Verwaltung eingesetzt werden. Die logische Konsequenz: Je weniger Kosten für die Verwaltung aufgewendet werden müssen, desto mehr Mittel stehen für eine optimale Versorgung der Patienten zur Verfügung. Die einzige Möglichkeit, die Kosteneffizienz der Verwaltung zu steigern, ist die Verschlankung der Verwaltung, die radikale Reduzierung der Papierflut mithilfe digitaler Prozesse.

Die Vision: 80 Prozent Digitalisierungsgrad

Die IT-Modernisierung war gleichzeitig der Startschuss des Projekts „KV 80-2020 – die digitale KV der Zukunft“. Die neue Infrastruktur ist die Ausgangsbasis für eine umfassende Digitalisierung aller Kernprozesse, mit dem Ziel, die Zukunftsfähigkeit der KV Hessen zu steigern und eine Vorreiterrolle als digitale Behörde unter den KVen in Deutschland einzunehmen. Bis 2016 soll die komplette Organisation digitalisiert werden, sodass unter der Prämisse der Digitalisierung ein funktionales und zukunftsfähiges digitales Unternehmen entsteht. Dadurch ist die KV Hessen sehr gut aufgestellt, um von dem Konsolidierungsprozess, der bereits zahlreiche Versicherer in Deutschland erfasst hat, zu profitieren, und sich als Marktführer zu etablieren. Bis zum Jahr 2020 wird es der KV gelingen, bis zu 80 Prozent der Prozesse zu digitalisieren – vorausgesetzt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen lassen es zu.

Erfolgsfaktoren für Change-Prozesse: Chancen statt Bedrohung

Entscheidend für den Erfolg eines solchen Transformationsprojekts ist zum einen ein Partner, der dieselben Werte zugrunde legt, die gleichen Ziele verfolgt

Der Autor Alexander Bender ist Bereichsleiter und verantwortlich für IT-, Personal-, Finanz- und innere Verwaltungsthemen bei der KV in Hessen
Der Autor Alexander Bender ist Bereichsleiter und verantwortlich für IT-, Personal-, Finanz- und innere Verwaltungsthemen bei der KV in Hessen (Bild: privat)

und die Vision der digitalen Behörde teilt. Das hat die KV Hessen zu 100 Prozent bei der Software AG vorgefunden. Zum anderen müssen die neuen, digitalisierten Prozesse sowohl auf der übergeordneten Unternehmensebene als auch in den einzelnen Abteilungen verstanden werden, sodass jeder Mitarbeiter ihren Nutzen erkennt. Getrieben werden solche Change-Prozesse von der Management-Ebene. Ihr kommt die Rolle der strategischen, visionären Führung zu.

Damit der Prozess allerdings von der gesamten Organisation mitgetragen wird, ist es essenziell, die Mitarbeiter „mitzunehmen“, indem sie frühzeitig in die Veränderungsprozesse involviert werden und ihre Vorteile erkennen. Das heißt: Change-Prozesse im Zuge des digitalen Wandels finden nicht nur in Form eines neuen, modernen Images Ausdruck, sondern müssen auch nach innen kontinuierlich und transparent kommuniziert werden.

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