SEPA-Migration noch nicht abgeschlossen

Der Countdown läuft

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Was müssen Verwaltungen beachten?

Laut PwC müssen Behörden, Stadtwerke & Co. folgende Aufgaben bis zum Stichtag bewältigen:

  • Konvertierung der Zahlungsverkehrsdaten für neue Datenformate,
  • Aufbau einer Mandatsverwaltung für SEPA-Lastschriften,
  • Einholung von SEPA-Mandaten für Lastschriften,
  • Umstellung von Überweisungsvordrucken, Zahlscheinen und möglicherweise Zahlungsverfahren sowie
  • Vorbereitung auf den Kommunikationsbedarf.

Jens Kohnen, SEPA-Fachmann bei PwC, weiß um die Komplexität der Migration in den Verwaltungen: „Schon die Umstellung der Bankverbindungen allein ist für die Öffentliche Hand – angesichts der schieren Masse an Daten – eine Herkulesaufgabe. Schließlich hat die Öffentliche Hand wegen Abwassergebühren, Anliegerbeiträgen, Grundbesitzabgaben oder Hundesteuer mit fast jedem Bürger in Überweisungs-, Einzahlungs- oder Lastschriftverfahren zu tun. Daneben sind die Kommunen Arbeitgeber und haben die Auszahlungen für ihre Mitarbeiter zu gewährleisten.“

SEPA fordert die Kommunen heraus

Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB), sieht die Umstellung auf SEPA durchaus kritisch. eGovernment dürfe durch Online-Mandate nicht gebremst werden, ein Medienbruch würde die elektronische Interaktion zwischen Bürgern, Unternehmen und Verwaltung erheblich erschweren.

Habbel: „Für die Ausführung von Zahlungen mit einer SEPA-Basis-Lastschrift muss der Zahler vor dem ersten Zahlungsvorgang dem Zahlungsempfänger schriftlich ein SEPA-Lastschriftmandat erteilen. Das Mandat wird bei der Kommune verwaltet. Weil der Erstattungsanspruch des Zahlungspflichtiges für die nicht autorisierten Zahlungen ab der Belastung 13 Monate beträgt, kann die Gefahr der Insolvenz bestehen. Deshalb liegt es im Interesse der Kommunen, die Anzahl der nicht autorisierten Zahlungen zu minimieren.“

Probleme gebe es bei den Online-Mandaten. Sowohl der Deutsche Städte- und Gemeindebund als auch die Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister (Vitako) fordern deshalb eine medienbruchfreie Prozessgestaltung.

Problem Online-Mandat

Laut Vorgaben der Banken muss eine Online-Mandatierung ab 1. Februar 2014 in schriftlicher Form vorliegen. Habbel: „Bis auf Weiteres wird es in Deutschland allerdings keine solche Möglichkeit geben, Mandate zur Abbuchung ordnungsgemäß auf elektronischem Wege zu erteilen. Genau dieser Prozessschritt ist jedoch ein wichtiges Element bei der Umsetzung effizienter eGovernment-Anwendungen. Der nach SEPA erforderliche Medienbruch erschwert die elektronische Interaktion zwischen Bürgern, Unternehmen und Verwaltung erheblich.“

Der DStGB und die kommunalen IT-Dienstleister drängen daher darauf, Online-Mandate in der bisherigen Form auch künftig zu akzeptieren. Die Bundes-Arbeitsgemeinschaft der kommunalen IT-Dienstleister, Vitako, fordert darüber hinaus eine praktikable Lösung für die medienbruchfreie Prozessgestaltung. Hierfür biete sich laut Habbel die eID-Funktion des neuen Personalausweises an. Sie könne die nach SEPA notwendige Unterschrift ersetzen und wäre eine weitere sinnvolle Anwendung der eID-Funktion.

„Erst mit diesem Schritt werden eGovernment-Anwendungen ihre volle Wirkung verbreiten, Bürokratie reduzieren und den Service verbessern“, verdeutlicht Habbel.

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