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eGovernment-Benchmark der EU Der Bund hat die Gunst der Stunde gut genutzt

Autor: Manfred Klein

Der neue eGovernment-Benchmark, den Capgemini für die EU-Kommission erstellt hat, zeichnet insgesamt ein positives Bild. eGovernment Computing sprach mit Marc Reinhardt von Capgemini über die Ergebnisse und das gute Abschneiden Deutschlands.

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Der neueste eGovernment-Benchmark der EU-Kommission konstatiert den europäischen Verwaltungen gute Fortschritte. Auch Deutschland hat weiter Boden gut gemacht
Der neueste eGovernment-Benchmark der EU-Kommission konstatiert den europäischen Verwaltungen gute Fortschritte. Auch Deutschland hat weiter Boden gut gemacht
(© finecki – stock.adobe.com)

Herr Reinhardt, der aktuelle eGovernment-Benchmark, den Capgemini für die EU-Kommission erstellt hat, zeichnet insgesamt ein sehr positives Bild der Entwicklung in den Mitgliedsstaaten. Welches sind die wichtigsten Veränderungen gegenüber dem Vorjahr?

Reinhardt: Das Gesamtbild fällt europaweit tatsächlich positiv aus und Verbesserungen sind in allen Facetten des eGovernment erkennbar. Das Benchmark bestätigt die bereits im Vorjahr erkennbare Entwicklung, dass das Feld dichter zusammenrückt und sich die europäischen Länder in ihrer Leistungsstärke annähern. Auch Deutschland hat beim eGovernment eine Dynamik entfaltet, die durch den Portalverbund und das Digitalisierungsprogramm einen zusätzlichen Schub erhalten hat und welche den führenden eGovernment-Nationen in nichts nachsteht. Ein weitere erfreuliche Entwicklung sehen wir darin, dass lokale Verwaltungen zunehmend zu den nationalen Institutionen beim eGovernment aufschließen.

Marc Reinhardt, Senior Vice President und Leiter Public Sector, Capgemini Deutschland
Marc Reinhardt, Senior Vice President und Leiter Public Sector, Capgemini Deutschland
(© cap gemini)

Insgesamt werden heute europaweit mehr als drei Viertel der Verwaltungsleistungen vollständig online angeboten. Aus deutscher Sicht ist hervorzuheben, dass der Penetrationsgrad 2020 um sechs Prozentpunkte gestiegen ist, sodass inzwischen fast jeder Zweite der Bürgerinnen und Bürger die online angebotenen Dienste nutzt (46 Prozent). Zudem sind mittlerweile deutlich mehr Internetseiten der Verwaltungen für die mobile Nutzung optimiert, vor allem die Kfz-Anmeldung oder der Umzug lassen sich inzwischen häufig von unterwegs durchführen. Gleichwohl gibt es hier noch Steigerungspotenzial, zumal das Interesse an mobilen Angeboten weiter zunehmen dürfte.

Darüber hinaus sind öffentliche Institutionen europaweit heute deutlich transparenter hinsichtlich ihrer Verwaltungsleistungen und der Informationen über die eigene Behörde. Deutschland liegt hierbei mit 67 Prozent leicht über dem Durchschnitt, weitere Fortschritte wären wünschenswert.

Digitaler wird auch die Kommunikation zwischen Öffentlichkeit und Verwaltung. So ist mittlerweile mit zwei Dritteln der Verwaltungen ein elektronischer Austausch möglich und in immerhin zehn Ländern werden digitale Postfächer angeboten. Neben den skandinavischen Ländern sind hier vor allem unsere Nachbarn Österreich, Tschechien und Belgien führend und Deutschland noch ein gutes Stück weit voraus.

… und im Vergleich zum vollendeten Vierjahreszyklus?

Reinhardt: Auch in diesem Zyklus verzeichnet das Benchmark Verbesserungen in allen bewerteten Kriterien, allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: der Leistungsstand der einzelnen Kriterien wie das Tempo ihrer Weiterentwicklung fallen sehr unterschiedlich aus. So nimmt die Online-Verfügbarkeit von Verwaltungsleistungen in Europa nur noch langsam zu, allerdings ausgehend von einem bereits relativ hohen Umsetzungsniveau von circa 75 Prozent.

Für Unternehmen sind in Deutschland zumindest Informationen zu nahezu jeder bewerteten Verwaltungsleistung verfügbar. Das Steigerungspotenzial liegt eher darin, die Leistungen im Rahmen der OZG-Umsetzung online auch nutzbar zu machen. Betrachtet man hingegen Schlüsseltechnologien wie die eID oder Maßnahmen zur digitalen Kommunikation, stagnierte die Entwicklung in Deutschland nahezu während der letzten vier Jahre.

Viele EU-Mitgliedstaaten haben bei der digitalen Kommunikation und dem Einsatz von Schlüsseltechnologien deutlich zugelegt. Deutschland sollte den eingeschlagenen Weg mit Nachdruck weiterverfolgen und die bereits erfolgten Schritte als Motivation sehen. Mittlerweile setzen sich die Bürger zunehmend mit den angebotenen Diensten auseinander und nutzen beispielsweise die Online-Selbstauskunft oder die „AusweisApp2“, um sich digital auszuweisen. Wichtig wird es für die kommenden Jahre sein, zentrale Vorhaben wie digitale Unternehmenskonten und interoperablen Servicekonten zügig weiter auszubauen, um zielgerichtet vorwärts zu kommen.

Durch das Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), beziehungsweise der General Data Protection Regulation (GDPR), ist seit 2018 länderübergreifend eine gestiegene Transparenz in Bezug auf persönliche Daten zu verzeichnen. Das Bewusstsein gegenüber diesem Thema ist damit ebenfalls gestiegen.

Im Vergleich zu manchen Angeboten von Vorreitern in der Privatwirtschaft, sind die Informationen über den Prozess der Leistungserbringung im öffentlichen Sektor jedoch noch nicht gleichermaßen transparent. Dabei ließe sich mit relativ wenig Aufwand die Benutzerfreundlichkeit optimieren, indem zumindest bestimmte Informationen hinterlegt würden – beispielsweise über die zu erwartende Genehmigungsdauer eines Antrages. Für eine volle Transparenz der Datennutzung in einem Bürgerdatencockpit, das wir schon vor zwei Jahren mit dem Land Schleswig-Holstein einmal konzipiert hatten, fehlt es aber noch an den Zugriffen – das ist ergo ein Thema der Registermodernisierung.

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