Die Vorteile zweier Welten in einem Produkt

Der Brief kommt ins Internet

27.11.2009 | Redakteur: Manfred Klein

Bereichsvorstand Dr. Johannes Helbig der Deutschen Post AG sieht den Online-Brief nicht als konkurrenz zur De-Mail
Bereichsvorstand Dr. Johannes Helbig der Deutschen Post AG sieht den Online-Brief nicht als konkurrenz zur De-Mail

Die meisten Bürger haben bereits einen eMail-Account. Glauben Sie, dass die eMail-Nutzer auf den Brief im Internet umsteigen?

Helbig: Wir glauben nicht, dass die Menschen nun ihre eMail-Konten aufgeben. Sie werden aber trotzdem ihren elektronischen Briefkasten registrieren lassen, weil es zukünftig immer mehr Kommunikationsanlässe geben wird, die nur über einen verbindlichen und sicheren Kanal abgewickelt werden. Hinzu kommt, dass das Bewusstsein für Sicherheit und Datenschutz dramatisch steigt. Wir glauben, dass ein dringender Bedarf für vertrauliche und verbindliche Kommunikationslösungen im Internet existiert und der Brief im Internet hierfür genau das richtige Angebot darstellt.

30 Prozent der Deutschen haben noch keinen Online-Anschluss – was ist mit dieser Gruppe?

Helbig: Selbst wenn alle Bürger online sind – es wird immer Menschen geben, die ihre Behördenpost auch weiterhin in Papierform haben wollen, und es wird auch immer Dokumente geben, die als klassischer Brief in Papierform versendet werden. Daher wird die Zukunft des Briefes nicht elektronisch, sondern hybrid sein. Die Post stellt sicher, dass der Onlinebrief seinen Adressaten erreicht – ob elektronisch oder in seiner bewährten Papierform. Diese Kombination zwischen elektronischer Kommunikation und flächendeckender Zustellung diskriminierungsfrei für alle Bürger – das können nur wir. Und eben diese zuverlässige Zustellung ermöglicht Behörden und Unternehmen einen schnellen Umstieg auf den Onlinebrief.

Bei welchen konkreten Kommunikationsanlässen sehen sie denn den Onlinebrief im Vorteil?

Helbig: In der Behördenkommunikation wird es nach Verabschiedung eines De-Mail-Gesetzes Fälle geben, in denen aus rechtlichen Gründen elektronische Kommunikation nur dann möglich ist, wenn sie konform zu diesem Gesetz ist. Selbstverständlich wird der Onlinebrief solche gesetzlichen Normen erfüllen. Im geschäftlichen Verkehr bietet der verbindliche Onlinebrief Verfahrenssicherheit für Verträge, Aufträge, Rechnungen oder Zahlungsanweisungen. Auch die Vertraulichkeit ist ein ernstzunehmender Faktor.

Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass der Hybridbrief gerade im Privatbereich viele Freunde findet. Keine Suche nach Briefmarken und kein Gang zum Briefkasten mehr, an jedem Internetzugang kann ein klassischer Brief geschrieben und versendet werden.

Beabsichtigen Sie sich am De-Mail-Piloten zu beteiligen?

Helbig: Mit dem Brief im Internet transformieren wir unser Kerngeschäft in die elektronische Welt. An dieser technischen Weiterentwicklung unseres Projekts arbeiten wir wie international auch viele andere Postgesellschaften. Sie steht nicht im Widerspruch zur De-Mail-Initiative des Innenministeriums. Trotzdem ist bei dem gegenwärtigen Piloten eine Teilnahme unwahrscheinlich. Die Weiterentwicklung unseres Hauptumsatzträgers und die anschließende Markteinführung gehört zu unseren strategisch wichtigen Projekten. Jeder wird Verständnis dafür haben, dass wir die Transformation unseres Briefes nur in eigener Planung und Verantwortung durchführen können.

Was hält die Post denn vom De-Mail-Gesetz?

Helbig: Die Deutsche Post unterstützt ausdrücklich die politische Zielsetzung, einen Standard für verbindliche elektronische Schriftkommunikation herbeizuführen. Es gibt noch viele rechtliche Barrieren für elektronische Kommunikation. Hier ist noch viel Reformarbeit zu leisten, bis die elektronische Kommunikation rechtlich der Papierform gleichgestellt ist. Darüber hinaus brauchen wir eine gesetzliche Regelung zu den Sicherheits- und Interoperabilitätsstandards der verbindlichen elektronischen Schriftkommunikation. Die Deutsche Post hat erklärt, gemeinsam mit anderen Anbietern diesen Standard aktiv mitzugestalten.

Wir sehen diese Normierung nicht nur aus der nationalen Perspektive. Viele Postdienstleister entwickeln ähnliche Angebote und als Mitglied des Weltpostvereins wollen wir uns dafür engagieren, dass es internationale Standards für den elektronischen Brief gibt. Niemand würde Verständnis dafür haben, dass verbindliche elektronische Kommunikation an nationalen Grenzen aufhört.

Was soll der Brief im Internet denn kosten?

Helbig: Auf Grund der engen Verzahnung, die der Brief im Internet mit der papierbasierten Brief-Welt hat, strebt die Post ein ähnliches Preismodell für die digitale Kommunikation an, das heißt der jeweilige Versender zahlt je Transaktion. Über Höhe des Preises für den Brief im Internet können und wollen wir jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben machen.

Wann wird es den Brief im Internet geben?

Helbig: Zurzeit läuft noch ein interner Pilot mit über 5.000 Anwendern, den wir zunächst auswerten wollen, bevor wir voraussichtlich Mitte 2010 in den Markt gehen.

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Alle besprochenen und beschriebenen Mängel treffen zu, muss ich daher nicht wiederholen. 2...  lesen
posted am 16.12.2011 um 12:49 von Unregistriert


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