Umweltzeichen könnte Bestandteil öffentlicher Ausschreibungen werden

Der „Blaue Engel“ sieht alles

| Redakteur: Susanne Ehneß

Auf dem Weg zur Energieeffizienz – die Umwelt dankt's
Auf dem Weg zur Energieeffizienz – die Umwelt dankt's (Bild: Iakov Kalinin - Fotolia.com)

Wie wichtig ist eine Zertifizierung mit dem „Blauen Engel“ für Betreiber von Rechenzentren? Frank Neubauer von RZ-Products und der technische Berater der Vergabegrundlage für das ­Umweltzeichen, Dipl.-Ing. Marc Wilkens vom Lehrstuhl für Informations- und ­Kommunikationsmanagement an der TU Berlin, nehmen im Interview dazu Stellung.

Herr Wilkens, über Green IT wird schon lange diskutiert. Warum ist gerade jetzt die richtige Zeit für eine neutrale Zertifizierung gekommen?

Wilkens: Bisher hat es an dem richtigen Konzept gefehlt: Was muss gemessen werden? Wie muss gemessen werden? Wo muss gemessen werden? Nach welchen Kriterien müssen die Ergebnisse bewertet werden? Die Effizienz von Rechenzentren in Bezug auf den Energiebedarf galt immer als schwierig zu bewerten. Mit dem nun vorhandenen Benchmarking-System und der einheitlichen Vergabegrundlage, die seitens der Rechenzentrumsbetreiber im Vorfeld der Erstzertifizierung mit dem Blauen Engel erfüllt werden muss, haben wir jetzt genaue Kennzahlen, die direkte und zuverlässige Vergleiche zulassen. Die Fragen sind sehr präzise gestellt, und die Messstellen wurden eindeutig definiert. So werden die Komplexität der Serverräume in Betracht gezogen und ein aussagekräftiges Ergebnis bezüglich der Effizienz erzielt.

Welche Vorteile haben Betreiber eines Rechenzentrums (RZ) durch die Zertifizierung?

Neubauer: Ein klarer Vorteil ist, dass sich die Kosten im Zuge des effizienteren Betriebes mittel- bis langfristig senken lassen und auch die Umweltbilanz besser wird. Die RZ-Betreiber sind zudem stets auf dem aktuellen Stand und verfügen über ein hohes Maß an Transparenz hinsichtlich des Energiebedarfs sowie der aktuellen Ausstattung des Rechenzentrums. Im Zuge der Zertifizierung wird der Einsatz speziell entwickelter Hard- und Softwarekomponenten notwendig, die eine bedarfsorientierte Visualisierung der IT sowie deren Infrastruktur gewährleisten. Neben der Effizienzsteigerung werden sich auch Effekte einstellen, die den Grundstein für weitere Maßnahmen zur Steigerung der Verfügbarkeit und Sicherheit legen.

Wilkens: Vor allem für die öffentlichen Institutionen und Dienstleistungsrechenzentren wird der Blaue Engel zukünftig einen hohen Stellenwert haben. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass das Umweltzeichen mit seinem Kriterienkatalog fester Bestandteil für öffentliche Ausschreibungen wird. Nachdem die ersten Rechenzentren zertifiziert wurden – darunter auch eines aus dem öffentlichen Bereich – ist es durchaus denkbar, dass die Kriterien der Vergabegrundlage einen wichtigen Status ­erlangen. Im Falle von Outsourcing-Rechenzentren ergibt sich darüber hinaus durch die Zertifizierung eine hohe Reputation.

Welchen Weg müssen RZ-Betreiber auf dem Weg zur Zertifizierung gehen?

Wilkens: Im Vorfeld der Erstzertifizierung muss zunächst die Vergabegrundlage erfüllt werden. Zu diesem Zweck wird der besagte Fragenkatalog ausgefüllt und anschließend vom Prüfinstitut bewertet. Es folgt ein inhaltliches Gutachten, welches an die RAL gGmbH weitergeleitet wird, die dann in ihrer Funktion als staatlich autorisierte Stelle das Zeichen vergibt – oder auch nicht. Auf jeden Fall muss ein Energiemanagement implementiert werden, das Aufschluss über die Energiestrategien zulässt. Verfügt das RZ beispielsweise zu Beginn lediglich über ein Gebäude-Energie-Monitoring, muss innerhalb von zwei Monaten ein IT-Monitoring nachgerüstet werden. Entscheidend ist, dass das gesamte RZ einschließlich der IT-Performance, Gebäudetechnik, Energieverbräuche et cetera berücksichtigt wird. Damit ein nachhaltiges Monitoring erfolgen kann, muss zudem auf die Schnittstellen geachtet werden. Häufig haben Monitoring-Systeme, die aus der Gebäudetechnik kommen, Probleme, die Messwerte der IT zu integrieren – und umgekehrt. Ein geeignetes Tool muss demnach ein ausgeklügeltes Messkonzept vorweisen und sehr gut geplant sein!

Frank Neubauer ist Produkt-Manager für „MonIToring-Energy.sys“ bei RZ-Products
Frank Neubauer ist Produkt-Manager für „MonIToring-Energy.sys“ bei RZ-Products (Bild: RZ-Products)

Neubauer: Ideal ist daher ein Konzept, das Energie-Monitoring und die Inventarisierung aller RZ-Komponenten kombiniert. Hier sind auch Eingaben sowie Datenimporte aus anderen, bereits bestehenden Systemen möglich. Mit dem Einsatz des richtigen Monitoring-Tools wird die Umsetzung der Vergabekriterien deutlich vereinfacht. In unserem „MonIToring-Energy.sys“ haben wir beispielsweise spezielle Features ­integriert, deren Funktionen den ­Anforderungen für die Erst- und Re-Zertifizierung mit dem Blauen Engel gerecht werden und zum Beispiel die notwendige Erstellung von Energieberichten weitestgehend automatisiert. Die IT-Verantwortlichen werden auf diese Weise mithilfe der Darstellung des O­ptimierungspotenzials sowie den zu erreichenden Werten auf ihrem Weg begleitet.

Worauf müssen RZ-Betreiber achten? Lesen Sie weiter!

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