Ergebnisse des Zukunftspanels

„Der Aufgabendruck in den Verwaltungen wächst weiter“

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Lassen sich aus dem Vergleich der aktuellen mit der Vorjahresstudie Trends für die Entwicklung von eGovernment und Verwaltungsmodernisierung in Deutschland ableiten? Wenn ja, welche sind dies?

Hammerschmid: Grundsätzlich ist es sehr schwierig, aus einem Einjahresvergleich Rückschlüsse auf Trends abzuleiten. Was wir allerdings feststellen können, ist dass die Modernisierungslücke aus Ressourcenengpässen beziehungsweise Einsparungsdruck und notwendiger Digitalisierung und anderen als notwendig erachteten Modernisierungsmaßnahmen tendenziell sogar größer geworden ist.

Interessant – allerdings nicht ganz überraschend in Folge der NSA-Debatten – ist eine steigende Skepsis gegenüber zentralen Technologietrends wie Tracking Funktionen, Big Data, Cloud Computing oder Open Data. Die Mehrheit der befragten Behörden plant daher auch keinen Einsatz dieser Technologietrends, während etwa elektronische Dokumentation und Bezahlung sowie mobile eGovernment-Anwendungen und Online-Ausweisfunktion auf deutlich höhere Zustimmung stoßen und bei der Mehrzahl der Behörden in Planung sind. Auch in Hinblick auf andere Modernisierungsmaßnahmen wie etwa öffentlich-private Kooperationen zeigt sich eine leicht ansteigende Skepsis beziehungsweise sinkende Bereitschaft zur Umsetzung gerade in den Bereichen IT, Hochbau und Straßenbau.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Politik beziehungsweise für die Gestaltung der mit Spannung erwarteten Digitalen Agenda?

Hammerschmid: Aufgrund der hohen Aktualität haben wir die Digitale Agenda im diesjährigen Zukunftspanel stark berücksichtigt und auch klare Ergebnisse erhalten. Als größte Chancen der Digitalen Agenda 2014 bis 2017 sehen die Behördenleitungen Vereinfachungen und Erleichterungen im Verwaltungsalltag, eine verstärkte Bürger- und Kundenorientierung der Verwaltung sowie einen genereller Innovationsschub für den Öffentlichen Sektor. Diese Aspekte sollten daher auch bei der weiteren Entwicklung und Umsetzung im Vordergrund stehen. Und in Hinblick auf eine erfolgreiche Umsetzung besteht auch relativ weitgehender Konsens.

Von der Politik gefordert sind Lösungen zu einer besseren Koordination im föderalen System, zu Fragen der IT-Sicherheit und mehr Mittel für den Infrastrukturausbau. Eine klare Mehrheit der Befragten hält die Integration der Länder, Kommunen und des IT-Planungsrates bei der Umsetzung der Digitalen Agenda 2014 bis 1017 für erforderlich. Und ähnlich stark wird auch die Notwendigkeit gesehen, dass die Bundesländer dem Vorbild des Bundes folgend eine eigene Digitalisierungsstrategie erarbeiten beziehungsweise eGovernment-Gesetze erlassen.

Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie für ihre persönliche Forschungsarbeit aus den Ergebnissen der Studie?

Hammerschmid: Die Ergebnisse der Studie unterstreichen für mich klar die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Forschungsansatzes, um Verwaltungsmodernisierung in seiner Komplexität und Dynamik besser zu verstehen und vor allem das Zusammenspiel zwischen Einsparungen, Digitalisierung, Bürger- und Unternehmensorientierung und Führung beziehungsweise Personalmanagement besser zu verstehen.

Auch wir müssen unsere wissenschaftlichen Silos zu überwinden und dürfen uns in unserer Forschungsarbeit nicht nur auf kleine Teilaspekte fokussieren. Eine weitere zentrale Notwenigkeit sehe ich darin, für die Verwaltungspraxis auf Evaluationen und Forschungsergebnissen basierende Aussagen zu den Auswirkungen – positive wie negative – von Modernisierungsansätzen und Maßnahmen anzubieten und unsere Forschungsarbeiten konsequenter auf die Notwendigkeiten und Erfahrungen der Verwaltungspraxis auszurichten. In Hinblick auf die Methode sollten wir auch stärker die Erfahrungen der Mitarbeiter sowie der eigentlichen Adressaten der Verwaltungsarbeit – Bürger, Leistungsempfänger und Unternehmen – sowie ausländischer Verwaltungen berücksichtigen, um die Qualität der angestrebten Lösungen durch eine solide empirische Basis verbessern.

Die Fragen stellte Manfred Klein

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