KI in der Öffentlichen Verwaltung

Den Wandel bewusst gestalten

| Autor: Manfred Klein

Wo liegt das spezifische Nutzenpotenzial?

Möller: KI schafft bessere und transparentere Informationsgrundlagen für eine optimale Verfahrensbearbeitung, etwa in der Leistungsverwaltung. Viele Verfahren, insbesondere sogenannte „gebundene Entscheidungen“ sind geeignet, zumindest teilweise automatisiert zu werden. KI-Systeme können beispielsweise die Dateneingabe innerhalb eines Verfahrens in Echtzeit überprüfen, Routinearbeiten wie Antragsprüfungen von KI-Anwendungen übernommen werden. Gerade letzteres trägt zur Entspannung der Personalsituation in vielen Behörden bei. Wie wichtig eine demografieorientierte Personalpolitik für die Leistungssicherung der Öffentlichen Verwaltung ist, hat die Robert-Bosch-Stiftung bereits 2009 in einem Bericht verdeutlicht.

Ein konkretes Beispiel für die Unterstützungsfunktion von KI-Anwendungen in der Leistungserbringung von Verwaltungen ist ein IT-Projekt bei einer großen Behörde, die jährlich Euro-Transaktionen im Milliardenbereich durchführt. Fehler, die innerhalb der 800.000 Zeilen Code auftraten, konnten durch die statische Code-Analyse immer erst nach dem Auftreten im Produktivbetrieb gefunden werden. Dadurch wurden aufwendige Fehlerbehebungen nötig und erst danach wurden Fehler durch die Analyse identifizierbar.

Mittels des Einsatzes von Ma­chine Learning, einer Unterkategorie der KI, ist es uns gelungen, dass Fehler bereits erkannt werden bevor sie auftreten. Dafür wurde ein Verfahren implementiert, das auf der Warenkorbanalyse des Machine Learnings basiert. So werden Muster beim Code erkannt, die auf bestimmte Transaktionen bezogen sind. Solche Assoziationen funktionieren analog zum Prinzip „wer Käse kauft, kauft wahrscheinlich auch Rotwein“. Diese Vorhersehbarkeit ermöglicht, selbst unbekannte Fehler bereits im Vorfeld zu verhindern.

Wie lässt sich möglicher Skepsis beim Einsatz von KI erfolgreich begegnen?

Reinhardt: Neue Technologien werden in Deutschland meist eher in Hinblick auf ihre Risiken statt ihren Nutzen diskutiert. Die mit der KI einhergehenden Herausforderungen müssen also benannt und berücksichtigt werden – aber ohne die Technologie in Gänze zu verdammen.

Technologie muss den Menschen und der Gesellschaft dienen, wie es unsere französischen Nachbarn eindrucksvoll betont haben, als Präsident Macron gemäß dem Motto „AI for Humanity“ höchstpersönlich profunde programmatische Aussagen getroffen hat.

Wenn allerdings KI-basierte Chatbots via Social Media Wähler vor Wahlen beeinflussen, Betrüger Software zur Spracherkennung einzusetzen, um an sensible Informationen zu gelangen oder mittels falscher Identitäten öffentliche Leistungen erschlichen werden, dann müssen solche Auswüchse eingedämmt werden, ohne die Dynamik technologischer Entwicklungen zu dämpfen.

Die Unternehmen sollten sich auch deswegen – wie aktuell von Justizministerin Katarina Barley und seit einiger Zeit von der Initiative D21 gefordert – ihrer „Corporate Digital Responsibility“ stellen. Das heißt, sie sollten Verantwortung für die gesellschaftlichen Auswirkungen ihrer Produkte übernehmen und diese antizipieren und bewusst gestalten.

Das gilt allerdings ebenso für die Verwaltung. Wenn beim „Predictive Policing“ oder bei Kreditvergaben bestimmte Bevölkerungsgruppen durch „Bias“, also „Befangenheit“, diskriminiert werden, muss auch dort aktiv und bewusst gegengesteuert werden.

Letztlich wird Künstliche Intelligenz nur so gut funktionieren, wie ihre Konzeptionierung erfolgt und wie die eingespeisten Daten klassifiziert und gewichtet werden. Deshalb kann nicht oft genug betont werden, wie wichtig es ist, Bürgern wie Verwaltungsmitarbeitern notwendige Kenntnisse über KI-Systeme und ihre Funktionsweise zu vermitteln. Und einer Verwaltung, die in ihrem eigenen Bereich bewusst und aufgeklärt mit KI umgeht, ist auch zuzutrauen, Regulierungen für andere gesellschaftliche Bereiche zu konzipieren und umzusetzen.

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