KI in der Öffentlichen Verwaltung

Den Wandel bewusst gestalten

| Autor: Manfred Klein

KI-Systeme fassen auch in der Öffentlichen Verwaltung Fuß. Kommt die automatisierte Verwaltung?
KI-Systeme fassen auch in der Öffentlichen Verwaltung Fuß. Kommt die automatisierte Verwaltung? (Bild: © Weissblick – stock.adobe.com)

Künstliche Intelligenz ist ein aktuelles Thema, dessen Potenzial für die Verwaltung bisher kaum diskutiert wurde. Welche verwaltungsspezifischen Aspekte beim Einsatz zu berücksichtigen sind und wie sich Skeptikern begegnen lässt, erklären Marc Reinhardt, Leiter Public Sector, und Lukas Möller, Experte für KI-Anwendungen, des Beratungsunternehmens Capgemini im Interview mit eGovernment Computing.

Herr Reinhardt, weshalb sollte sich die Verwaltung mit KI befassen?

Reinhardt: Die Verwaltung ist angehalten, schneller, besser und präziser zu arbeiten und zwar am besten ohne Steigerung der Kosten. In Zeiten der zunehmenden Knappheit von Arbeitskräften kann Künstliche Intelligenz (KI) Verwaltungsmitarbeiter entlasten und zur Qualitätssicherung und -steigerung ihrer Arbeit beitragen. Eine Übernahme von Verwaltungsentscheidungen durch KI hingegen ist aktuell nur in begrenztem Umfang vorstellbar oder überhaupt zulässig. Zudem ist die Bevölkerung für solche Szenarien auch noch nicht offen, wie aktuelle Studien zeigen. KI kann potenziell sehr viel, doch wo sie konkret helfen soll, muss durch einen politisch-administrativen Willensbildungs- und Entscheidungsprozess festgelegt werden. Nur so lässt sich definieren, wie wir KI gesamtgesellschaftlich und ganz konkret im Verwaltungsbereich einsetzen wollen.

Welcher Einfluss auf die Lebenswelt zeichnet sich ab?

Möller: KI-Systeme besitzen verkürzt gesagt die Fähigkeit, selbstständig zu lernen und damit auch in nicht vorher exakt definierten Situationen Ergebnisse zu liefern. Dies ermöglicht automatisierte, intelligente Handlungsweisen und ein lernendes Verhalten. Als zentraler Treiber der Digitalisierung nimmt KI Einfluss auf zentrale Lebensbereiche wie Mobilität, Gesundheit und Arbeit. Das autonome Fahrzeug ist nur das bekannteste Beispiel, neue medizinische Verfahren und die Automatisierung von Routinetätigkeiten zählen ebenso dazu.

So werden neue Betreuungskonzepte etwa dafür sorgen, dass Menschen länger in ihren eigenen vier Wänden leben können, da Maschinen die Hausarbeit übernehmen werden. Letztlich kann die KI als eine Art „Berater“ den Verwaltungsmitarbeitern zur Seite stehen, Plausibilitäten in Echtzeit während eines Entscheidungsprozesses prüfen oder Simulationen über voraussichtliche Auswirkungen von Entscheidungen vornehmen.

Welche Rolle fällt dabei Politik und Verwaltung zu?

Reinhardt: Wir haben in der Studie „Gesellschaft 5.0 – Implikationen der Digitalisierung“ analysiert, welche Veränderungen die Digitalisierung in Bezug auf unsere Gesellschaft bringen wird. Demnach könnten beispielsweise 2030 bereits 15 Prozent der Fahrzeuge auf unseren Straßen autonom fahren, wenn die Gesetzgebung bis 2025 geregelt wird. Das „Wenn“ steht exemplarisch für die gestaltende Rolle, die der Politik und Verwaltung hierbei zufällt.

Für eine KI-Governance ist zunächst eine Gesetzgebung wichtig, die digitalen Wandel und Gemeinwohl bestmöglich in Einklang bringt. Nur so kann der Staat gestaltend wirken und vorantreiben, was den Bürgern zugutekommt. Die Digitalisierung verändert fast alle Lebensbereiche. Welche Veränderungen wir davon als positiv oder negativ bewerten und entsprechend fördern oder bremsen sollten, all das sind politische Entscheidungen, die künftig auch in Wahlkämpfen diskutiert werden müssen.

Weiterhin muss die Öffentliche Verwaltung, die resultierenden regulatorischen Prozesse vorbereiten und danach auch umsetzen. Ein ernsthafter und tiefgehender Prozess für eine Digital-Agenda kann für das nötige Verständnis sorgen, an welchen Stellen in den jeweiligen Politikfeldern Chancen oder Risiken entstehen, auf die reagiert werden muss. Um für einen spezifischen Fall KI letztlich gewinnbringend anzuwenden, brauchen Verwaltungsmitarbeiter die Expertise, Leistungsvermögen und Auswirkungen von KI-Systemen beurteilen zu können. Die Aus- und Weiterbildung ist daher genauso eine Grundvoraussetzung wie sichere und zuverlässige IT-Systeme, in die sich KI-Lösungen einbinden lassen.

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