Initiative „Digital für alle“ Den Deutschen geht die Digitalisierung nicht schnell genug

Autor: Julia Mutzbauer

Rund die Hälfte der Deutschen bemängeln zu langsame Fortschritte bei der digitalen Transformation. So das Ergebnis einer Studie der Initiative „Digital für alle“, die jetzt auf dem Digitaltag vorgestellt wurde.

Firmen zum Thema

Für 54 Prozent der Bürger ist der digitale Fortschritt zu langsam
Für 54 Prozent der Bürger ist der digitale Fortschritt zu langsam
(© Marco Martins – stock.adobe.com)

Laut Umfrage sind im Vergleich zum Vorjahr mehr Menschen der Meinung, dass die Digitalisierung zu langsam vorangeht: Während im vergangenen Jahr 47 Prozent der Bürger das Tempo als zu gering bewerteten, sind es in diesem Jahr 54 Prozent. Doch es gibt auch Kritiker, die der Digitalisierung kritischer gegenüberstehen. So geht der digitale Wandel 15 Prozent der Befragten zu schnell. Am häufigsten kritisieren Menschen über 75 Jahren die Geschwindigkeit als zu hoch (37 Prozent). Unter den 16- bis 29-Jährigen geht es nur einem Zehntel (11 Prozent) zu schnell.

„Dass die Meinungen über das Tempo der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft soweit auseinandergehen, zeigt: Wir müssen uns viel stärker dafür einsetzen, dass alle Menschen Zugang zur digitalen Welt haben und sich darin zurechtfinden“, betont Anna-Lena Hosenfeld, Geschäftsführerin von „Digital für alle“. „Unsere Studien zeigen auch, dass Digitalisierung dann am verständlichsten ist, wenn die Menschen damit konkrete Anwendungen verbinden und einen persönlichen Bezug herstellen können.“

Mehrheit ist offen für neue Entwicklungen

Auch das Interesse an neuen technischen Geräten und digitalen Dienstleistungen ist in Deutschland deutlich gestiegen. 72 Prozent der Befragten sind Neuentwicklung gegenüber offen. Im Vorjahr (2020) waren es nur 67 Prozent. Weiterhin würden 37 Prozent neue Geräte und Dienstleistungen nutzen, wenn ein Mehrwert erkennbar sei. Im Vorjahr waren nur 30 Prozent dieser Ansicht. Weitere 35 Prozent der Befragten befassen sich ausgiebig mit Neuheiten und wollen diese nutzen, sobald sie erscheinen. Lediglich 17 Prozent (2020: 21 Prozent) bezeichnen sich Neuerungen gegenüber als eher zurückhaltend und nur neun Prozent lehnen die Technisierung der Gesellschaft gänzlich ab.

Besonders groß ist das Interesse am Fortschritt unter den 16- bis 29-Jährigen: Hier wollen 56 Prozent der Befragten neue Geräte und Dienste unmittelbar nach Erscheinen nutzen. Doch auch mit steigendem Alter bleibt das Interesse an der Digitalisierung groß: 48 Prozent der über 75-Jährigen sind offen für Neuheiten, 13 Prozent beschäftigen sich sogar ausgiebig mit neuen Geräten und Angeboten.

„Es gilt jetzt, dieses Interesse zu mobilisieren, damit alle Menschen gleichermaßen von der Digitalisierung profitieren. Dafür braucht es mehr Möglichkeiten zur digitalen Teilhabe – und dafür wollen wir mit dem Digitaltag einen Beitrag leisten“, so Hosenfeld.

Zweiter bundesweiter Digitaltag

Um die digitale Teilhabe quer durch alle Altersklassen zu fördern, findet heute der Digitaltag statt. Er soll Menschen aus ganz Deutschland einen persönlichen Austausch rund um das Thema Digitalisierung ermöglichen. Die Veranstaltung will dazu eine Plattform bieten, um verschiedenste Aspekte der Digitalisierung zu beleuchten und Chancen und Herausforderungen zu diskutieren. Dabei unterstützen in diesem Jahr acht Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten sowie Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung, den Digitaltag mit Programmbeiträgen.

„Digitale Teilhabe ist heutzutage häufig synonym mit der Teilhabe am sozialen, am kulturellen Leben – dies hat uns die Pandemie eindrücklich vor Augen geführt. Digitale Technologien waren für viele in Isolation lebende Menschen während dieser besonderen Zeit ein Segen, um wenigstens digital miteinander im Austausch zu bleiben“, erklärte Staatsministerin Dorothee Bär zum Start des Aktionstages. „Gleichzeitig entfacht der digitale Wandel bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Ängste und Sorgen, weswegen es für den Zusammenhalt der Gesellschaft enorm wichtig ist, dass wir bei diesen Veränderungen nicht nur alle mitnehmen, sondern gemeinsam unsere Zukunft nach unseren Werten und Normen selbstbestimmt gestalten.“

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier betonte im Vorfeld des Tages den Stellenwert der digitalen Teilhabe: „Digitalisierung, das Wort kommt in jeder Rede vor, in jedem Kommentar, es ist ein Mega-Trend in der ganzen Welt. Gerade in Zeiten der Pandemie haben wir gemerkt welche Chancen das bietet und wo wir noch hinmüssen“, so Bouffier.

Im Rahmen des Digitaltags sind mehr als 2.000 Online-Aktionen und Präsenzveranstaltungen geplant. Die Veranstaltung wird dabei durch einen ganztägigen Livestream begleitet.

Zusätzlich wird der mit 20.000 Euro dotierte „Preis für digitales Miteinander“ in zwei Kategorien (Digitale Teilhabe und Digitales Engagement) verliehen. Die Preisträgerinnen und Preisträger, das Bümmersteder Seniorenbüro und die Initiative hinter dem Lüneburger Projekt „Mitwirk-O-Mat“, stellen sich und ihre Projekte im Rahmen der offiziellen Eröffnung vor.

Informationen und Hintergründe zur Initiative „Digital für alle“ sowie zum Digitaltag gibt es unter digitaltag.eu.

(ID:47472440)

Über den Autor

 Julia Mutzbauer

Julia Mutzbauer

Redaktion, eGovernment Computing