Green IT zwischen Soll und Haben

Dem Klima zuliebe Energie sparen?

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Modellrechnungen helfen nicht weiter

Marcel Siemund, Experte für Green IT und Virtualisierung bei RDS Consulting, geht ins Detail: „Inwieweit sich Neuinvestitionen in Server und flankierende Geräte rentieren, ist im hohen Maße von der installierten Hardware, den Betriebssystemen, und den eingesetzten Applikationen abhängig.“ Und natürlich spiele der Stand der Abschreibung bei den einzelnen Servern für die Amortisierungsrechnung eine tragende Rolle. „Modellrechnungen der Hersteller“, so Siemund, „helfen deshalb den Verwaltungen nicht weiter.“ Als wesentliches Kriterium für einen lohnenden Server-Einsatz komme das spezifische Anforderungsprofil der Behörde hinzu. Dabei gehe es nicht nur um notwendige Verarbeitungsleistungen und I/O-Kapazitäten. „Auch erforderliche Maßnahmen zur Hochverfügbarkeit und IT-Sicherheit sowie geeignete Virtualisierungsmethoden und ihre Hardware-Unterstützung müssen bei der richtigen Dimensionierung des Server-Pools bedacht werden“, hebt er heraus. „Erst dann kann überschlagen werden, wie schnell niedrigere Stromkosten die Neuanschaffungen wettmachen.“

Mehr als überschlagen sei nicht möglich. So könne die weitere Entwicklung der Strompreise lediglich eingeschätzt werden. Und auch die kompletten Verbrauchswerte des virtualisierten Server-Pools mit allen Zusatzgeräten und den prognostizierten Verarbeitungslasten über alle Betriebssysteme sei nur grob kalkulierbar. Für Siemund steht außer Frage: „Die Behörden-RZ sollten nur dann in eine Virtualisierung mit neuen Servern investieren, wenn sich ein Amortisierungszeitraum von höchstens fünf Jahren abzeichnet.“ Er veranschlagt in etwa diesen Zeitraum, bis die Hersteller mit einer wirklich grünen Hardware mit deutlich energieverbrauchsgünstigeren Werten als heute aufwarten werden. „Das“, so der Spezialist mit fundierter Virtualisierungserfahrung, „würde aber auch voraussetzen, dass die Hersteller von Betriebssystemen und Software mit bedarfsorientierten Paketierungen weniger stark als heute die Leistungsspirale nach oben drehen.“

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Mehr Leistung kostet Energie

Dr.-Ing. Hans-Rüdiger Vogel, Experte für Green IT bei Logica, pflichtet bei: „Die wirklichen Neuerungen, die das Klima nachhaltig entlasten, stehen weiterhin aus.“

So müssten die Hersteller von Hard- und Software das Problem bei der Wurzel packen: „Sie sollten nicht länger durch Steigerung der Verarbeitungs-Power die unnötige Aufblähung der Komplexität von Programmen fördern.“ Denn diese Strategie erfordere mehr Leistung und damit eben auch mehr Energiezufuhr. Das sei ein physikalisches Gesetz. Die höhere Energiezufuhr erzeuge wiederum mehr Wärme, die nur mit mehr Stromzufuhr gekühlt oder abgeführt werden könne. So gesehen gehe die aktuelle IT noch in die falsche Richtung, statt den Zuschnitt der Produkte näher am realen Bedarf der Anwender zu orientieren. „Von einer Green IT, die diesen Namen voll und ganz verdient, kann deshalb noch keine Rede sein“, konstatiert Vogel. Als eine besonders klimaunverträgliche Energieverschwendung erachtet er die Generierung von unnötigen Daten und Programmcodes, weil dadurch der aktive Speicher- und Rechenpowerbedarf unreflektiert nach oben getrieben werde. „Hier sind sowohl die Hersteller als auch die verbrauchenden Behörden und Unternehmen gefordert, überlegter mit Daten, Funktionen und Speicherplätzen umzugehen, wenn es ihnen mit der Umwelt und dem Klimawandel ernst ist.“ Sinnvoll verschlankte Datenmodelle und ein konsolidierter, effizienter Programmcode reduzierten die zu bewegenden Datenmengen und den CO2-Ausstoß.

Teil der Analyse im Vorfeld der Konsolidierung und Virtualisierung sollte deshalb auch die Speicherumgebung sein, die für Verarbeitungsaufgaben angesprochen werden. „Nur so können später wechselseitig beide Ressourcen, die des virtuellen Server-Verbunds und die des virtuellen Daten-Center effizient ausgeschöpft werden”, gibt Dirk Kissinger, Senior Manager EMEA Marketing bei Red Hat, zu bedenken. „Zudem sollten die IT-Ressourcen über ihren kompletten Werdegang betrachtet werden.“ Das seien der Kauf, etwaige Lizenzkosten, die Installation, die notwendigen Trainings, der Support, die Weiterentwicklung der Infrastruktur und schließlich die Entsorgung der Hardware.

Red Hat und Intel arbeiten im Rahmen der Less-Watts-Initiative an der Reduzierung des Stromverbrauchs von Linux-Systemen. „Durch Open Source von Linux sowie die enge Zusammenarbeit innovativer Firmen und Entwickler können Hardware und Software besser aufeinander abgestimmt werden“, ist Kissinger überzeugt. Das Betriebssystem sei hoch leistungsfähig, verbrauche verhältnismäßig wenig Strom, ziehe keine Lizenzkosten nach sich und werde im Betriebsverlauf durch kostengünstige Support-Modelle gestützt, zählt er auf.

Für das gute Verhältnis von Leistung und Stromverbrauch führt er die neue Server-Virtualisierungsplattform RHEL Version 5.1 ins Feld. „Migrieren Kunden ihre RHEL3-Umgebung als Gastumgebung auf RHEL5.1 und die neuen Intel Xeon Quad Core-Prozessoren, steigern sie die Performance um 50 bis 80 Prozent, bei einer Verdreifachung der Performance pro Watt“, sagt Kissinger. Das habe Principled Technologies durch unabhängige Tests herausgefunden.

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