Karriereportale im Öffentlichen Dienst

Dem Fachkräftemangel mit Know-how begegnen

| Autor / Redakteur: Ulli Pesch / Susanne Ehneß

Hoher Handlungsbedarf

Professor Christian Beck von der Hochschule Koblenz, der jetzt eine Studie zu Karrierewebsites in öffentlichen Verwaltungen veröffentlichte, fand heraus, dass Arbeitgeber aus dem Öffentlichen Dienst bei den Zielgruppen quasi nicht präsent sind, weder in den Offline-Kanälen und noch weniger über Online-Kanäle.

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Allerdings zeigten die meisten aktuellen Studien, dass nahezu 90 Prozent der Jobsuchenden die Karrierewebseiten der Unternehmen als wichtigste Informationsquelle über den potenziellen Arbeitgeber sehen und auch die meisten sich darüber bewerben. Deshalb wollten Beck und sein Expertenteam herausfinden, wie es wirklich um die Darstellung von Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen als interessante Arbeitgeber auf deren eigenen Karrierewebseiten aussieht.

Dazu prüfte man insgesamt 463 Institutionen des Öffentlichen Dienstes aller Größen: kleinere Gemeinden, größere Städte, Landkreise und Körperschaften. Insgesamt wurden die Kategorien Zugang/Navigation & Usability, Informationsangebote, Design & Informationsaufbereitung, Kommunikation & Interaktivität sowie Web-2.0-Funktionalitäten bewertet. Das Resultat: In der Gesamtauswertung zeigt sich, dass nur neun Prozent der analysierten Karrierewebseiten mehr als die Hälfte der zu vergebenden Punktzahl erreichten.

Besonders schlecht schnitt dabei die Kategorie „Kommunikation & Interaktivität“ ab, bei der es unter anderem darum geht, wie sich Bewerber über eine Karrierewebseite beim potenziellen Arbeitgeber bewerben können. Hier erreichten laut Beck-Studie 93 Prozent der untersuchten Karrierewebsites weniger als die Hälfte aller möglichen Punkte.

Zu wenig Infos

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie: Von einer einzigen Ausnahme abgesehen, waren auf keiner der Homepages der Institutionen ein „Karriere“- oder ein „Job“-Button zu finden. Überhaupt, so das Fazit von Beck, erfordere es vom Bewerber in der Regel viel Geduld und ein teilweise hohes Maß an Recherchegeschick, sich überhaupt über den Arbeitgeber und mögliche Stellenangebote zu informieren. Den Handlungsbedarf in diesem Bereich stuft er für die große Mehrheit der untersuchten Institutionen als hoch bis sehr hoch ein.

Dass es auch anders geht, beweist die Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein-Westfalen (GPA NRW), eine Anstalt des öffentlichen Rechts, die erst Ende August ihre neue Karrierewebseite in Betrieb nahm. Dort hatte man sich nach einigen Produktevaluierungen im Januar des Jahres für die Bewerberportal-Lösung des Brandenburgischen Anbieters GfOP entschieden, der auf Personalsoftware für Öffentliche Verwaltungen spezialisiert ist. GfOP hatte bereits 2011 ein Modul zur Bewerberverwaltung geliefert.

Grund für die Implementierung einer Karriereseite auf der GPA-Homepage war laut Christian Stadler, dem Projektleiter für die Einführung von Personalmanagementsystemen bei der GPA NRW, der Wunsch, sich die Rekrutierungsmöglichkeiten über das Internet stärker als bisher zunutze zu machen. Innerhalb kurzer Zeit war die Lösung technisch implementiert. Danach wurde sie optisch an die bereits bestehende Webseite angepasst, und die entsprechenden Firmen- und Bewerberinformationen (Infos zum Arbeitgeber, Stellenausschreibungen, Ansprechpartner) wurden von einer externen Marketingagentur vorbereitet. Gestalterisch, das war die Vorgabe, musste das Online-Portal wie aus einem Guss in die bestehende Webseite integriert werden.

Bevor das Karriereportal freigeschaltet wurde, führte man umfassende Belastungstests durch, um zu prüfen, ob und wie die Seite auch einem größeren Ansturm von Bewerbern standhalten würde. So konnte man das Portal auch weiter optimieren, bevor es Anfang September online ging.

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