So einfach wie eMail, so sicher wie Papierpost De-Mail startet mit einem Jahr Verspätung

Redakteur: Gerald Viola

„In diesem Jahr wird De-Mail in Deutschland eingeführt“, verkündete das BMI bereits im Februar 2011 in einer CeBIT-Vorschau. Doch erst in der vergangenen Woche wurden bei der Computer­messe in Hannover die ersten Anbieter zugelassen. Und: Die De-Mail-Adressen werden unterschiedlich gehandhabt, allerdings sind die Preise in Bewegung geraten.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und Telekom-Chef René Obermann
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Telekom-Chef René Obermann

Die Mentana-Claimsoft GmbH, ein Tochterunternehmen der börsennotierten Francotyp-Postalia Holding AG (FP), ist seit rund einer Woche der erste akkreditierte De-Mail-Provider. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat die Akkreditierungsurkunde an Mentana-Claimsoft-Geschäftsführer Axel Janhoff übergeben. Zudem stellt die FP-Tochter ihr Geschäftsmodell der Öffentlichkeit vor. „Dabei unterscheiden wir zunächst einmal zwischen unserem De-Mail-Portal, das sich an Privatkunden und Kleinunternehmen richtet – und unserem De-Mail-Gateway für Unternehmen und Behörden“, erklärt Axel Janhoff.

Am gleichen Tag wurden auch T-Systems und Telekom Deutschland akkredidiert. Auch diese Anbieter unterscheiden zwischen gewerblichen und Privatkunden: „Zum Beginn der CeBIT startet die Telekom ihr Angebot für Großkunden von T-Systems. Für Privat- und Geschäftskunden startet das Angebot im Verlauf des zweiten Quartals mit einer Schnupperphase. Bis Ende August sind wie auch später Registrierung und Einrichtung eines De-Mail-Kontos und der Empfang von De-Mails für Privatkunden kostenlos. In diesem Zeitraum entstehen für den Versand von De-Mails keine zusätzlichen Kosten.“

Die United-Internet-Gruppe mit den Angeboten GMX, web.de und 1&1, bei denen das Zulassungsverfahren noch andauert, präsentierte sich auf der CeBIT ebenfalls mit ihren De-Mail-Produkten, allerdings dauert hier das Zulassungsverfahren noch an.

Woran erkennt man eigentlich De-Mail?

Hier gibt es ein leichtes Durcheinander: Die Deutsche Telekom und United Internet haben sich geeinigt, die eMail-Adressen nach einem einheitlichen Muster zu gestalten: Sie erhalten nach der Anbieterkennung wie „t-online“ oder „gmx“ die Standard-Domain „de-mail.de“. Beispiel: max.mustermann@gmx.de-mail.de oder max.mustermann@t-online.de-mail.de. Damit soll die De-Mail eindeutig gekennzeichnet und der Verbraucher vor Verwechslungen geschützt werden.

Unternehmen und Behörden können bei der Telekom auch Subdomains bestellen. Dann wird der Firmenname Bestandteil der De-Mail-Adresse. Beispiel: max.mustermann@Firmenname.de-mail.de. Bei Mentana-Claimsoft lauten die Adressen entweder max.mustermann@fp-demail.de, max.mustermann@fpbrief.de-mail.de oder bei Unternehmen und Behörden max.mustermann@Firmenname.de-mail.de.

Und was kostet jetzt De-Mail?

Da wird es auf den ersten Blick etwas unübersichtlich, allerdings liegen die bisher bekannten Preise deutlich unter dem Briefporto und damit unter dem E-Postbrief.

Mentana-Claimsoft: Der Preis (alle Preisangaben inklusiv Mehrwertsteuer) für den Versand einer De-Mail hängt von der verschickten Datenmenge ab und beginnt bei 33 Cent. Dabei handelt es sich um eine „De-Mail Mini“ bis zu 50 KB. Eine „De-Mail Standard“, mit der der Nutzer De-Mails bis zu 1 MB versenden kann, schlägt mit 39 Cent zu Buche. Gegen Aufpreis ist es möglich, verschiedene Zusatzoptionen auszuwählen, so etwa eine Versand- oder Eingangsbestätigung.

Unternehmen und Behörden bietet Mentana-Claimsoft die Implementierung eines De-Mail-Gateways an. Dieses wird als Software-Element in die bestehende IT-Infrastruktur der Kunden integriert. Für eine Einbindung von bis zu zehn Nutzern kostet das Gateway monatlich zum Beispiel 117,81 Euro. „Das Gateway amortisiert sich bereits, wenn jeder Nutzer pro Monat weniger als zehn De-Mails verschickt“, erläutert Janhoff weiter.

Telekom: Nach der Schnupperphase kann jeder Privatkunde drei De-Mails pro Monat ohne Berechnung versenden. Damit ist für Kunden der Telekom quasi eine Grundversorgung sichergestellt. Jede weitere De-Mail wird dann 39 Cent kosten. „Geschäftskunden können über attraktive Pakete oder mengenabhängige Staffeln deutlich günstigere Versandpreise erzielen.“

Das Angebot für Behörden und Unternehmen ist bereits verfügbar. Diesen bietet die Telekom spezielle De-Mail-Pakete und -dienstleistungen und eine mengenabhängige Staffelung der Versandpreise an. Dazu gehören künftig auch Kombi-Angebote aus De-Mail und Papierpost, bei denen sich die Telekom um den kompletten Schriftverkehr der Kunden kümmert. Bei Papierversand und Zustellung wird die Telekom mit Partnern wie TNT zusammenarbeiten. Großunternehmen bindet die Telekom innerhalb weniger Tage über zentrale Eingangstore (Gateways) an den De-Mail-Dienst an.

United Internet (1&1): Das Unternehmen wirbt bei Privatkunden mit einer einfachen Anbindung von De-Mail an vorhandene Postfächer bei Web.de und GMX. Schwerpunkt des Angebots werden aber kleine und mittlere Unternehmen sein. „Neben einer Domain-Übernahme werden Geschäftskunden verschiedene Möglichkeiten angeboten, wie sich deren Bestandskunden für die Kommunikation mit und über De-Mail Kommunikation gewinnen lassen“, sagt 1&1.

Über die Preise für De-Mail, die voraussichtlich nach Firmengröße und Zahl der Accounts gestaffelt sein werden, schweigt sich 1&1 noch aus. Die Tarife würden „zur Produkteinführung“, also voraussichtlich Mitte des Jahres, genannt. Zudem will das Unternehmen wohl die endgültigen Verrechnungspreise zwischen den De-Mail-Providern abwarten.

Und was ist mit dem E-Postbrief?

Nun, die Deutsche Post hat ja bereits angekündigt, dass sie den E-Postbrief vom BSI nach De-Mail-Anforderungen zertifizieren lassen will, wenn es notwendig sei. Nachdem nun verlautete, dass Behördenpost eigentlich nur per De-Mail versandt werden soll, wird die Post wohl die Zertifizierung beantragen. Gleichzeitig wird das Grundangebot aber weiter ausgebaut:

Noch vor dem Sommer 2012 soll der neue Online-Identifikationsdienst E-Postident starten. Voraussichtlich im vierten Quartal des Jahres folgt dann die einfache und sichere Rechnungszahlung über das E-Postbrief-Portal. Zudem hat der E-Postbrief das Datenschutz-Gütesiegel des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein erhalten.

„Aktuell verwenden rund 4.000 mittelständische Unternehmen, mehr als 100 Großkunden und eine Million Privatkunden den E-Postbrief. Mit dieser Entwicklung sind wir zufrieden“, sagt Ralph Wiegand, CEO E-Postbrief der Deutschen Post.

Und wie grenzt sich die Post von De-Mail ab?

„Dieser Entwicklung sehen wir ganz entspannt entgegen. Der E-Postbrief ist erprobt und erfolgreich im Markt. Um beispielsweise eine große Versicherung mit hunderttausend Sendungen zu bedienen, muss man die Prozesse dahinter verstehen und wissen, wie komplexe und umfangreiche Sendungsströme gemanagt werden. Das ist unser Kerngeschäft und das hilft uns auch beim E-Postbrief. Doch damit nicht genug: Wir entwickeln den E-Postbrief kontinuierlich weiter.“

Allerdings zitiert „Die Welt“ Ralph Wiegand auch mit diesem Satz: „Wir werden Ende des Jahres Behörden, die nach dem De-Mail-Gesetz kommunizieren müssen, ein Angebot machen.“ Dieser Dienst werde nicht Teil des E-Postbriefes sein. Weitere Details dazu wollte die Post nicht nennen. Wie der De-Mail-Dienst der Post genau aussehen wird, will das Unternehmen erst Ende des Jahres mitteilen.

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