Risiken der vernetzten Welt – Teil 1

Datensicherheit im Gesundheitswesen

| Autor / Redakteur: Joachim Jakobs/Stephan Augsten / Jürgen Sprenzinger

Digitalisierung und Vernetzung in der Medizin

Vollelektronisch geht es im Krankenhaus weiter – die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen schreibt in einer Broschüre: „Herzmonitor, Endoskop, digitale Krankenakte, Wundmanagement, Abrechnungssoftware – Krankenhaus oder Arztpraxis der Zukunft bestehen aus Medizingeräten und IT-Systemen, die untereinander Informationen austauschen und die Ärzte unterstützen.“

Auch der Herzschrittmacher ist gesprächig – er verschickt „Kreislauf- und Systemdaten vom Schrittmacher zu festgelegten Zeiten automatisch über ein Mobiltelefon an die behandelnden Ärzte“ wie derwesten.de berichtet. Kabellos arbeiten mittlerweile auch implantierbare Defibrillatoren, Hirnschrittmacher und Mittelohrimplantate. Ganz abgesehen vom „künstlichen Auge“, für das der Österreicher Dieter P. Gruber im vergangenen Herbst ausgezeichnet wurde.

Das Ziel ist das papierlose Gesundheitswesen – mit Hilfe des „HIMSS EMRAM Modells“ wird gemessen, wie weit die Krankenhäuser auf dem Weg der Digitalisierung fortgeschritten sind. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf soll als erste Einrichtung in Europa die höchstmögliche Digitalisierungsstufe 7 erreicht haben.

Wer nach einer stationären Behandlung wegen eines Herzinfarkts aus dem Krankenhaus entlassen wird, erfreut sich doch immer noch der Aufmerksamkeit des behandelnden Arztes; dazu bietet die EvoCare Telemedizin GmbH Nürnberg entsprechende Dienste per „Telemonitoring“ an.

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Gebäudesteuerung und Zugangsschutz im Gesundheitswesen

Die elektronische Gesundheitskarte als Bindeglied

Alles mit Allem zu vernetzen – das scheint im größeren Maßstab der Grundsatz zu sein: Mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) haben sich die Protagonisten große Ziele gesetzt: „Mit der Einführung der eGK werden ca. 72 Millionen Versicherte, 22.000 Apotheken, 135.000 niedergelassene Ärzte, 55.000 Zahnärzte, 2.100 Krankenhäuser und 145 Krankenkassen miteinander vernetzt“, lässt die Actimonda Krankenkasse aus Aachen wissen.

Um sich im vernetzten Gesundheitswesen als berechtigt auszuweisen, sollen sich Ärzte mit einem 'elektronischen Heilberufsausweis' und ihre Patienten mit einer 'elektronischen Gesundheitskarte' ausweisen. Der Arzt und Informatiker Ralf Heydenbluth kritisiert insbesondere den Online-Ausbau der schlauen Karte: „Anstelle eines Systems, in dem der Patient Herr seiner Daten bleibe, werde ein System installiert, in dem Daten herrenlos im Internet abgefragt werden können.“

Die großen Möglichkeiten aus der technischen Praxis beflügeln die Phantasie in der großen Politik – damit die Daten reibungslos zwischen Heilberufen, Apotheken, Krankenkassen und Patienten noch schneller hin- und herflutschen können, plant Gesundheitsminister Hermann Gröhe entsprechend ein Gesetz, um den elektronischen Datenaustausch zu befördern. „Die Datenschützer Rhein Main“ sehen Gröhe dabei unter Druck der IT-Industrie, das Datenschutzrecht aufzuweichen.

Wohin das führen kann, zeigen die wirtschaftsfreundlichen USA: 2014 wurden dort 83 Millionen Patientendaten gestohlen. 2012 waren es noch 17 Millionen. Nach Erkenntnissen der Schufa ist hierzulande bis 2013 bereits jeder fünfte Opfer von Datenkriminalität geworden. Weitere 27 Prozent können das nicht ausschließen und 85 Prozent sollen „Angst“ haben, Opfer zu werden.

Die Wirtschaftauskunftei (die bislang nicht zu den Chorknaben des Datenschutzes zählte) ist der Ansicht: „Wir sehen in den immer häufiger vorkommenden Identitätsdelikten eine Bedrohung für das Bestehen des zukünftigen Wirtschaftslebens.“ Die Schufa hat schon die Hosen voll, obwohl die Vernetzung unseres Lebens gerade erst begonnen hat: HP hat im vergangenen Sommer geschätzt, dass bis 2020 26 Milliarden Geräte am Internet hängen könnten – wovon vermutlich 70 Prozent löchrig sein werden.

Mit jedem Sicherheitsleck bietet sich den Angreifern ein Einblick in Lebensstandard und Gewohnheiten seiner Opfer. Die damit verbundene informationstechnische Bedeutung erläutert Healthcare Computing im zweiten Teil dieses Artikels.

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Und was lernen wir jetzt?  lesen
posted am 07.02.2015 um 17:10 von mk

schonmal in einer hausarztpraxis im ruhrgebiet gewesen - wenn du dich dann mit einer dieser giants...  lesen
posted am 06.02.2015 um 21:17 von Unregistriert


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