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Cloud Computing in der Öffentlichen Verwaltung

Daten dürfen den Rechtsraum der EU nicht verlassen

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Verwaltungen können die Erfahrungen aus dem Outsourcing nutzen

Welche Bedingungen stellt Cloud Computing an Ämter und Behörden aus verwaltungsjuristischer Sicht. Welche Anforderungen muss die Technik erfüllen, um in Verwaltungen eingesetzt werden zu können?

Veit: Während die Virtualisierung von Infrastruktur den Vorteil mit sich bringt, dass IT-Ressourcen effizienter genutzt werden können, hat sie auch zur Folge, dass der tatsächliche Datenverarbeitungsort für den Nutzer unbekannt bleibt. Hier liegt aus juristischer Sicht der Schwachpunkt eines Einsatzes von Cloud Computing in der Öffentlichen Verwaltung.

IT-Dienstleister müssen sicherstellen, dass personenbezogene Daten den europäischen Rechtsraum nicht verlassen. Dies ist die Grundvoraussetzung für einen Einsatz. Natürlich muss die Integrität und Verfügbarkeit der Daten sichergestellt sein. Dabei können die Verwaltungen aber auch auf ihre Erfahrungen im Outsourcing bauen, denn letztlich ist Cloud Computing aus rechtlicher Sicht nichts anderes.

Welche Empfehlungen können Sie Landes- und Kommunal­verwaltungen für den Einsatz von Cloud Computing geben?

Veit: Die Verwaltungen sollten zunächst einmal bei kleineren Anwendungsszenarien Erfahrungen mit Cloud Computing sammeln. Die Wahl des Browsers kann hier schon die erste weichenstellende Herausforderung darstellen, ähnlich wie früher die Wahl des Betriebssystems.

Generell sollten die Landes- und Kommunalverwaltungen eng mit den IT-Dienstleistern der Öffentlichen Verwaltungen zusammenarbeiten, damit in den hoch standardisierten Softwarelösungen auch die eigenen Erwartungen und Anforderungen an die Software berücksichtigt werden. Auch wenn der Markt für Cloud-basierende Softwarelösungen in den nächsten Jahren heiß umkämpft sein wird, ist davon auszugehen, dass sich durch die extremen Skaleneffekte in allen wesentlichen Bereichen Quasi-Standardlösungen herauskristallisieren werden.

Ein Problem, das sich in der Praxis zunehmend zeigt, ist der unterschiedliche Patch-Level, auf Basis dessen Anwendungen zur Verfügung gestellt werden können. Beispielsweise bei ERP-On-Demand-Lösungen haben Unternehmen und Verwaltungseinheiten häufig sehr unterschiedliche Versionen der gleichen Basissoftware im Einsatz. Diese Versionsunterschiede sind derzeit nur schwer in Cloud-Lösungen abzubilden. Daher bedarf dieser Bereich weiterer Grundlagenarbeit. Für die Öffentlichen Verwaltungen gilt es hier, durch frühzeitige Adoption aktiv die Weiterentwicklung der Lösungen zu beeinflussen.

Wie ein Innovationsrahmen für eine stärkere Verbreitung von Cloud Computing in der Öffentlichen Verwaltung auszusehen hat und Anreizmechanismen gestaltet werden sollten, darauf müssen noch bessere Antworten gefunden werden. Daher ist dies Gegenstand unserer Forschung.

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