Verkehrskonzepte

Das Parkverhalten mit smarter Technologie sichtbar machen

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Erfahrungen von Städten in ganz Europa als Blaupause für andere

Die erhobenen Parkplatzdaten der Stadt Reims
Die erhobenen Parkplatzdaten der Stadt Reims
(© EasyPark )

Die Kollaboration mit großen europäischen Städten führte bereits zu einer Vielzahl an aktivierbaren Erkenntnissen und neuen Handlungsoptionen, welche auch für andere Städte interessante Fallstudien darstellen können. Die französische Stadt Reims wollte beispielsweise ihren Parkraum optimieren und unter anderem das Parkangebot für Menschen mit Behinderungen analysieren und gegebenenfalls ausbauen. Es existierten jedoch keine Daten zur aktuellen Verfügbarkeit von Behindertenparkplätzen. Auch war das Verhältnis zwischen bezahlten und kostenlosen Parkplätzen nicht bekannt. Es wurde daher der Wunsch nach einer Plattform geäußert, die alle diese Daten integriert und visualisiert. Ein Dashboard mit einer Kartierung aller Parkplätze und Parkplatztypen sowie einer Darstellung der Auslastung an verschiedenen Wochentagen und Tageszeiten führte zu einer Neubewertung des lokalen Park-Ökosystems sowie letztlich zu einer Verdopplung der bewirtschafteten Parkplätze.

Stockholm, das bis 2025 einen Bevölkerungsanstieg um 25 Prozent erwartet, hatte dagegen das Ziel, das Verfahren ihrer Parkkontrollen zu optimieren, und führte Scan-Fahrzeuge mit Kennzeichenerkennung (ANPR) ein, um – wie beispielsweise bereits in Amsterdam flächendeckend im Einsatz – die Kontrollen zu Fuß durch ein automatisiertes Verfahren zu ersetzen. Erste Tests führten allerdings zur fehlerhaften Ahndung vermeintlicher Verstöße, wo Fahrzeuge auf ihren privaten Parkplätzen standen. Das Problem war also eine unzulängliche Datenlage über die Position und Art von Parkplätzen im Stadtgebiet. Im Rahmen einer Fallstudie mit Inventardaten konnte die Anzahl falsch-positiver Verstöße durch das System von 3.244 auf 5 reduziert werden und damit 410 Arbeitsstunden pro Woche eingespart werden. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die Stadt erhielt eine exakte Kartierung ihrer Parkplätze, Ladezonen und Behindertenparkplätze.

Städte brauchen Daten zur Lösung ihrer Mobilitätsfragen

Städte und Kommunen stehen vor einer neuen Herausforderung: Antworten auf drängende Fragen zu Verkehr, Mobilität und Parkraum lassen sich nicht pauschal entwerfen, sondern basieren immer stärker auf aktuellen Datensätzen, welche die lokalen Dynamiken einbeziehen. Es geht also um stetige Anpassung und Veränderung – hier hat jede Stadt ihre eigene Problemlage und ist auf analytische Verfahren angewiesen.

Das Vorgehen setzt dabei die individuellen Herausforderungen einer Stadt an erste Stelle. Diese werden besprochen und eine gemeinsame Strategie mit konkreter Zielsetzung sowie Erfolgskriterien entwickelt. Nach Projektstart werden die Parkdaten erhoben – immer im Einklang mit den DSGVO-Regeln. Anschließend werden die Datensätze bereinigt und systematisiert und bei Bedarf mit Drittdaten wie beispielsweise Echtzeit-Verkehrsdaten angereichert. Dann erfolgt der Roll-out des individuellen Städte-Dashboards sowie ein Onboarding für die Mitarbeiter, die das System in Zukunft bedienen und anwenden sollen.

Am Ende dieses Prozesses, und sozusagen am Beginn der Optimierung, steht die Analyse der Datensätze und die Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Verbesserung intermodaler Mobilität, zur Erhöhung der Parkumsätze oder zur Verringerung der Parksuchzeit für die Autofahrer.

Datengeleitetes Parken für lebenswertere Städte

Das Potenzial eines datengestützten Ansatzes in der Parkraumbewirtschaftung und Stadtplanung ist enorm. Weniger Autos, die auf der Parkplatzsuche im Kreis fahren, bedeuten weniger Abgase und Staus – bis zu 20 Prozent des innerstädtischen Gesamtverkehrs ließen sich so vermeiden. Die Klimabilanz von Städten kann hiervon profitieren und der Stress für Autofahrer bei der Parkplatzsuche kann sich reduzieren. Privatfahrzeuge werden im Stadtzentrum außerdem immer stärker in Parkhäuser ausweichen müssen, damit Parkplätze für alternative Mobilitätslösungen umgewidmet werden können und mehr Raum für Fußgänger, Parks und Grünflächen entstehen kann. Hierzu ist die Entwicklung datenbasierter Modelle zur Projektion möglicher Szenarien sowie neuer Mobilitätskonzepte unerlässlich. Das Kapitel der „Smart Streets“ ist in Bezug auf Parken gerade erst aufgeschlagen worden und neue Technologien bieten Städten in Zukunft noch vielfältige Möglichkeiten, Parken und Verkehr neu zu gestalten und sie für kommende Entwicklungen zu wappnen.

Nico Schlegel
Nico Schlegel ist Geschäftsführer der EasyPark GmbH. In Deutschland ist der Parktechnologie-Anbieter in rund 450 Städten aktiv.

Bildquelle: EasyPark

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