Ein Plädoyer für klinische Entscheidungsunterstützung

Das notwendige Mehr an ­klinischer Effektivität

| Autor / Redakteur: Peter Bonis* / Regina Willmeroth

Höhere Patientensicherheit

Der Autor: Peter Bonis
Der Autor: Peter Bonis (Bild: © Wolters Klüwer)

Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass etwa in zwei von drei Untersuchungen eine klinische Frage aufgeworfen wird, welche nur in circa 40 Prozent der Fälle routinemäßig beantwortet werden kann. Wenn alle Fragen beantwortet würden, könnten sich täglich fünf bis acht Entscheidungen im Patienten­management verändern.

Sollten wir nicht im Interesse der Patienten­ mehr tun, um diese lebensverändernden Antworten zu erhalten? Der Einsatz von Systemen zur klinischen Entscheidungsunterstützung bietet hier Verbesserung – ebenso wie bei der Vermeidung von Medikationsfehlern und bei der Verringerung nicht indizierter regionaler Therapievarianz. Bedrohen CDS-Systeme den Arbeitsplatz von Ärzten?

Als Unterstützung, nicht als Ersatz für den Arzt

Die Antwort auf diese Frage ist ein kategorisches „Nein“. Der Schlüssel zum Erfolg von CDS ist, dass sie „smart“ zu sein hat: Die benötigte Information muss sich nahtlos in den Workflow des Arztes integrieren lassen und seinen Entscheidungsprozess unterstützen, nicht ersetzen.

Die Gefahr einer „Rezeptbuch-­Medizin“ sehe ich nicht. Ein Seitenblick auf die Luftfahrt zeigt; dass die automationsgestützte Absicherung von Abläufen einen wichtigen Beitrag zur enormen Reduktion der Risiken geleistet hat, ohne die Piloten zu ersetzen. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass ein CDS-System wie UpToDate von Menschen, nämlich weltweit anerkannten Experten in ihrem jeweiligen Fachgebiet, redaktionell­ betreut wird.

So werten mehr als 6.500 Spezialisten aus aller Welt medizinische Literatur kritisch aus, um Zusammenfassungen in einem gut durchsuchbaren Format zu erstellen. Das Redaktionsteam von UpToDate setzt ­Studien in Relation zu bereits bekanntem Wissen und prüft sie auf ihre Relevanz. Die resultierenden Inhalte werden mit evidenzbasierten Empfehlungen klinischer Experten verknüpft.

Zielvorgabe „Clinical ­Effectiveness“

Die Definition von „Clinical Effectiveness“ oder „Klinische Effektivität“ lautet: Bestes Wissen, abgeleitet aus Forschung und klinischer Erfahrung, soll unter Berücksichtigung von Patientenwünschen Anwendung finden, um so optimierte Prozesse und Behandlungsergebnisse zu erreichen. Dazu muss die richtige Information für den richtigen Mitarbeiter zur rechten Zeit im klinischen Workflow zur Verfügung gestellt werden – genau das leisten CDS-Systeme.

* Peter Bonis ist Chief Medical Officer, Wolters Kluwer Health, Clinical Effectiveness.

** Densen P. Challenges and Opportunities Facing Medical Education. Transactions of the American Clinical and Climatological Association. 2011;122:48-58.

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