Ein Plädoyer für klinische Entscheidungsunterstützung

Das notwendige Mehr an ­klinischer Effektivität

| Autor / Redakteur: Peter Bonis* / Regina Willmeroth

Die automationsgestützte Absicherung von Therapiemethoden reduziert Behandlungsrisiken
Die automationsgestützte Absicherung von Therapiemethoden reduziert Behandlungsrisiken (Bild: © Monkey Business/ Fotolia.com)

Um rasch eine präzise Diagnose nach dem neuesten Stand der medizinischen Wissenschaft zu erstellen und eine angemessene Therapie festzulegen, bieten die Informationstechnologie sowie insbesondere IT-Systeme zur klinischen Entscheidungsfindung (Clinical ­Decision Support, CDS) den Medizinern Unterstützung.

„CDS“ umfasst ein breites Spek­trum, indem es von verschiedenen Anwendern ganz unterschiedlich genutzt werden kann. Vordergründig kann man CDS als eine passive Informations- oder Wissens­ressource verstehen. Anspruchsvolle Anwender erkennen in CDS ein komplexes interaktives Werkzeug im klinischen Workflow, das ihnen mit evidenzbasierten Informationen bei ihren Entscheidungen bezüglich Diagnose, Therapiestellung und Medikation zur Seite steht. So erhalten Mediziner schnell und unkompliziert präzise, aus­sagestarke Auskünfte wann und wo immer sie diese benötigen.

Schwankungsbreiten in der Versorgung

CDS verdankt seine rasch zunehmende Verbreitung dem klinischen Bedarf, dem wirtschaftlichen Druck auf die Leistungserbringer und der technologischen Weiterentwicklung. Die Verringerung der starken Varianz in der Patientenversorgung trägt darüber hinaus zur Durchsetzung von CDS bei. Die Therapie sollte nicht davon abhängen, welchem Arzt man seine Behandlung anvertraut – insbesondere, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse eine spezifische Option untermauern.

Es gibt komplexe Gründe für Unterschiede in der Therapie: So stellt sich die Frage, wie sich Evidenz in die klinische Praxis integrieren lässt. Die erforderlichen Informationen zu einem Patienten müssen verfügbar sein, der Arzt muss die zeitgemäße Therapie für die Erkrankung kennen, und vom Patienten ist Therapieadhärenz gefordert.

Leider gibt es bei allen drei Aspekten Fallstricke, doch IT kann einen wichtigen Beitrag hinsichtlich der Unterstützung des Arztes leisten, um so die bestmögliche Entscheidung für den Patienten zu treffen.

Exponentieller Anstieg medizinischen Wissens

Ein weiterer wichtiger Trend pro CDS ist die enorme Zunahme des Wissens in der Medizin. Laut einer Studie** verdoppelte sich seit dem Stand von 1950 das medizinische Wissen alle 50 Jahre, 1980 betrug diese Frist sieben, 2010 nur noch 3,5 Jahre. Im Jahr 2020 wird das medizinische Wissen innerhalb von 73 Tagen auf das Doppelte anwachsen.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse führen zu neuen Medikamenten, Therapien und diagnostischen Tests. Die Herausforderung für die Ärzte besteht darin, dass sie ihre Kenntnisse stetig erweitern müssen, um ihre Patienten auf dem jeweils aktuellen Stand der Medizin zu behandeln. Diese Wissenszufuhr ist für sie jedoch kaum zu handhaben – und der wiederholte­ Einsatz neuer Optionen für deren gesicherte Nutzung im Alltag noch viel weniger.

Zur Komplexität trägt ferner bei, dass die zunehmende Digitalisierung zusätzliche Informations­quellen eröffnet, die sich analysieren und gegebenenfalls für die Entscheidungsfindung bereitstellen lassen.

Die Aussicht, dass Therapie­empfehlungen künftig personalisiert werden können, birgt große Vorteile, sie vergrößert jedoch auch das für Ärzte kaum zu bewältigende­ Informationsvolumen weiter.

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