Interview: Innenminister Peter Beuth über Cyberkriminalität und Hessen3C

„Das Internet ist kein rechtsfreier Raum“

| Autor: Manfred Klein

Können Sie uns das Konzept hinter dem neuen Kompetenzzentrum Hessen3C einmal näher erläutern?

Beuth: Unser neues Kompetenzzentrum Hessen3C wird eine tragende Säule der Agenda Cybersicherheit@Hessen. Das entscheidend Neue an Hessen3C ist die operative Beratung und Unterstützung der Sicherheitsbehörden. Hessen3C ist direkt im Innenministerium verortet.

Das Hessen3C bietet zentral gebündelte Spezialkenntnisse und Fähigkeiten, zum Beispiel im Bereich Kryptographie beziehungsweise Entschlüsselung von Kommunikation, Monitoring und Auswertung von Interneterkenntnissen oder sozialen Medien, wissenschaftliche Expertise verschiedener Fakultäten sowie spezielle Sprachkompetenzen.

Mit dem Ausbau der Komponente „Big Data Techniken“ sollen die Sicherheitsbehörden ihre Fähigkeiten bei der Datenauswertung verbessern. Neue Angriffsarten im Netz sollen außerdem eher aufgedeckt, gezielter abgewehrt und schneller verfolgt werden können.

Ein wichtiger Mehrwert von Hessen3C wird die Fähigkeit zur Erkennung von Mustern in unstrukturierten öffentlich zugänglichen Daten für die Bekämpfung des Terrorismus, der organisierten Kriminalität und der Spionage sein.

Sie sprechen von wissenschaftlicher Expertise. Wollen Sie die einkaufen? Haben Sie im Hessen3C keine eigenen ausgebildeten Experten?

Beuth: Natürlich haben wir auch unsere eigenen Experten. Aber wir werden auch weitere Spezialisten für Hessen3C einstellen. Wenn wir auch im Cyberraum unsere Aktions- und Reaktionsfähigkeiten weiterentwickeln wollen, müssen wir unsere Techniken und Methoden verbessern und zwar anhand der Fertigkeiten unseres kriminellen Gegenübers. Wer kann uns hier besser helfen als die Experten aus Forschung und Wissenschaft. Und einer der größten Wissenschaftshotspots – quasi unser hessisches Cybersecurity-Valley – liegt mit Darmstadt bei uns vor der Haustür. Deshalb fördern wir auch anwendungsorientierte Cybersecurityforschung am Wissenschaftsstandort Darmstadt und diese Forschungsergebnisse nutzen unsere Spezialisten im Hessen3C dann für die Verbrechensbekämpfung und Prävention.

Ergänzendes zum Thema
 
Runder Tisch Cybersicherheitsforschung Hessen
 
Hessen3C

Wie wird die Zusammenarbeit der verschiedenen Player aus Wissenschaft und Verwaltung koordiniert?

Beuth: Um über aktuelle Entwicklungen und Forschungsansätze zu sprechen, haben wir den Runden Tisch Cybersicherheitsforschung Hessen etabliert. Das Gremium wird auch als wissenschaftlicher Beirat für Hessen3C dienen. Wir entwickeln uns hier in Hessen kontinuierlich weiter.

Angefangen haben wir mit einer eigenen Abteilung Cybercrime im HLKA. Dann haben wir mit unserem Programm ODIS die Sicherheit im Hessennetz der Verwaltung weiter verbessert und sind mit den Industrie- und Handelskammern das Format Wirtschaftsschutz für die Awareness gerade der kleinen und mittleren Unternehmen angegangen. Der kontinuierliche Austausch mit der IT-Sicherheitswirtschaft und den Unternehmen ist für uns von herausragender Bedeutung. Der Kampf gegen Cyberkriminalität kann nicht mit einer isolierten Maßnahme oder einem Landesprogramm alleine erfolgreich geführt werden. Deshalb setzen wir ganz stark auf Vernetzung und teilen unsere Erkenntnisse.

Was werden wir auf dem diesjährigen Cybersicherheitsgipfel in Frankfurt alles zu sehen bekommen?

Beuth: Wir haben tolle Referenten und ein sehr informatives und auch unterhaltsames Begleitprogramm geplant. Es wird ganz viel zu sehen geben und wir wollen unseren ­Gästen auch zeigen, wo wir beim Thema Cybersicherheit in Hessen hinwollen. Alles Weitere sehen wir dann in Frankfurt am 20. Juni.

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