Interview: Innenminister Peter Beuth über Cyberkriminalität und Hessen3C

„Das Internet ist kein rechtsfreier Raum“

| Autor: Manfred Klein

Außenansicht des hessischen Innenministeriums
Außenansicht des hessischen Innenministeriums (Bild: Hessisches Innenministerium)

Hessen verstärkt seine seine Bemühungen um mehr Cybersicherheit im Land. Jetzt hat das Land mit Hessen3C ein Kompetenzzentrum zur Gewährleis­tung der Cybersicherheit gegründet. Davon sollen das Land, seine Kommunen, Bürger und Wirtschaft profitieren.

eGovernment Computing hat mit dem hessischen Innenminister, Peter Beuth, über die Hintergründe und die Zielsetzung des Kompetenzzentrums gesprochen.

Der hessische Innenminister Peter Beuth will verhindern, dass der Cyberraum zur rechtsfreien Zone wird
Der hessische Innenminister Peter Beuth will verhindern, dass der Cyberraum zur rechtsfreien Zone wird (Bild: Hessisches Innenministerium)

Herr Beuth, Sie haben im Landeskriminalamt des Landes Hessen eine eigene Cybercrime-Abteilung eingerichtet, ein Landes-CERT etabliert und erst letztes Jahr den Runden Tisch Cybersicherheitsforschung mit dem Darmstädter Kommuniqué ins Leben gerufen. Warum braucht Hessen jetzt auch noch ein Kompetenzzentrum?

Beuth: Wir haben in Hessen erhebliche Anstrengungen zum Schutz von Bürgern, Kommunen, unseren Unternehmen und nicht zuletzt auch für die Landesverwaltung selbst unternommen. Weil ­Sicherheit nie ein fertiges Konzept sein kann, sondern sich immer wieder den Gegebenheiten anpassen muss, haben wir reagiert.

Im Bereich der Cybersicherheit heißt das konkret: Wenn wir eine Asymmetrie zugunsten der Täter verhindern wollen, müssen wir uns weiterentwickeln und auch weiter verbessern. Wir werden täglich angegriffen. Diese Attacken können von jedem Ort der Welt aus kommen und es dauert im Durchschnitt mehr als 200 Tage bis sie überhaupt bemerkt werden. Und das sind nur die Angriffe, die bemerkt wurden.

Deshalb darf Innere Sicherheit nicht vor dem Cyberraum enden!

Was meinen Sie mit „Innere ­Sicherheit darf nicht vor dem Cyberraum enden“?

Ergänzendes zum Thema
 
Runder Tisch Cybersicherheitsforschung Hessen
 
Hessen3C

Beuth: Die Digitalisierung aller unserer Lebensbereiche schreitet immer schneller voran. Alles wird smart. Inzwischen verdoppeln sich die Datenmengen im Internet alle acht bis neun Monate, Tendenz steigend. Da kommen wir gar nicht umhin, den virtuellen Raum ganz besonders im Fokus zu haben. Die Vorbereitung und Durchführung vieler Straftaten haben sich schließlich teilweise oder auch komplett „digitalisiert“.

Unser Gegenüber nutzt das Internet, nutzt die digitalen Möglichkeiten. Wir erkennen hier eine neue Qualität. Vom Internet und Darknet als Tatort und Tatmittel über die verschlüsselte Kommunikation zur Tatvorbereitung bis hin zur Abwehr von Infiltrationsversuchen und Cyberangriffen reicht die Bandbreite der Herausforderungen. Um da aus dem Cyberraum keinen rechtsfreien Raum werden zu lassen, sind immense Anstrengungen erforderlich.

Wir wissen, dass sich zum Beispiel der islamistische Terrorismus der „hybriden Kriegsführung“ bedient. Oder Unternehmen sind neben Wirtschaftsspionage auch ganz handfester Erpressungs- und Betrugskriminalität ausgesetzt. Diese Schäden gehen in Milliardenhöhe. Angriffswerkzeuge und Techniken aus dem Internet werden von Kriminellen gegen staatliche Institutionen, Unternehmen und Bürger eingesetzt. Hierauf müssen wir unsere Sicherheitsstrukturen einstellen. Deshalb hat die Ausstattung der hessischen Sicherheitsbehörden mit moderner Informationstechnik Priorität. Ein wichtiger Baustein lautet dabei Hessen3C.

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