Innovationen steuern

Das Internet-Dilemma

| Autor / Redakteur: Dr. Wolf Zimmer / Manfred Klein

Andererseits ist unsere Welt ohne das Internet kaum mehr vorstellbar. Arbeits- und Dienstleistungen sind heute global verfügbar, Beschaffungsmärkte für materielle und immaterielle Güter weltweit verteilt und im Sekundentakt über das Internet abrufbar. Aus Verkäufermärkten werden immer häufiger Käufermärkte. Und wer von uns möchte schon darauf verzichten, online einzukaufen, Reisen zu buchen oder auch nur sich mit Freunden live auszutauschen.

Ganz zu schweigen von den neuen Möglichkeiten für den öffentlichen Diskurs, der weltweiten Teilhabe an politischer Meinungs- und Willensbildung sowie der Solidarität und Unterstützung von Opfern staatlicher Willkür oder Natur-katastrophen. Dank des Internets haben Bürger und NGOs leichteren Zugang zu Informationen und können in Kontakt mit der Öffentlichkeit treten.

Von der Wettbewerbsfähigkeit digitaler Wertschöpfungsketten sind aber nicht nur die Privatwirtschaft, sondern auch die Wirtschaftskraft und die Wettbewerbsfähigkeit von Staaten betroffen. Diese konkurrieren untereinander zunehmend durch die Bereitstellung ubiquitärer Standortfaktoren. Umso erstaunlicher ist die Gelassenheit, mit der unsere politisch Verantwortlichen auf die technologischen Herausforderungen reagieren, Verantwortung diversifizieren, anstatt ihnen konzentriert entgegenzutreten – digitale Souveränität buchstabiert sich anders!

Das Dilemma, in das uns das Internet stürzt, besteht darin, dass die berechtigte Begeisterung und Hoffnung mit begründeten sowie unbegründeten Bedenken und Ängsten zusammentreffen. Beschreibungen dystopischer digitaler Gesellschaften haben Konjunktur. Aber weder das befürchtete Orwell’sche Universum noch die vorherrschende Asymmetrie der Netzwerkökonomie sind alternativlos.

Hilflos dagegen erscheinen zuweilen unsere aktuellen Verteidigungsstrategien. Nicht nur, dass sie nahezu ausnahmslos post mortem, als Reaktionen auf bereits ausgeführte Angriffe, stattfinden. In der Regel verwenden sie zudem Instrumentarium und Begrifflichkeit mittelalterlicher Stadtbefestigungen. Das semantische Meisterstück aber verschleiert den Blick auf die Tatsache, dass die digitalen Brandmauern lediglich darauf spezialisiert sind, nur einen definierten Datenstrom passieren zu lassen.

Die Brandmauer ist also nur so gut wie ihre Konfiguration. Einem Angreifer genügt es, zu beobachten, welchen Datenverkehr die Firewall akzeptiert, um sich entsprechend zu „verkleiden“.

Ein weiteres Missverständnis ist die Idee, man könne IT-Infrastrukturen gegen Cyber-Attacken verteidigen, indem man den Datenverkehr der zu schützenden Systeme überwacht. Die Erkennung von Angriffen basiert in der Regel auf einer syntaktischen und semantischen Datenanalyse. Doch selbst im Erfolgsfall braucht es meist beim „Verteidiger“ deutlich mehr Rechenkapazität, um mögliche Angriffsmuster rechtzeitig zu erkennen, als für den Angreifer, die Taktik des Angriffs zu verändern.

Ergänzendes zum Thema
 
Fazit

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Um Sicherheit produzieren zu können, muss man eine seriöse Bedrohungsanalyse durchführen. Dabei...  lesen
posted am 25.02.2015 um 10:47 von woksoll

Hallo Wolfgang, ich verstehe Deinen Einwand. Gar nichts tun, ist aber aus meiner Sicht keine...  lesen
posted am 30.01.2015 um 12:11 von Unregistriert

Digitale Frühwarnsysteme in USA und China sind wirkungslos, wenn der Staat selber der öffentlich...  lesen
posted am 27.01.2015 um 19:44 von woksoll


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