Innovationen steuern

Das Internet-Dilemma

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Ebenso wenig hilfreich ist der nicht nur in Deutschland zu beobachtende Versuch, sich mit einer großen nationalen „Mauer“ vor den kriminellen Internetnomaden zu schützen. Deutsche „Datenautobahnen“ sollen helfen, dass die deutschen IT-Systeme und digitalen Infrastrukturen zu den sichersten weltweit werden. Der Cyber-Raum indes kennt keine geographischen Grenzen.

Ein Schelm also, wer hinter solchen Ansätzen wirtschaftliche Interessen vermutet. Davon abgesehen, weder dem chinesischen Kaiserreich noch der DDR hat es auf Dauer geholfen, wohl aber wirtschaftlich geschadet. Industrie 4.0 als nationaler Alleingang hat in einer globalisierten Welt wenig Aussicht auf Erfolg.

Was wir brauchen ist ein neues Situationsbewusstsein für eine proaktive und ganzheitliche „Sicherheitsvorsorge“ durch integrierte Verteidigungssysteme, die vor allem die Gelegenheiten der Angreifer und unsere Fähigkeiten, auf Angriffe angemessen zu reagieren, in den Blick nimmt.

Die Gelegenheit, Cyber-Attacken zu reduzieren, beginnt damit, dass Sicherheit bereits in der Konzeption und über alle Schichten angelegt und mit geeigneten Mitteln evaluiert wird. Nach wie vor aber wird „Sicherheit-by-Design“ zwar immer wieder gefordert, aber viel zu wenig gelebt.

Nach wie vor streifen Sicherheitsexperten im Nachhinein durch die IT-Systeme auf der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Wie sonst ist es zu erklären, das uns der so genannte „Buffer Over-flow“ immer wieder überrascht.

An methodischen Werkzeugen für „Sicherheit-by-Design“ auch komplexer Systeme mangelt es nicht. Man muss sie nur nutzen und darf den Aufwand nicht scheuen. Sicherheit später dazuzukaufen, taugt kurzfristig bestenfalls als Geschäftsmodell von Anbietern fokussierter IT-Sicherheitsprodukte. Sicherheit aber ist ein Prozess und kein Produkt.

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