Europäische Patentamt (EPA)

Das hat die Welt noch nicht gesehen – sollte sie aber

| Redakteur: Peter Reinhardt

Der von den polnischen Forschern verfolgte Ansatz hat das Potenzial, den Anwendungsbereich personalisierter Medikamente mithilfe der Molekularbiologie zu erweitern.
Der von den polnischen Forschern verfolgte Ansatz hat das Potenzial, den Anwendungsbereich personalisierter Medikamente mithilfe der Molekularbiologie zu erweitern. (Bild: Europäisches Patentamt)

Das Europäische Patentamt (EPA) hat die 15 Finalisten des Europäischen Erfinderpreises 2018 bekannt gegeben. Darunter befinden sich drei Erfindungen aus dem Bereich Medizintechnik

  • Batterien für Herz-Stromstoß
  • Abstoßungsfreies Spendergewebe
  • Stabilisierte Messenger-RNS

Ohne Wissbegierde und die Suche nach neuen Ideen gäbe es keinen Erfindergeist – und damit weder Fortschritt noch Innovation. Die Verleihung des Europäischen Erfinderpreises als einem der renommiertesten Preise seiner Art ist daher auch als Ehrung der kreativen Leistung aller Erfinder dieser Welt zu verstehen. sie tragen mit ihren technischen, wissenschaftlichen und intellektuellen Fähigkeiten maßgeblich zu technologischem Fortschritt und wirtschaftlichem Wachstum bei und verbessern damit zugleich unser aller Alltagsleben.

Die Finalisten im Bereich Medizintechnik

Mit dem 2006 durch das EPA ins Leben gerufenen Preis bekommen Erfinder die verdiente Anerkennung. Wie jeder Preis dient er als Anreiz für potenzielle künftige Gewinner. Er trägt dazu bei, Ideen zu schützen und Innovation zu fördern. Unter den 15 Finalisten 2018 befinden sich auch drei Erfindungen aus dem Bereich Medizintechnik.

  • Batterien für Herz-Stromstoß (Esther Sans Takeuchi, USA): Chemieingenieurin Esther Sans Takeuchi hat Kompaktbatterien erfunden, die winzige, implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICDs) mit Energie versorgen. ICDs werden von Millionen Patienten verwendet und verringern das Auftreten von Herzinfarkten durch lebensrettende Schocks. Bei deren Entwicklung bestand die Herausforderung darin, Batterien zu finden, die klein sind und die ICDs trotzdem mit einer ausreichend langen Lebensdauer versorgen. So lässt sich die Häufigkeit von Operationen reduzieren, die Herzpatienten für den Batteriewechsel auf sich nehmen müssen. Die Li/SVO-Batterie war die perfekte Lösung und nur eines von Sans Takeuchis 150 Patenten, die sie zu einer der produktivsten Erfinderinnen der USA machen. Für diese Leistung wurde Esther Sans Takeuchi für den Europäischen Erfinderpreis 2018 in der Kategorie „Nicht-EPO-Staaten“ nominiert.

Kurz-Video über das beeindruckende Lebenswerk von Esther Sans Takeuchi

  • Abstoßungsfreies Spendergewebe (Eileen Ingham und John Fisher, CBE, Großbritannien: Das britische Forscher-Ehepaar hat „biologische Gerüste“ entwickelt – Spendergewebe, aus dem DNA und Zellmaterial fast komplett „herausgewaschen“ wird und das vom Körper selbst mit eigenen Zellen besiedelt werden kann, ohne negative Reaktionen des Immunsystems hervorzurufen. Ingham und Fisher forschten mehr als zehn Jahre an der Universität Leeds daran und ihre Dezellularisierungsmethode eröffnet neue Wege in der regenerativen Medizin. Sie wird bereits bei der Wundbehandlung, beim Herzklappenersatz sowie bei weiteren orthopädischen und chirurgischen Anwendungen genutzt. Für diese Leistung wurden Ingham und Fisher nun als Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2018 in der Kategorie „Forschung" nominiert.

Mutmacher-Video: Schluss mit Diabetes-Amputationen

  • Stabilisierte Messenger-RNS (Jacek Jemielity, Joanna Kowalska, Edward Darżynkiewicz und Team, Polen): Die Entwicklung stabiler Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA)-Moleküle durch dieses polnische Forschungsteam bietet ein verbessertes Übertragungssystem für Therapien mit personalisierter Medizin, ohne die DNA eines Patienten verändern zu müssen. Indem sie nur ein einziges der etwa 80.000 Atome der mRNA änderten, erhielten sie eine stabile Form, die fünfmal effektiver ist als ihr natürliches Gegenstück. Ihre Arbeit hat zu einem vielversprechenden Impfstoff gegen Krebs geführt und bereits jetzt gibt es Lizenzvereinbarungen im Wert von über eine Milliarde Euro. Für ihre Leistungen sind Jemielity, Kowalska, Darżynkiewicz und ein Team von Wissenschaftlern der Universität Warschau als Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2018 in der Kategorie „Forschung“ nominiert.

Dokumentation: Video über die Entstehung stabilisierter Messenger-RNS für den Kampf gegen Krebs

Die Gewinner des jährlich vom Europäischen Patentamt vergebenen Innovationspreises werden am 7. Juni 2018 in Paris, Saint-Germain-en-Laye, bekannt gegeben. Bis zum 3. Juni 2018 ist noch die Online-Abstimmung für den Publikumspreis des Europäischen Erfinderpreises möglich.

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Partnerportal Devicemed.

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