Elektronische Identitäten und eGovernment-Dienste Das große Potenzial der Behörden-Digitalisierung

Von Natalie Ziebolz

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Digitale Identitäten sind ein Kernthema der Digitalisierung. Beim Online-Shopping oder -Banking sind sie – meist in Form eines Benutzerkontos – bereits etabliert. Wie aktuelle Studien zeigen, wünschen sich viele Bürger und Unternehmen jedoch lieber eine Lösung für alles, etwa in Form eines Digital Identity Wallets. Auch die eGovernment-Dienste sind in ihren Augen ausbaufähig.

Bürgerinnen und Bürger stehen elektronischen Idenitäten offen gegenüber
Bürgerinnen und Bürger stehen elektronischen Idenitäten offen gegenüber
(Bild: pickup - stock.adobe.com )

Ob für das Online-Banking, Behördengänge oder um die zahlreichen digitalen Einkaufshäuser leer zu shoppen, für die Nutzung der meisten Internetdienste benötigt man heute eine digitale Identität – meist in Form eines Benutzerkontos. Da verwundert es wenig, dass ein Drittel der Deutschen mehr als zehn, jeder Zehnte sogar mehr als zwanzig entsprechende Konten verwalten muss. Hier hilft aktuell nur ein guter Passwortmanager.

Da verwundert es weniger, dass 35 Prozent der Bürger eine zentrale und eindeutige Identität nutzen würde, wie die Studie „Security & digitale Identitäten in einer digitalisierten Welt“ feststellt. Weitere 32 Prozent der Bürger sind an der Nutzung zumindest interessiert. Vorausgesetzt, die Sicherheit der sensiblen Daten kann gewährleistet werden. Für 77 Prozent der Befragten ist dies ein Hauptkriterium für die Nutzung. Fast genauso wichtig ist den Bürgern und Bürgerinnen, dass die Anonymität der eigenen Identität gegenüber Dritten gewahrt wird (74 Prozent). Auch neun von zehn der befragten Behörden sowie über die Hälfte (55 Prozent) der Unternehmen wünschen sich eine solche zentrale Identität.

Die Verwaltung der Identität in eigener Hand

Doch wer soll diese verwalten? Bei den Unternehmen genießen diesbezüglich deutsche Dienstleister das größte Vertrauen (25 Prozent), bei den Behörden – wie soll es auch anders sein – sind es staatliche Institutionen (55 Prozent). Ein nicht geringer Teil der Befragten Unternehmen (16 Prozent), öffentlichen Verwaltungen (20 Prozent) und Bürger (34 Prozent) präferiert jedoch eine selbstbestimmte Verwaltung der Identität, eine sogenannte Self-Sovereign Identity (SSI). Diese kann beispielsweise durch Digital Identity Wallets, also elektronische Brieftaschen für Personalausweis, Führerschein, Gesundheitskarte und mehr, realisiert werden.

(© eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. )

Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage können sich sogar 60 Prozent der Bürger vorstellen, eine solche Lösung auf ihrem Smartphone zu installieren. „Die meisten Menschen in Deutschland haben genug von Papierkram und Zettelwirtschaft“, erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg. Gut 35 Prozent der Befragten stehen dem ID-Wallet dennoch skeptisch gegenüber. 63 Prozent von ihnen sind besorgt, dass ihre Daten von Dritten missbraucht werden könnten, 53 Prozent haben Sicherheits- oder Datenschutzbedenken. „Die Sensibilität für IT-Sicherheit und Datenschutz ist in Deutschland bekanntermaßen besonders hoch“, bestätigt Berg. Die Sorgen seinen jedoch unbegründet: „Was die Menschen wissen sollten: Eine Digital Identity Wallet ist viel sicherer als eine herkömmliche Brieftasche, die man an jeder Straßenecke verlieren kann.“ Die ID-Wallet verschlüssle und schütze die Daten hingegen und teile sie nur autorisiert mit befugten Stellen.

Doch auch die Angst, etwas falsch zu machen, hält die Bürger zurück (30 Prozent). 20 Prozent der Befragten gaben zudem an, sich zu wenig mit digitalen Anwendungen auszukennen und 21 Prozent befürchten, dass die digitale Brieftasche in der Praxis nicht funktionieren wird. „In Deutschland wurde in den vergangenen Jahren viel Vertrauen verspielt, etwa bei der verunglückten Einführung des digitalen Führerscheins im vergangenen Jahr. Und auch bei der digitalen Ausweisfunktion im Personalausweis fehlte es anfangs an Begleit­kommuni­kation und Benutzer­freundlich­keit, in den Behörden gab es keine flächendeckenden Schulungen und noch dazu musste die Funktion kompliziert freigeschaltet werden – ein Lehrbeispiel, wie man es nicht machen sollte. Digitale Identitäten müssen so sicher und einfach anzuwenden sein wie digital hinterlegte Kredit- und Kundenkarten, die viele schon heute über ihre Smartphone-Wallets nutzen“, fasst Berg zusammen.

Behörden benötigen Unterstützung

Nicht nur bei der Nutzung, auch bei Implementierung von zentralen Identitäten gibt es Verunsicherung. Dabei beschäftigen die rechtlichen Herausforderung die Behörden am stärksten (53 Prozent). Gefolgt von der Sicherstellung der Fälschungssicherheit sowie der mangelhaften Interoperabilität (jeweils 38 Prozent). „Die Fähigkeit mit anderen nationalen wie internationalen Systemen zusammenzuarbeiten stellt einen Grundpfeiler für ein übergreifendes digitales Identitäts-Ökosystem dar“, so die Autoren der Techconsult-Studie. „Zwar sind im Bereich digitale Identitäten bereits gewisse technische Standards vorhanden, doch existieren teils sehr unterschiedliche individuelle Ansätze innerhalb der verschiedenen Institutionen, wodurch Systeme nicht miteinander kommunizieren können. Eine Vereinheitlichung technischer Standards ist für die Bereitstellung von identitätsbasierten Diensten essenziell.“

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Doch auch fehlendes Know-how (33 Prozent) wirkt sich negativ auf die Implementierung der Identitäten aus. Die Behörden wünschen sich daher rechtliche (53 Prozent) sowie technische (45 Prozent) Bera­tungs­leistungen. „Öffentliche Verwaltungen sind zudem zu einem größeren Teil auf Unterstützung bei der konkreten Umsetzung der Einführung von identitätsbasierten Online-Diensten angewiesen“, so die Studie weiter. „Fast die Hälfte der öffentlichen Verwaltungen wünscht sich hier Hilfe­stellun­gen.“

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