Graphtechnologie

Das eGovernment der Zukunft

| Autor / Redakteur: Stefan Kolmar* / Susanne Ehneß

Grenzschutz

Auch Sicherheitsbehörden profitieren von den zahlreichen Vorteilen der Graphtechnologie. Ein konkretes Beispiel: Die Einwanderungsbehörde eines G8-Staates benötigte Unterstützung bei der Visualisierung von Beziehungen und Verbindungen einzelner Personen untereinander. Handelt es sich bei dem Einreisenden eventuell um einen international gesuchten Kriminellen oder ist er ein behördlich bekannter Schleuser oder Schmuggler? Oder steht er in irgendeiner Verbindung mit Personen, denen illegale Aktivitäten zur Last gelegt werden?

Diese Art der Abfrage bezog sich zunächst ausschließlich auf einzelne Fälle, bei denen kritische Informationen von den zuständigen Behörden erkannt und an die Grenzbeamten weitergeleitet wurden.

Mit dem neuen – graphbasierten – System gewinnt dieser Prozess an Schnelligkeit: Die Daten können nun in Echtzeit übertragen werden. Erfolgt eine Anfrage, weiß der zuständige Grenzposten innerhalb weniger Augenblicke, ob er der Person die Einreise gestatten oder verwehren kann.

Gleichzeitig lassen sich zudem Daten aus Strafregistern zuschalten und abgleichen. So können einzelne Verdächtige oder sogar ganze Schmuggler- und Schleuserbanden direkt an der Grenze gestoppt und im Zweifelsfall direkt in Gewahrsam genommen werden.

Die schnelle Übertragung macht Graphdatenbanken auch zum idealen Werkzeug, um die riesige Anzahl an doppelt vorkommenden Namen und IDs zu analysieren. Dazu wird die sogenannte Fuzzy-Logik genutzt, die mit hoher Zuverlässigkeit unterschiedliche Schreibweisen eines Namens erkennt und diese eindeutig einer Person zuordnet.

Das Vorgehen lässt sich mit einer DNA-Analyse vergleichen: Wenn die am Tatort gefundene DNA zu 100 Prozent mit einer betroffenen Person übereinstimmt, dann handelt es sich eindeutig um einen Tatverdächtigen. Stimmt sie nur zu 80 oder 90 Prozent überein, dann kann es sich beim Täter auch um einen Familienangehörigen handeln.

Mithilfe von Graphtechnologie können Regierungsbehörden in ­Sekundenschnelle Muster und ­Verbindungen erkennen und zum Beispiel feststellen, ob der Betroffene zwar einen anderen Namen führt, bei Herkunftsland, Geburtstag und -ort jedoch mit einer anderen Person übereinstimmt. Alle diese Beziehungen in einer solchen Geschwindigkeit abrufen zu können, ist mit klassischen Datenbanken rein technisch unmöglich.

Graphen für Smart Cities

Komplexe und heterogene Daten in Behörden und öffentlichen Einrichtungen lassen sich mit Hilfe von Graphtechnologie einfacher und vor allem schneller managen
Komplexe und heterogene Daten in Behörden und öffentlichen Einrichtungen lassen sich mit Hilfe von Graphtechnologie einfacher und vor allem schneller managen (Bild: Neo Technology)

Die Möglichkeiten von Graphtechnologie sind noch längst nicht ausgeschöpft. In den Smart Cities der Zukunft gibt es für Graphdatenbanken im Dienste öffentlicher Einrichtungen vielseitige Einsatzgebiete. Dabei kann es sich um ein Notrufsystem handeln, das automatisch feststellt, von wo der Anruf getätigt wurde und die Informationen automatisch an alle Bereitschaftsdienste von Polizei, Feuerwehr und nächstgelegenen Krankenhaus weiterleitet.

Behörden können beispielsweise mit interaktiven Karten arbeiten, in denen Echtzeit-Daten über Strom-, Telefon- und Wassernetzwerke abrufbar sind.

Graphbasierte System können zudem eine sichere Überwachung des öffentliche Nahverkehrs in Städten sicherstellen und als Basis für Verkehrsleitsysteme dienen, mit denen sich Versorgungsengpässe oder Staus zur Rush Hour vorbeugen lassen.

Auch Strafverfolgungsbehörden profitieren von der Fähigkeit von Graphdatenbanken, Verbindungen und Muster innerhalb von ­Daten zu erkennen. Egal ob Steuer­hinterziehung oder Wirtschaftskriminalität: Während Täuschungs­manöver und Verschleierungstaktiken relationale Datenbanken an ihre Grenzen bringen, können Graphdatenbanken verdächtige Netzwerke und Gruppen schnell aufdecken.

Der Autor: Stefan Kolmar, Director Field Engineering Europe, Neo Technology
Der Autor: Stefan Kolmar, Director Field Engineering Europe, Neo Technology (Bild: Neo Technology)

Fazit

Alle diese Beispiele zeigen: Graphdatenbanken werden staatlichen Behörden in Zukunft wertvolle Dienste leisten. Die Optimierung von bürokratischen Vorgängen, ein verbesserter Grenzschutz, höhere Lebensqualität und der Schutz vor betrügerischem Verhalten sind ­dabei erst der Anfang.

* Stefan Kolmar, Director Field Engineering Europe, Neo Technology

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