Saarland

Das eGovernment der kurzen Wege

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Für die saarländische Art der ebenenübergreifenden Zusammenarbeit gibt es mit dem Ausdruck „der saarländische Weg“ sogar einen eigenen Begriff. Was bedeutet das für die Zusammenarbeit mit den Kommunen und den weiteren Ausbau von eGovernment?

Lennartz: Getreu unserem Slogan haben wir auch hier die Chancen unserer kurzen Wege genutzt und die entscheidenden Akteure ebenenübergreifend vernetzt. Das Saarland setzt bereits seit über zehn Jahren im eGovernment auf eine enge Zusammenarbeit mit den Kommunen und deren Zweckverband eGo-Saar und hat damit deutschlandweit eine Vorreiterrolle eingenommen.

Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurden unter anderem das gemeinsame Portal „Bürgerdienste SAAR“ sowie die Beteiligung des Saarlandes an der „Einheitlichen Behördennummer 115“ realisiert. Bürgerdienste SAAR bietet mit Schweb.NET Online bundesweit einmalig die Feststellung einer Schwerbehinderung mit dem elektronischen Personalausweis (nPa) an. Im Jahr 2014 haben das Land und der Zweckverband eGo-Saar den eGovernment-Pakt erneuert und mit dem Aufbau einer gemeinsamen Rechenzentrums- sowie Netzinfrastruktur Schwerpunkte gesetzt.

Welche Auswirkungen hat diese enge Form der Zusammenarbeit auf Projekte zur IT-Konsolidierung?

Lennartz: Ich denke, auch bei der IT-Konsolidierung ist das Saarland gut aufgestellt. Die Gründung des IT-Dienstleistungszentrums war hier ein wesentlicher Schritt. Allerdings war es auch im Saarland ein hartes Stück Arbeit, das Ressortdenken zu überwinden, um der IT-Konsolidierung den Weg zu ebnen. Dieser Erfolg war umso wichtiger, da die Dynamik der IT-Entwicklung und Digitalisierung sowie die steigende Komplexität der IT-Infrastrukturen eine zentrale Gesamtsteuerung der landesweiten IT zwingend erfordern.

Im Saarland haben wir daher zum 1. Januar 2016 die bisherige Zentrale Datenverarbeitungsstelle des Saarlandes zu einem eigenständigen IT-Dienstleistungszentrum (IT-DLZ) weiterentwickelt. Dort werden die operativen IT-Aufgaben der Behörden und Einrichtungen des Landes innerhalb der nächsten zwei bis vier Jahre in einem umfassenden Changemanagementprozess gebündelt.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit des Landes mit dem IT-Planungsrat?

Lennartz: Trotz der schwierigen Situation im föderalen Staat konnte der IT-Planungsrat in den vergangenen Jahren Fortschritte erreichen. Durch die gemeinsame Arbeit konnten Projektkosten im Vergleich zu Einzellösungen gesenkt, gemeinsame IT-Standards erreicht und die Grundlage für ein gemeinsames Vorgehen bei der IT-Sicherheit geschaffen werden. Um die Digitalisierung der Verwaltungsstrukturen weiter voranzutreiben, müssen wir hier konsequent die ebenenübergreifende Vernetzung fortsetzen und die Kommunen weiter einbinden. Gerade die Erfahrungen bei der ­Bewältigung der Flüchtlingskrise haben dies verdeutlicht.

Ich begrüße daher den vom Beauftragten der Bundesregierung für Informationstechnik, Staatssekretär Klaus Vitt, angeregten Portalverbund, der bereits vorhandene Verwaltungsdienstleistungen in einem Dachportal von Bund, Ländern und Kommunen verknüpft und damit einen einheitlichen Zugang für Bürger und Unternehmen ermöglicht. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, sämtliche Dienstleistungsangebote durch Bürger- und Unternehmenskonten unter Beachtung der föderalen Strukturen anzubieten.

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