Verkehrswende Das bringt die E-Micromobilität für Kommunen

Von Susanne Ehneß

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Die Verkehrswende ist in aller Munde. Es müssen Lösungen her, die unsere Mobilität erhalten, unter Umständen sogar verbessern und gleichzeitig nachhaltiger sind. Dabei gibt es zahlreiche Konzepte und Möglichkeiten, die dabei helfen – dazu gehört auch die E-Micromobilität.

Das E-Fahrzeug Birò braucht wenig Platz
Das E-Fahrzeug Birò braucht wenig Platz
(© Estrima)

Viele Menschen nutzen noch immer das Auto und sind, gerade in ländlichen Gebieten, darauf angewiesen. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist in großen Städten zwar gut ausgebaut, dafür aber oft überlastet und in vielen Fällen nicht ausreichend, weil es nicht überall Haltestellen gibt. Viele Menschen drängen sich bei stark frequentierten Strecken eng aneinander, was zu Zeiten der Corona-Pandemie in den vergangenen Jahren durchaus ein öffentlich bekannteres Problem geworden ist. Corona hat viele Berufstätige und Schüler dazu bewegt, mit Leihrollern zur Arbeit oder zur Schule zu fahren, aber auch – wieder verstärkt – mit dem eigenen Auto.

Zugleich sind in ländlichen Kommunen viele Orte durch den ÖPNV nur schwer zu erreichen oder die Taktzahlen von Bussen und Bahnen reichen nicht aus. Hier muss eine Lösung für alle her, vor allem für die „Letzte Meile“ der Mobilität.

Alternativen zum Auto

Wo heute das Auto zum Einsatz kommt, könnten morgen schon E-Microfahrzeuge eine sinnvolle Ergänzung sein. Hier können Kommunen oder Unternehmen unterstützen, indem sie über Sharing-Plattformen den Bürgern Fahrzeuge zur Verfügung stellen, mit denen sie zwischen Haltestellen oder Ortschaften reisen können, ohne auf das Auto zu setzen.

E-Bikes, Pedelecs und E-Roller erleben seit Jahren einen Boom, sind aber nicht für alle Einsatzzwecke der Mobilität geeignet. Wer seine Einkaufstüten mit dem E-Roller und bei Regen oder Schnee transportiert, hat nicht viel Freude dabei und erhöht auch noch deutlich das Unfallrisiko. Inzwischen gibt es aber einige flexible Alternativen, dazu gehören unter anderem auch die Leichtelektromobile.

Elektrische Kleinstfahrzeuge können Autos und den ÖPNV nicht ersetzen, sie sollen aber Lücken mit effektiven, günstigen und nachhaltigen Konzepten schließen. Dabei muss es sich nicht immer um E-Roller handeln. Es gibt weitere Konzepte, die den Bereich der elektrischen Kleinstmobilität noch weiter voranbringen. Das E-Microfahrzeug Birò des italienischen Herstellers Estrima ist zum Beispiel ein 4-Rad-Elektro-Leichtfahrzeug mit Sitzen für zwei Personen, Türen und Fenstern. Weitere Fahrzeuge von diversen Herstellern sind in der Planung. Beispiele dafür sind der Isetta-Klon Microlino oder der dreirädrige E-Scooter Microletta.

Beispiel: Das E-Microfahrzeug Birò

Der Birò fährt sich grundsätzlich wie andere 4-rädrige-Fahrzeuge und ist für kurze Strecken gedacht. Das Fahrzeug hat eine Reichweite von bis zu 100 km mit einer Akkuladung. Auch ein transportabler Akku, der sich unkompliziert an jeder Haushaltsteckdose aufladen lässt, steht zur Verfügung. Dazu kommt eine maximale Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h, um im fließenden Verkehr mithalten zu können. Das Fahrzeug verbraucht auf 100 Kilometer vier bis fünf Kilowatt.
Laut Hersteller wurde auch in die Sicherheit investiert: Der Birò ist mit einem Stahlrohrrahmen und vier Scheibenbremsen ausgestattet. Überfüllte Parkhäuser und Innenstädte lassen sich mit diesem Fahrzeug entlasten, denn auf einen Pkw-Parkplatz passen vier Birò.

Günstig und flexibel von Ort zu Ort

Elektrische Kleinfahrzeuge sind günstig, haben genügend Reichweite, um zum nächsten Ort zu gelangen und sind zudem schnell aufgeladen. Es zeigt sich bereits am Beispiel von E-Rollern, dass Microfahrzeuge eine Säule der Mobilität werden, die in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird, vor allem für die „Letzte Meile“ der Mobilität, also von Haltestellen, Parkplätzen, dem Arbeitsplatz oder von zu Hause zum nächsten Knotenpunkt oder sogar zum eigentlichen Ziel.

Die Nachteile der Mikrofahrzeuge sind derzeit vor allem noch die überall unsachgemäß abgestellten E-Roller, die Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung und das noch nicht optimal umgesetzte Laden der Akkus. Bereits seit 2019 gibt es mit der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) jedoch eine gesetzliche Grundlage für den Einsatz dieser Fahrzeuge. Dem Einsatz steht also nichts mehr im Wege, entsprechende Versicherungen für die Fahrzeuge stellen ebenfalls kein Problem dar.

Auch Leichtfahrzeuge in Städten und Kommunen bieten Möglichkeiten, von denen Bürger deutlich profitieren können. Diese Fahrzeuge sind natürlich Car-Sharing-geeignet, so dass sie sich in bestehende Flotten integrieren lassen. Auch Werbezwecke sind mit den Leichtfahrzeugen denkbar. Neben dem öffentlichen Straßennetz kann das emissionslose Fahrzeug auch in Innenräumen wie beispielsweise Messehallen zum Einsatz kommen.

Gut für Umwelt und Geldbeutel

Das Deutsche Zentrum für Raum- und Luftfahrt (DLR) hat in einer Studie festgestellt, dass sich in Deutschland durch den Einsatz von elektrischen Leichtfahrzeugen bis zu 40 % Prozent der Emissionen pro Jahr einsparen lassen. Das wären pro Jahr 57 Millionen Tonnen. Die Studie kommt auch zu dem Ergebnis, dass die Hälfte der in Deutschland mit Pkw gefahrenen Kilometer theoretisch auch mit elektrischen Leichtfahrzeugen bewältigt werden können.

Zudem lassen sich Kosten einsparen, da der typische Stadtverkehr sehr hohe Verbräuche bei Autos verursacht. Elektrische Kleinstfahrzeuge können Pendlern und Schülern zudem dabei helfen, schneller und einfacher ans Ziel zu kommen: Über eine digitale Vernetzung lassen sich die Verbindungen noch mehr beschleunigen und optimieren, da die Fahrzeuge untereinander Daten austauschen und über ein Netzwerk auch vor Staus, Unfällen und anderen Gefahren warnen können.

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Fazit

Bei der Verkehrswende sind elektrische Kleinstfahrzuge nicht mehr wegzudenken. Fahrzeuge wie Birò, Microlino oder Microletta lassen sich problemlos in Sharing-Projekten unterbringen und können zu einer wichtigen Säule in der Verkehrsinfrastruktur werden. Dabei geht es nicht um das Ersetzen von Auto oder ÖPNV, sondern um sinnvolle Ergänzung und das Schließen von Lücken. Und wenn es dann noch durchdachte Stellflächen gibt, damit elektrische Kleinstfahrzeuge nicht wild abgestellt werden, dürfte diese Transportmöglichkeit Zukunft haben.

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