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Quelloffene Lösungen für die Öffentliche Verwaltung Corona-Pandemie: neuer Schub im eGovernment

| Autor: Julia Mutzbauer

Offene Schnittstellen, offene Dokumentation, offene Standards und öffentlicher Code: Der IT-Dienstleister publicplan setzt auf Open-Source-Software für die Öffentliche Verwaltung.

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Der IT-Dienstleister publicplan setzt auf Open-Source-Lösungen für die Öffentliche Verwaltung
Der IT-Dienstleister publicplan setzt auf Open-Source-Lösungen für die Öffentliche Verwaltung
(© Duncan Andison - adobe.stock.com)

„Insbesondere in der Coronakrise der letzten Monate waren diese Angebote eine große Unterstützung, um Leistungen kurzfristig digital verfügbar zu machen. Hier konnten wir zeigen, wie schnell und flexibel wir auf neue Begebenheiten reagieren können“, sagt Geschäftsführer Christian Knebel. Als die Corona-Pandemie ganz Deutschland in den Lockdown zwang, stellte publicplan seine Werkzeuge GovPad und GovChat für die digitale Zusammenarbeit in Ministerien, Behörden, Städten und Kommunen kostenfrei zur Verfügung: GovPad ermöglicht es, datenschutzkonform gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten, und mit dem Messenger GovChat können Teams sicher und geschützt kommunizieren. Die Tools können noch mindestens bis Ende dieses Jahres kostenfrei genutzt werden. Zusätzlich wurde die Jitsi-Videokonferenz-Software auf den publicplan-Servern installiert.

Berührungslos

Jede Dienstleistung, die sich „berührungslos“ erbringen ließ, war im Vorteil. Das zeigte sich auch an Projekten, die publicplan seit der Gründung vor zehn Jahren betreut: Anwendungen für den Krankenhaus- und Pflegebereich wie das Online-Portal des Pflegeausbildungsfonds PFAU.NRW oder das elektronische Anzeigeverfahren für Wohn- und Betreuungsangebote PfAD.wtg. Mit den Anwendungen verbunden sind Lösungen wie der Heimfinder.NRW, mit dem Nutzer Kurzzeit- und Dauerpflegeplätze in ihrer Nähe finden können, oder der Pflegewegweiser.NRW. Hier finden Pflegebedürftige und Angehörige individuelle Hilfsangebote.

Der Mitbegründer war bereits vor zehn Jahren von der Open-Source-Idee überzeugt und hat das Potenzial für die Öffentliche Verwaltung gesehen. Der Ansatz an sich geht noch viel weiter zurück. Bereits seit den Kieler Beschlüssen von 1979 ist der eGovernment-Markt von der Idee geprägt, dass staatliche Stellen einander ihre Software überlassen dürfen, unter anderem, um Steuergelder zu sparen.

Kontrolle behalten

Heute zeigt zum Beispiel die Diskussion um die Corona-Warn-App die Vorteile von quelloffenem Code. Die Community hat dadurch die Möglichkeit, Lösungen kritisch zu überprüfen und zu verbessern. Das Ergebnis sind Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Open-Source-Anwendungen sollen zudem Innovationen und Wettbewerb um die beste Lösung fördern, da sie nicht den Einschränkungen eines bestimmten Herstellers unterliegen.

Dies ist laut publicplan insbesondere ein großer Vorteil für die Öffentliche Hand. Denn für den Erfolg von eGovernment sei es entscheidend, dass die Bürger den digitalen Angeboten vertrauen. Dies gelinge, wenn die Behörden die Kontrolle über ihre Dienste haben.

„Das funktioniert aus meiner Sicht nur durch eine offene Lizensierung der Software, die die Öffentliche Hand einsetzt. Wir bei publicplan machen uns weiterhin für die Prinzipien stark, die hinter der Open-Source-Philosophie stecken: Offene Schnittstellen, offene Dokumentation, offene Standards und öffentlicher Code. Dieses Mindset wollen wir mit unseren Lösungen in die Digitalisierung der Verwaltung einbringen“, erläutert Christian Knebel. Die Corona-Krise habe den Druck auf den Public Sector erhöht, den Bürgern digitale Services anzubieten, die möglichst medienbruchfrei und intuitiv zu bedienen sind. „Wir sehen, wie in dieser schwierigen Situation Abwehrhaltungen gegen moderne und nutzerfreundliche Online-Angebote schwächer werden“, so Knebel.

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 Julia Mutzbauer

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Redaktion, eGovernment Computing