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Der Artikel lässt wichtige Aspekte der Vergangenheit aus und suggeriert damit fälschlicherweise Marktpotenzial.
Dänemark hat eine funktionierende E-Health-Infrastruktur, in der Krankenhäuser, Medizinische Zentren und andere Akteure erfolgreich vernetzt wurden.
In England ist ein riesiges Integrationsprojekt des NHS abgebrochen worden, dass das machen sollte, was hier in dem Artikel als Vision aufgezeigt wurde.
In Deutschland haben wir mit der Gesundheitskarte eine Katastrophe angerichtet: vor acht Jahren sollte sie eingesetzt werden: nicht von der avisierten Infrastruktur ist in Betrieb. Nicht mal die Marginalie eRezept. Die niedergelassenen Ärzte mauern aus freien Stücken vor sich hin, aber in den Praxen sind wesentliche Datenschutzprobleme ungelöst (kein Internet-Anschluss in vielen Praxen aus Sicherheitsgründen), Angebote irrelevant (breitbandige Röntgenbilderdownloads mit ggf. hunderten Accounts für Ärzte (Anzahl Patienten x Anzahl Behandler)). Selbst plumpe Datenschutzfehler wie fehlende Korntrolle Zuordnung Lichtbild-Person zeugen von fehlende Ability to Execute bei Akteuren.
Genauso dramatisch ist, dass Google Health und Microsoft Health Vault mangels Nachfrage ihr Angebot eingestellt haben.
Das Szenario für Diabetiker ist überzeichnet: die Insulingabe braucht keine Online-Verbindung zum behandelnden Arzt, breit eingeführte Geräte die kontinuierliches Messen mit kontinuierliche Insulingabe gibt es nicht und Teillösungen sind unbequem (Pumpe plus getrennter Blutzuckersensor). Auslesen der Zuckertestgeräte per Infrarot dagegen ist seit Jahren Standard, ebenso wie aktuelle Hinweise per E-Mail zum Beispiel durch die Gerätehersteller. Der noch erzielbare Grenznutzen ist marginal.
Marktgängig ist nur,was von den Krankenkassen gezahlt wird: und da ist nur die Herzinsuffizienz mit einem telemedizischen Angebot da (sowie einige Reha_Angebote) . Für Diabetiker fehlt der Nützlichkeitsnachweis immer noch (die Metastudien zeigen keine Evidenz und die 6-Tage gesparter Klinikaufenthalt aus Meck-Pomm sind auch überzeichnet).
Die großen Effizienzgewinne liegen bei der Integration Krankenhäuser, Ambulante Medizinzentren, niedergelassen Ärzte, sonstige Heilberufe (Reha), ambulante Pflege. Das bisschen quantified Self macht den Kohl nicht fette. Das sind eher schöne Goodies als der (finanzielle) Kern der medizinischen Versorgung. Der zweite Gesundheitsmarkt ist kein Treiber für den ersten. Vielleicht irgendwann mal eine Ergänzung.
Wir sollten uns daher eher ernsthaft fragen, warum E-Health bei uns bisher so dramatisch gescheitert ist. Wir bekommen ja nicht mal blutige Entlassungen wie in England hin, wo die ambulanten Nurses integriert sind. Erschwerend kommt hinzu, dass bei weiterer Untätigkeit der großen Koalition in Sachen Ausspionierung der Bürger, jetzt sogar noch Bundeswehr und BND systematisch die Bürger total in Facebook ausspionieren sollen, wird eine nennenswerte Telemedizin nicht stattfinden. Wir sehen es schon beim E-Government, wie die ohnehin spärliche Nutzung dramisch einbricht ob der Vertrauensverlustes der Bevölkerung (siehe BITKOM-Studie). Wir sollten aufhören, um die echten Hemmnisse drum herum zu reden, sondern in internationalen Best Practises nach umsetzbaren Lösungen suchen.