IDC-Zahlen zum deutschen Cloud-Markt

„Cloud wird zum de-facto-Modell“

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Regina Willmeroth

Die Skepsis lässt nach
Die Skepsis lässt nach (Bild: © bluebay2014/ Fotolia.com)

Die aktuellen IDC-Zahlen zur Cloud-Transformation im deutschen Markt zeigen: Cloud ist in der Mehrheit der Unternehmen inzwischen Realität. Am Horizont schon erkennbar: die Industry Cloud.

Die aktuelle Untersuchung von IDC zum deutschen Cloud-Markt beschäftigt sich mit der Frage, wie weit der Übergang zur Cloud-Technologie fortgeschritten ist. Das Ergebnis: Die Skepsis hat so weit nachgelassen, dass sie immer weniger Unternehmen daran hindert, wenigstens segmentweise Cloud-Technologien zu nutzen.

Matthias Zacher, Projektleiter und Senior Consultant, IDC: „Die Cloud wird inzwischen zum de-facto-­Modell.“ Bemerkenswert auch: Zum ersten Mal, seit IDC sich mit den Hindernissen befasst, die gegen den Cloud-Einstieg sprechen, sehen weniger als 50 Prozent der Anwender in Sicherheitsproblemen einen Grund, abstinent zu bleiben. Auch die übrigen Hemmschuhe sind alte Bekannte: neben der Sicherheit werden Stabilität und Verfügbarkeit (31 Prozent) und Compliance (29 Prozent) genannt.

Hinsichtlich des Cloud-Reifegrades haben 20 Prozent mindestens erfolgreiche Cloud-Projekte in Fachbereichen, die als Vorlage für weitere Projekte in anderen Bereichen dienen – bei 5 Prozent ist sogar schon eine Cloud-First-Strategie etabliert, 15 Prozent nutzen Cloud umfassend, aber noch nicht im Rahmen von Cloud First. Das macht insgesamt 40 Prozent an Unternehmen, die bereits mitten in der Cloud-Welt stecken. In zwei Jahren sollen es sogar 60 Prozent sein, dann werden 15 Prozent auf eine Cloud-First-Strategie setzen und 28 Prozent zur umfassenden Nutzung übergegangen sein.

Von einem Randphänomen, mutigen Vorreitern und Ähnlichen kann man also bei der Cloud-Nutzung beim besten Willen nicht mehr sprechen. Zacher: „Während früher auch viele interne Faktoren eine Rolle spielten, sind die heutigen Hinderungsgründe sämtlich eher extern.“ Zudem scheint man verstanden zu haben, dass Cloud aus Unternehmenssicht vor allem ein Erbringungsmodell ist, das knallhart kalkuliert werden muss: Kostenanalyse und Anbieterauswahl halten die Befragten für die wichtigsten Prozessschritte.

Dass das Modell erfolgreich ist, belegen auch die Investitionsvolumina, die sich in den vergangenen zwölf Monaten in Westeuropa laut IDC um 27 Prozent auf über 37 Milliarden Dollar erhöht haben. Da­ran haben Private-Cloud-Investitionen einen Anteil von 17,7 Milliarden Dollar, der Rest entfällt auf Public Cloud. Die größten Umsätze verbuchen mit 17,3 Milliarden Dollar Public- und 12.8 Milliarden Dollar Private-Cloud-Services für sich, dazu kommen 2,8 (Private) beziehungsweise 2,6 Milliarden Dollar Hardware sowie 2,1 Milliarden Dollar Private-Cloud-Services.

„Der Public-Cloud-Sektor wächst dabei doppelt so schnell wie die Private Cloud“, meint Dr. Said ­Zahedani, der bis vor drei Wochen den Geschäftsbereich Hybrid IT bei HPE Deutschland führte und jetzt für die Zusammenarbeit mit großen Systemintegratoren zuständig ist. Zu denen gehören durchaus auch die größeren Cloud-RZ-Betreiber, zu denen HPE teilweise besonders enge Verbindungen unterhält – hat man doch mit der Helion-Architektur, die jetzt auf der ad-hoc Software-konfigurierbaren „Convertible“ Infrastruktur Synergy kommt, selbst ein Komplettprodukt für solche Player im Programm. Besonders eng ist unter den ganz Großen naturgemäß die Kooperation mit Microsoft – sowohl Google als auch AWS oder Facebook lassen sich bekanntlich die Hardware von den Herstellern maßschneidern oder entwickeln gleich selbst. Neben einem 4.000-Personen-Team, das sich mit Azure-Integrationen beschäftigt, hat HPE seine Server inzwischen auch für die Zusammenarbeit mit Containern präpariert.

IT profitiert von Cloud am meisten

Der Nutzen der Cloud scheint sich noch immer am ehesten im IT-Bereich und hier beim IT-Betrieb der Unternehmen zu materialisieren. 48 Prozent der Befragten gaben das jedenfalls an. Danach klafft eine große Lücke, dann folgt der Vertrieb mit 30 Prozent und danach dicht beieinander Logistik, Marketing/PR, Produktion, Kundendienst, Finanzen und Forschung/Entwicklung. Am wenigsten nutzbringend ist die IT derzeit für die Rechtsabteilung (13 Prozent Nennungen). Die Aufgabenprofile in der IT ändern sich durch die Cloud zum Teil erheblich. Das gilt besonders für die IT-Architekten (52 Prozent) und Infrastruktur/Systemadminis­tratoren (49 Prozent), IT-Betrieb/Operations (48 Prozent), und die Anwendungsentwicklung (45 Prozent), in etwas geringerem Umfang aber für so ziemlich jede Aufgabe im IT-Umfeld.

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