Interview

Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung

| Redakteur: Ira Zahorsky

Hubert Ludwig, Geschäftsführer der DVZ Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern GmbH
Hubert Ludwig, Geschäftsführer der DVZ Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern GmbH (Foto: DVZ Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern)

Hubert Ludwig, Geschäftsführer der DVZ Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern GmbH, im Gespräch mit eGovernment Computing.

eGovernment Computing: Wie kann Ihrer Meinung nach der Einsatz von Cloud Computing die Effektivität und Effizienz der öffentlichen Verwaltung erhöhen?

Ludwig: Die gemeinsame Nutzung von Cloud-Ressourcen erfordert ein hohes Maß an Standardisierung. Und hier liegt der Schlüssel zu mehr Effektivität und Effizienz. Um Cloud-Technologien nutzbar zu machen, bedarf es in ers-ter Linie optimierter Geschäftsprozesse aufseiten der Verwaltung und standardisierter Abläufe bei den Dienstleistern.

Das ist für beide Seiten eine Herausforderung, der sie sich stellen müssen. Für die Verwaltung beispielsweise hat das zur Folge, dass Verwaltungsabläufe im Vergleich zu anderen Behörden – auch länderübergreifend – transparent und nachvollziehbar werden. Das führt unweigerlich zu neuen Lösungsansätzen.

Der Bürger erwartet heute von seiner Verwaltung einen einfachen und schnellen Kontakt sowie eine unverzügliche, nachvollziehbare Fallbearbeitung. Und das über verschiedenste Zugangskanäle – auch von unterwegs. Auch für die öffentliche Verwaltung ergeben sich viele neue Möglichkeiten: Wir können etwa unsere Verwaltungsleistungen noch schneller und effizienter anbieten. Gleichzeitig gilt es, potenzielle Risiken im Cyber-Raum einzudämmen und zu minimieren.

Um diese Erwartungen zu erfüllen, bietet Cloud Computing eine ideale Basis für vernetztes und durchgängiges Arbeiten. Abgerundet mit Komponenten wie eZugangskanal, der Integration des nPA und die Einbindung von ePayment-Systemen wird das die Verwaltungsprozesse verbessern – nachhaltig und spürbar nach außen.

Dieser Modernisierungsprozess ist allerdings nur mit politischer Unterstützung umsetzbar. Ziel muss es sein, zum Teil unterschiedliche Landesgesetzgebungen zukünftig anzupassen. Die derzeit in Bearbeitung befindlichen eGovernment-Gesetze können die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, um die Digitalisierung der Verwaltung weiter voranzutreiben.

eGovernment Computing: Wie begegnen Sie den Sicherheitsanforderungen der einzelnen Behörden?

Ludwig: Getragen von den zunehmenden Cyberangriffen unterschiedlichster Interessengruppen steht die Sicherheit und Rechtsverbindlichkeit der Verwaltungsentscheidungen heute bei eGovernment-Anwendungen im Vordergrund – natürlich auch und insbesondere beim Einsatz von Cloud-Technologien. Die hohen Sicherheitsanforderungen und die Rahmenbedingungen der öffentlichen Hand schränken die Nutzung kommerzieller Cloud-Angebote erheblich ein. Und leider bleiben hier auch die Anforderungen der Verwaltung zu wenig oder gar nicht berücksichtigt.

Das war ein Hauptgrund für die Datenzentralen, eine gemeinsame Cloud-Richtlinienempfehlung zu verabschieden. Denn als Dienstleister der Länder tragen sie bei der Umsetzung von Cloud-Angeboten und deren Kategorisierung von der Privat- bis zur Public-Cloud eine wesentliche Verantwortung. Die Versorgung mit Cloud Services – beispielsweise für besonders sensible Verwaltungsbereiche wie die Justiz, die Polizei oder die Steuerverwaltung – ist bundesweit nur auf Grundlage von Rahmensicherheitskonzepten möglich. Das bedarf einer engen Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen.

eGovernment Computing: Was kann Deutschland von ausländischen Cloud-Initiativen, etwa der G-Cloud aus UK, lernen?

Ludwig: Vergleicht man Deutschland und England, werden sofort die grundsätzlich unterschiedlichen Versorgungsansprüche sichtbar. Während die englische Verwaltungsadministration Services fast ausschließlich von privaten Anbietern erbringen lässt, ist dieses Geschäftsmodell in Deutschland erst auf dem Vormarsch. Die G-Cloud in Großbritannien könnte uns dabei als Vorbild dienen. Insbesondere wenn es darum geht, Cloud Services für die öffentliche Hand nach den rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland zu etablieren. Aber eine Adaption lässt sich hierzulande nur bei Überwindung föderaler Zuständigkeiten und bürokratischer Hürden gestalten.

Abschließend betrachtet bleibt festzustellen, dass sich Technologien und deren Nutzungsmöglichkeiten nicht durch Föderalismus aufhalten lassen. Wir sind in Deutschland also gut beraten, Kooperationen zu fördern und offen mit Nutzungshemmnissen umzugehen. Zudem muss es uns gelingen, moderne und effektive Prozesse in der Verwaltung mittels IT bürgerfreundlich abzubilden. So kann Cloud Computing auch im Verwaltungssektor zum Erfolgsmodell werden.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43054701 / Ministerialkongress 2012)