IDC: Vor einem Evolutionsschub ist Basisarbeit am Kunden nötig Cloud Computing für die meisten noch kein Thema

Redakteur: Katrin Hofmann

Die meisten deutschen Firmen haben sich mit dem Thema Cloud Computing, eng verbunden Begriffen wie Virtualisierung, On demand Computing, Software as a Service oder Grid Computing, noch nicht einmal beschäftigt. Und mancher IT-Experte verlor beim Flug durch die Wolke die Orientierung. Warum das so ist, beantwortet eine aktuelle Studie des Marktforschers IDC.

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IDC versteht unter Cloud Computing, dass Produkte, Services und Lösungen mittels spezieller Techniken und Bereitstellungsmodelle in Echtzeit übers Internet angeboten werden.
IDC versteht unter Cloud Computing, dass Produkte, Services und Lösungen mittels spezieller Techniken und Bereitstellungsmodelle in Echtzeit übers Internet angeboten werden.
( Archiv: Vogel Business Media )

Lediglich ein Viertel der deutschen Firmen hat sich schon einmal mit Cloud Computing befasst. Wie die Studie „Cloud Computing und Services – Status Quo und Trends in Deutschland 2009“ von IDC außerdem verdeutlicht, ist keineswegs jeder nach einem Ausflug in die Cloud-Computing-Welt begeistert. Vier Prozent der 805 befragten IT-Fach- und Führungskräfte entschieden sich danach gegen die Nutzung. Das sind 15 Prozent derjenigen, die sich bereits mit dem Thema beschäftigt haben. Noch keine Entscheidung hierzu gefällt haben 27 Prozent der Interessenten (sieben Prozent aller Befragten). Aber immerhin planen jeweils 29 Prozent der sich schon Informierenden (ebenfalls je sieben Prozent aller Untersuchungsteilnehmer) den Einsatz oder haben Cloud-Computing-Anwendungen schon in ihre betrieblichen Abläufe integriert.

Dass sich immerhin 75 Prozent bislang noch nie dem Thema gewidmet haben, ist IDC zufolge „ein Indiz dafür, dass Cloud Computing in Deutschland noch nicht angekommen ist.“ Research-Analyst Matthias Kraus von IDC vermutet, dass eine wesentliche Ursache dafür sein könnte, dass das Thema noch nicht klar genug umrissen ist. Deshalb sei Basisarbeit unter anderem bei der Eingrenzung des Begriffs nötig.

Die Kommunikation der Anbieter beurteilen zwar 46 Prozent derjenigen, die sich schon damit beschäftigt hatten, so, dass die Informationen mittlerweile übersichtlicher und präziser aufbereitet werden. Allerdings sagten auch 43 Prozent und jeweils ein reichliches Drittel, dass jeder Anbieter anders kommuniziert, konkrete Aussagen zum Nutzen ebenso fehlen wie anschauliche Anwendungsszenarien und technische Informationen.

Mehr über die Hemmschwellen und Antriebsfaktoren sowie einen Ausblick erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Sicherheitslücken befürchtet

Diejenigen, die sich durch die Informationswolke bewegt und gegen die Nutzung entschieden haben, nannten als Hauptgründe Sicherheitsbedenken, Angst vor Kontrollverlust über ihre Daten und vor Verletzung der für die Compliance relevanten Richtlinien und Gesetze. Zu diesen externen Faktoren gesellen sich firmeninterne Hemmfaktoren, hier in erster Linie fehlende Genehmigungen für die externe Speicherung, mangelndes Know-How der IT-Mitarbeiter oder Zeitmangel dieser.

Firmen, die Cloud-Computing-Anwendungen schon heute nutzen, nannten weitere Erfahrungswerte als wichtige Hemmfaktoren: unter anderem die Angst der IT-Mitarbeiter vor Stellenabbau und fehlende Akzeptanz. Wünsche der Anwender zielen daneben auf die Praxistauglichkeit und die Integrationsfähigkeit.

Kostenersparnis im Fokus

Bei der Frage nach den wesentlichen Motiven für eine intensivere Beschäftigung mit der Thematik sind Kostensenkungen das zentrale Thema. Daneben existieren zahlreiche weitere Gründe, die aus Sicht der Anwender – IDC fragte hierbei die Firmen, die sich mit Cloud Computing näher beschäftigt hatten – für einen Einsatz sprechen. Dazu gehören unter anderem ein reduzierter Administrationsaufwand, die verbrauchsabhängige Abrechnung, der Wunsch nach vereinfachter Installation, höherer Flexibilität oder der Nutzenaspekt neuer Funktionen.

Wichtig für die Entscheidung dafür sind daneben die Integrationsfähigkeit oder eine angestrebte höhere Zufriedenheit der Fachabteilungen nach der Einführung. Und selbst eine höhere IT-Sicherheit steht besonders für kleine Firmen im Fokus. Denn Matthias Kraus zufolge können vor allem Unternehmen, deren interne Ressourcen einen hohen IT-Sicherheitsstandard bislang verhinderten, durch die Nutzung von Web-Ressourcen diesen durchaus auch herstellen.

Ausblick

Mit solchen und weiteren passenden Argumenten und Kommunikationsstrategien könnten künftig mehr Kunden gewonnen werden. Denn die Beurteilung des Themas fiel grundsätzlich optimistisch, jedoch realistisch aus. „Die Einstellung der befragten Anwenderunternehmen spiegelt eine sachliche Auseinandersetzung mit der Thematik wider. Insgesamt schätzen deutsche Firmen die Entwicklung von Cloud Computing und die Möglichkeiten, die diese Services bieten, positiv ein,“ erläutert Matthias Kraus. Knapp über 70 Prozent der Cloud Computing kennenden IT-Spezialisten erwarten, dass sich das Thema in zwei bis fünf Jahren ergänzend bei der Beschaffung von IT oder für temporäre Einsätze etablieren wird.

Sehen Sie auch das Video-Statement von IDC-Experte Matthias Kraus zu Cloud Computing.

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