Patienten kommen zu kurz

Büroarbeit kostet Ärzte zu viel Zeit

| Redakteur: Ira Zahorsky

Die bürokratischen Hürden für niedergelassene Ärzte sinken zwar, allerdings viel zu langsam
Die bürokratischen Hürden für niedergelassene Ärzte sinken zwar, allerdings viel zu langsam (Bild: Pixabay/Unsplash)

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe und die Fachhochschule des Mittelstandes haben einen Bürokratieindex entwickelt, um transparent zu machen, wie viel Zeit niedergelassenen Ärzte für Büroarbeit aufwenden.

Um transparent zu machen, wie sich die Belastung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten durch Bürokratie entwickelt, haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe und die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) gemeinsam den Bürokratieindex entwickelt. Demnach verbrachte die untersuchte Gruppe dieses Jahr 52 Millionen Stunden ihrer Arbeitszeit mit Büroarbeit durch Vorgaben der Selbstverwaltung auf Bundesebene.

„Zwar hat es an einigen Stellen Entlastungen gegeben, beispielsweise durch die Abschaffung der Auszahlscheine im Krankengeldfall. Aber es kommen auch immer neue Belastungen hinzu. 52 Millionen Stunden sind einfach immer noch zu viel. Die Zeit der Niedergelassenen ist schließlich in erster Linie für die Patienten da und nicht für den Papierkram“, betonte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen, „deshalb fordern wir von den Krankenkassen die verbindliche Festlegung eines Abbauziels für Bürokratie.“ Ein solches Ziel könnte maßgeblich dazu beitragen, dass für die Behandlung der Patienten wieder mehr Zeit zur Verfügung stehe.

Die FHM hat für die Datenerhebung die Methodik des so genannten Standardkosten-Modells gewählt. „Wir haben die durch das Statistische Bundesamt durchgeführte Bestandsmessung auf den aktuellen Stand gebracht. Neue und geänderte Informationspflichten wurden in diesem Rahmen ebenso berücksichtigt wie Pflichten, die in der Zwischenzeit entfallen sind. Darüber hinaus erfolgte eine Aktualisierung der zugrundeliegenden jährlichen Fallzahlen“, erklärte Prof. Dr. Volker Wittberg von der FHM. Der Bürokratieindex sei im Bereich der ärztlichen Selbstverwaltung somit von der Basis 100 im Jahre 2013 auf den Wert 95,28 in 2016 gefallen.

„Diese Absenkung geschieht jedoch von einem viel zu hohen Niveau aus“, sagte Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KV Westfalen-Lippe. Auf seine KV entfallen 9,65 Prozent der bundesweiten Bürokratiebelastung. „Der Abbau von Bürokratie ist ein maßgebliches Ziel unserer KV. Wir haben bereits vor fünf Jahren das Formularlabor Westfalen-Lippe etabliert, in dem alle Akteure der Praxis gemeinsam bei der Erarbeitung neuer Formulare und Richtlinien wichtige Hinweise geben. Ein solcher Praxistest ist unabdingbar“, betont Kriedel. Die durch den Bürokratieindex gewonnenen Erfahrungen würden bei der gemeinsamen Entbürokratisierung helfen und zukünftig auch die verhinderte Bürokratie sichtbar machen.

Der Bürokratieindex soll künftig jährlich aktualisiert und veröffentlicht werden. Damit wollen die Initiatoren die öffentliche Diskussion um die bürokratische Belastung in Arztpraxen regelmäßig mit empirischen Fakten begleiten. Das Ziel ist es, die bürokratische Belastung für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten mit den Partnern der gemeinsamen Selbstverwaltung zu reduzieren.

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