Bürger-Verwaltungs-Kommunikation Bürgerbeteiligung per KiezRadar-App

Autor: Ira Zahorsky

In Berlin gibt es viele Möglichkeiten, sich an der Gestaltung der Stadt zu beteiligen. Da die Angebote an verschiedenen Stellen veröffentlicht werden, müssen sich die Bürger erst umständlich einen Überblick verschaffen. Die App KiezRadar soll Abhilfe schaffen.

Firmen zum Thema

Bislang brauchen Berliner Bürger, die sich an der Gestaltung der Stadt beteiligen wollen, viel Geduld, um alle Portale zu durchstöbern. Das Projekt KiezRadar bietet eine Lösung
Bislang brauchen Berliner Bürger, die sich an der Gestaltung der Stadt beteiligen wollen, viel Geduld, um alle Portale zu durchstöbern. Das Projekt KiezRadar bietet eine Lösung
(© Hurca! - stock.adobe.com)

Ein Prototyp der App KiezRadar entstand im Rahmen eines Forschungsprojekts in Berlin. Sie soll Online-Angebote zur Bürgerbeteiligung zusammenfassen sowie Informationen aus Politik und Verwaltung übersichtlich und bedarfsgerecht darstellen. Die Bürger können die Themengebiete und Ortsbezüge, die sie interessieren, selbst auswählen, und erhalten dazu dann Benachrichtigungen. Gefördert wird das Projekt vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei.

Datenquellen

Die Plattform mein.berlin.de, der Veranstaltungskalender des Quartiersmanagements Auguste-Viktoria-Allee sowie die Ratsinformationssysteme der Berliner Bezirke dienen dabei als Hauptdatenquelle für die App. Aber auch lokale soziale Netze oder Informationsseiten der Wirtschaft können eingebunden werden.

Die Inhalte werden aus den vorhandenen Quellen extrahiert und für die entsprechende Kategorie und den Ortsbezug aufbereitet. Die Erstellung eigener Inhalte war zwar ein großer Wunsch der Beteiligten, konnte aber im Prototyp nicht umgesetzt werden, da dafür der Aufwand zu groß gewesen wäre.

Der Geschäftsbereich Digital Public Services des Fraunhofer FOKUS hat den Prototypen für die App entwickelt. Dabei waren die Nutzer- und Bedienfreundlichkeit, aber auch die Barrierefreiheit wichtige Punkte. Auf der Webseite von KiezRadar wird regelmäßig über den Entwicklungsstand und die Entwicklungsaktivitäten informiert. Dort können die User auch Feedback geben. Denn die App versteht sich selbst auch als Beteiligungsprojekt. Bürger, Wirtschaft und Verwaltung wurden von Anfang an in Form von Workshops mit in die Entwicklung eingebunden. Anhand zahlreicher User Journeys und Anwendungsszenarien wurden nötige technische Details und deren Umsetzbarkeit eruiert.

Im Laufe des Projekts fiel auf, dass die Qualität der Daten sowohl innerhalb eines Systems aber vor allem zwischen den Systemen sehr unterschiedlich ist. Insbesondere die für KiezRadar notwendigen Geoinformationen waren selten vorhanden, da in den Systemen eine Ortsangabe über einen Text ausreicht.

Test- und Pilotphase

Im Rahmen der „Falling Walls – Berlin Science Week“ wurde in Zusammenarbeit mit dem CityLAB Berlin der Prototyp zum Testen angeboten. Die Evaluation war ursprünglich als physisches Event geplant, doch aufgrund der Erhöhung der Covid-19-Infektionszahlen in Berlin musste die Evaluation im November digital durchgeführt werden. In Vorbereitung auf die Nutzertests wurde eine Liste von Hypothesen in Bezug auf Menüführung, Funktionalität, Sprache und Design der KiezRadar-App erstellt, die beim Test gezielt abgefragt wurden. Vor allem zum Design und der Bedienung bekamen die Entwickler hilfreiches Feedback.

Ergebnisse und Ausblick

Alle Beteiligten waren sich einig, dass der Bedarf für eine KiezRadar-App vorhanden ist, da sie zu den einzelnen Angeboten einen Mehrwert bietet. Hier werden verschiedene Informationsquellen zusammengeführt, bedarfsgerecht aufbereitet, die User entsprechend ihrer Wünsche benachrichtigt. Als mobile Anwendung genießt die App außerdem den Vorteil des Standortbezugs.

Bislang fehlt im Backend noch die automatische Abfrage der Datenquellen, was eine Voraussetzung für die Aktualität der App wäre. Hier sind noch eine Überarbeitung und weitere Tests nötig. Auch eine Verbesserung der Datenqualität durch Standardisierung und Hinzufügen weiterer Inhalte ist nötig.

Weiterhin sollte den Entwicklern zufolge das Funktionsspektrum der App unter anderem um einen Rückkanal von den Bürgern zur Verwaltung, die standortbasierte Nachverfolgung von passierten Ereignissen sowie die Durchführung kleinerer Umfragen erweitert werden. Bislang steht der Prototyp auch nur als Android-App zur Verfügung. Web-Apps und eine iPhone-Variante fehlen.

(ID:47458453)

Über den Autor

 Ira Zahorsky

Ira Zahorsky

Redakteurin und Online-CvD, IT-BUSINESS