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ePartizipation Bürgerbeteiligung nicht nur im Netz

| Redakteur: Manfred Klein

Hand aufs Herz, wissen Sie was eine „Charrette“ oder „Deliberative Polling“ ist? Das bei der Bundeszentrale für politische Bildung erschienene Handbuch „Bürgerbeteiligun­g“ will diese Wissenslücke schließen und Verantwortlichen in den Kommunen einen Leitfaden zur Gestaltung eigener Beteiligungsverfahren an die Hand geben.

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Bürgerbeteiligung und ePartizipation erobern die Verwaltung. Aber wie damit umgehen?
Bürgerbeteiligung und ePartizipation erobern die Verwaltung. Aber wie damit umgehen?
(Foto: Robert Kneschke - Fotolia.com)

Verfasst wurde das Handbuch von den Politikwissenschaftlerinnen Prof. Dr. Patrizia Nanz und Miriam Fritzsche von der Universität Bremen. Die Autorinnen formulieren die Ziele ihres Handbuches so: „Um Scheu, Skepsis und eventuelle Berührungsängste zu überwinden, soll bei den Lesern und Leserinnen ein fundiertes und ausgewogenes Wissen über Bürgerbeteiligungsprozesse, gängige Verfahren und Methoden der dialogorientierten Beteiligung sowie deren wesentliche Akteure entwickelt und gefördert werden.“

Um dieses Ziel zu erreichen, untersuchen die Autorinnen nicht nur klassische Präsenzverfahren, sondern auch den Bereich der Online-Beteiligung. Dargestellt werden dabei die typischen Merkmale und Besonderheiten der im Internet verbreiteten partizipativen Verfahren sowie mögliche Kombinationsmöglichkeiten mit Ansätzen der Präsenzbeteiligung.

Dazu die Autorinnen: „Die zunehmende Bedeutung des Internets als Informations- und Kommunikationsplattform macht sich auch bei der methodischen Ausgestaltung vieler Verfahren zur Bürgerbeteiligung bemerkbar. Diverse Partizipationsverfahren nutzen Online-Elemente mittlerweile als zusätzliches Angebot, um die Kluft zwischen Bürgern und politischen Entscheidungsträgern zu verringern.“

Allerdings, so die Autorinnen, brächten die internetgestützten Beteiligungsverfahren auch eine Reihe von Besonderheiten mit sich, die es bei der Umsetzung von partizipativen Online-Verfahren zu beachten gelte. So müssten beispielsweise die Teilnehmer über die entsprechenden technischen Kenntnisse und Kompetenzen sowie einen Internetzugang verfügen.

ePartizipation – 
Chance und Bürde zugleich

Zudem seien die Teilnahmevoraussetzungen nicht gleichmäßig in der Bevölkerung verteilt: Menschen mit niedrigem Bildungsstand und niedrigem Haushaltseinkommen nutzten das Internet seltener als Mittelschichtsangehörige mit hohen Bildungsabschlüssen.

Eine weitere Besonderheit der ePartizipation sei, dass bei ihr visuelle und andere, nichttextbasierende Kommunikationsformen zugunsten des Schriftprinzips in den Hintergrund rücken.

Je nach Beteiligungsanlass, -form und Zielgruppe erweise sich diese spezifische Selektivität der Online-Kommunikation als Chance und Bürde zugleich.

Für die Durchführung und Organisation von Online-Beteiligung existierten zudem keine standardisierten Verfahren wie etwa im Bereich klassischer Präsenzveranstaltungen.

„Internetgestützte Beteiligungsverfahren variieren daher – je nach Anlass, Dauer, Umfang, Zielgruppe, Aufwand, verantwortlichen Organisatoren und der Aufgabenstellung. Zudem zeichnet sich das Feld der ePartizipa­tion mit seinen verschiedenen Angeboten und Akteuren durch eine hohe Dynamik von Innova­tionen und technischen Überarbeitungen aus. Beteiligungsverfahren, die heute den Status quo des technisch Möglichen widerspiegeln, können in einigen Jahren schon veraltet sein“, so die Autorinnen.

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