Warndienst & Twitter

Bürger schneller informieren

| Redakteur: Susanne Ehneß

Twitter-Profil der niedersächsischen Polizei
Twitter-Profil der niedersächsischen Polizei (Bild: Polizei Niedersachsen/Twitter)

Das Land Niedersachsen intensiviert seinen Bürgerdialog. Neben der Einführung eines flächendeckenden Warnsystems wird auch die Kommunikation der Polizei via Twitter ausgeweitet.

Die niedersächsische Polizei baut ihre Twitter-Aktivitäten aus. Seit Dezember 2015 werden ausgewählte Fahndungen über den Twitter-Account „Polizei Niedersachsen Fahndung“ veröffentlicht, nun soll es sämtlichen Polizeidirektionen, dem Landeskriminalamt sowie den nachgeordneten Dienststellen möglich sein, eigene Accounts bei Twitter anzulegen und zu füllen.

„Diese direkte Form digitaler Kommunikation erreicht jeden sofort, das ist gerade für ein Flächenland wie Niedersachsen ein großer Vorteil. Darum haben wir uns dazu entschieden, Twitter ab September durch die Polizei intensiv nutzen zu lassen“, so der niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius.

Hoher Verbreitungsgrad

Die Polizei hofft dadurch auf eine weitere Möglichkeit, schnell und gezielt Informationen an die Bevölkerung weitergeben zu können. „Effektive Echtzeitkommunikation der Polizei mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie anderen bei Twitter aktiven Medien wird damit Realität“, heißt es dazu in einer Mitteilung des Innenministeriums.

Unbestritten ist der hohe und schnelle Verbreitungsgrad abgesetzter Tweets. Die niedersächsische Polizei will sich dies vor allem bei herausragenden Einsätzen oder Veranstaltungen zunutze machen. Aber auch Themen wie Verkehrssicherheitsarbeit, Kriminalprävention sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sollen über Twitter Verbreitung finden.

Personifizierte Accounts

Nach englischem und niederländischem Vorbild sollen laut Innenministerium außerdem auch einzelne Polizeibeamte mit „personifizierten“ Twitter-Accounts den Bürgerdialog pflegen.

Digitales Warnsystem

Zum 1. November 2016 startet Niedersachsen den Probebetrieb eines flächendeckenden, digitalen Warnsystems. „In unterschiedlichen Situationen müssen Bürgerinnen und Bürger schnell und zuverlässig gewarnt werden, um sich entsprechend schützen zu können – zum Beispiel bei einer Extremwetterlage oder auch bei einem möglichen Terroranschlag“, erläutert Pistorius.

Das System eröffne allen Katastrophenschutzbehörden den Zugang zu dem vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe entwickelten Modularen Warnsystem (MoWaS). Ein Bestandteil dieses Systems ist die Warn-App „NINA“, die durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe kostenlos bereitgestellt wird. „Fast jeder Niedersachse hat heutzutage ein Smartphone oder ein Tablet. Wenn sie die App herunterladen, erreichen wir mit konkreten Warnmeldungen oder Verhaltenshinweisen sehr viele Menschen“, so Pistorius.

Neu sei, dass mit dem satellitengestützten MoWaS jede kommunale Leitstelle über eine Warnzentrale verschiedene Medien ansteuern und Durchsagen an Rundfunkanstalten und Fernsehen auch bei Ausfall der Telekommunikation für ihren eigenen Bereich veranlassen könne. Es sei vorgesehen, in einem nächsten Ausbauschritt die Feuerwehreinsatzleitstellen des Landes Niedersachsen mit einer Softwarelösung auszustatten, damit dort Warnmeldungen selbst vorbereitet und an die Warnzentrale versandt werden können.

Nach Angaben des Ministeriums geben einige niedersächsische Katastrophenschutzbehörden über „NINA“ hinaus bereits heute Warnmeldungen über Apps anderer Anbieter heraus. Diese sollen durch die Katastrophenschutzbehörden weiterhin bedient werden und lassen sich parallel zu „NINA“ auf dem Smartphone betreiben.

Hintergrund

Wie das Innenministerium bekannt gab, hätten Ereignisse wie zum Beispiel Flutkatastrophen oder die Absage eines Fußball-Länderspiels nach einer Terrorwarnung gezeigt, dass Handlungsbedarf bestehe, um losgelöst von der Art der Gefahr die betroffene Bevölkerung in geeigneter Weise warnen zu können. Der Bund habe sich von einem einst flächendeckenden Warnsystem mit Weckeffekt (Sirenen und Warnämter) zurückgezogen – ein Teil der Sirenen sei von den Gemeinden übernommen, ein anderer Teil ersatzlos abgebaut worden. Die niedersächsischen Katastrophenschutzbehörden hätten daraufhin zwischenzeitlich Warnungen, beispielsweise über Rundfunkdurchsagen, Lautsprecherdurchsagen, Sirenen oder Social Media, veranlasst. „Mit dem neuen System können die Reaktionszeit verringert und die Verbreitung deutlich erhöht werden“, verdeutlicht Pistorius.

Der Öffentlichkeit ausgeliefert?

Polizei und Social Media

Der Öffentlichkeit ausgeliefert?

21.07.14 - Ein Facebook-Auftritt schafft Aufmerksamkeit, kann aber auch provozieren. Dies gilt in besonderem Maße für öffentliche Einrichtungen wie die Polizei. Zwar können Bürger bei der Ermittlungsarbeit unterstützen und Azubis gewonnen werden, doch bieten Social-Media-Seiten auch eine Plattform für Kritik und Häme. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44253554 / Kommunikation)