Datenkonvertierung für eGovernment

Brücken statt babylonischer Verwaltungstürme

26.05.2009 | Autor / Redakteur: Edmund Hilt / Gerald Viola

Datensicherheit und Datenmanagement sind zentrale Anforderungen für eine Verwaltung. Administratoren in Behörden und Archiven stehen vor immer neuen Herausforderungen. Zum einen wächst der Datenberg: IDC prognostiziert ein Ansteigen des weltweiten Informationsvolumens von unter 200 Exabyte (entspricht 200 Millionen Terabyte) im Jahr 2006 auf rund 1.700 Exabyte im Jahr 2011.

Speicherlandschaften machen eine bewegte Geschichte mit: Irgendwann wird es schwierig werden, die Siemens-Großrechner zu warten, die das Ministerium für Staatssicherheit Anfang der 70er Jahre anschaffte. Anbieter von Speichersystemen verschwinden vom Markt. Speicherlösungen werden ausgewechselt. Je häufiger so eine Umstrukturierung stattfindet, umso schneller kann es zu bösen Überraschungen kommen.

Datenkonvertierung spielt daher eine immer entscheidendere Rolle in der Datensicherheit. In der Verwaltung ist der zu bewahrende Datenberg besonders hoch und vielschichtig. Gerade hier tummeln sich die verschiedensten Formate im Vergleich zum relativ homogenen und Microsoft-dominierten Geschäftsfeld. Man denke nur an heterogene Datenansammlungen in der Flächenplanung mit einer Fülle verschiedener Anwendungen.

Dazu kommt der viel größere Zeithorizont der Datenarchivierung. Problematisch wird dies, weil gerade im Kontakt mit dem Bürger Daten mittel- und langfristig verfügbar sein müssen. Daten zum Personenstandswesen begleiten den Bürger schließlich sein ganzes Leben lang – und die Erben darüber hinaus. Für verschiedene Daten gelten aber auch unterschiedliche Aufbewahrungsfristen bei Behörden.

Wenn die Behörden die Daten nicht mehr selber vorhalten müssen, ist die Übergabe an die Archive zu regeln. Da wird aus Informationen Kulturgut, das für die Nachwelt aufzubewahren ist. Eine zusätzliche Herausforderung schaffen hier die im Sinne der Rechtssicherheit zwischen Staat und Bürger enormen Anforderungen an die Authentizität und Integrität der Daten.

Verschiedene gesetzliche Bestimmungen legen die Kriterien für die Datenvorhaltung fest. Das Rechtsstaatsprinzip aus Artikel 20 des Grundgesetzes ist die „prima causa movens“ der Compliance im eGovernment. Ergänzend treten zahlreiche weitere Gesetze wie § 29 des Verwaltungsverfahrensgesetzes mit der Verpflichtung zur Aktenmäßigkeit der Verwaltung. Schwerpunkte sind hier Transparenz und Nachprüfbarkeit.

Dazu kommen noch ein Fülle von Archivgesetzen oder auch das Signaturgesetz zur Regelung der Integrität der Daten. Das Justizkommunikationsgesetz regelt die technischen Standards zur Übermittlung von Informationen im Rechtsverkehr. Die Verpflichtung zur Datenvorhaltung ergibt sich auch aus dem Informationsfreiheitsgesetz, das prinzipiell den berechtigten Personen Akteneinsicht gewährt.

So mancher Hersteller von eMail-Sicherheitslösungen winkt auch gerne mit § 133 des Strafgesetzbuches, wonach derjenige, der „Schriftstücke oder andere bewegliche Sachen, die sich in dienstlicher Verwahrung befinden oder ihm oder einem anderen dienstlich in Verwahrung gegeben worden sind, zerstört, beschädigt, unbrauchbar macht oder der dienstlichen Verfügung entzieht“ mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft wird. Was je nach Auffassung auch auf das Löschen von eMails angewendet werden kann. Im Zweifelsfall sollten auch Behörden bei ihrer Rechtsabteilung solche Fragen klären.

In die gegensätzliche Richtung wirken die Bestimmungen des Datenschutzes, wonach bestimmte Daten gelöscht werden müssen, wenn der Grund ihrer Erhebung nicht mehr besteht. Daneben gibt es noch eine Fülle von immer wichtigeren internationalen Dokumentenstandards. Wie zum Beispiel DIN ISO 15 489 zur Schriftgutverwaltung oder auch de facto-Standards wie das IT-Grundschutzhandbuch des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik oder die Bundesinitiative SAGA (Standards und Architekturen für eGovernment-Anwendungen).

Nächste Seite;: Kovertierung ist eine Frage der Technik

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 2021554 / System & Services)