Digitale Souveränität

Bremen übernimmt Governikus

| Autor: Manfred Klein

Bremen übernimmt Governikus-Anteile und wird damit im eGovernment noch wichtiger
Bremen übernimmt Governikus-Anteile und wird damit im eGovernment noch wichtiger (© MK27061969 – adobe.stock.com)

Für 6,8 Millionen Euro wird der Bremer Senat 44,9 Prozent der Anteile an der Bremer Beteiligungsgesellschaft Governikus GmbH & Co. KG kaufen. Damit wird die Stadt Bremen, die bereits 55,1 Prozent der Anteile besitzt, dann Eigentümerin der Gesellschaft. .

Hintergrund der Transaktion: Die bisherigen Teilhaber Telekom Deutschland (15 Prozent), die Sparkasse Bremen (15 Prozent) und die BREKOM (14,9 Prozent) wollen ihre Anteile verkaufen. Dem Kauf hat mittlerweile auch der Haushalts- und Finanzausschuss der Bremischen Bürgerschaft zugestimmt.

Governikus entwickelt Software im Bereich IT-Sicherheit, die vom Bund und allen Bundesländern genutzt wird. Zu den Kunden zählt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen im IT-Bereich ist ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer wichtig. Bei Auftragsvergabe ein Plus, wenn Unternehmen komplett im öffentlichen Besitz sind.

Finanzsenatorin Karoline Linnert zur Übernahme: „Sichere Lösungen bei IT-Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung gewinnen in Zeiten von eGovernment und weltweitem Datenklau und -missbrauch eine immer größere Bedeutung. Der Staat besitzt und verarbeitet hochsensible Daten seiner Bürgerinnen und Bürger. Diese Daten müssen besonders geschützt werden“.

Die Öffentliche Verwaltung trage daher besondere Verantwortung für die Vertraulichkeit und Sicherheit der Daten – insbesondere wenn es um personenbezogene Daten gehe. „Jetzt, da der Haushalts- und Finanzausschuss zugestimmt hat, geht Governikus komplett in die öffentliche Hand über. Ein Beitrag zur digitalen Souveränität“, so Linnert weiter.

Auch Staatsrat Henning Lühr unterstrich gegenüber eGovernment Computing diesen Aspekt. Bei der Gründung des Unternehmens, das damals noch als Bremen Online Services GmbH firmierte, sei man davon ausgegangen, dass die Sparkassen in Bremen und die Telekom eine Chipkarte entwickeln würden. Dieses Vorhaben sei inzwischen eingestellt worden. Zudem hätten die beteiligten Unternehmen ihre Anteile auf dem freien Markt veräußern wollen. „Da Governikus inzwischen Hochsicherheitstechnologie verkauft, wäre dies eine Gefährdung des Markenkerns gewesen. Deshalb und zur Sicherung der digitalen Souveränität hat Bremen die Anteile gekauft“, so der CIO der Hansestadt und im neuen Jahr Vorsitzender des IT-Planungsrates, Henning Lühr.

Aus Bremen heißt es dazu weiter: „Die Gesellschaft Governikus erwirtschaftet ihren Jahresumsatz von circa zwölf Millionen Euro fast ausschließlich im öffentlichen Sektor. Der IT-Planungsrat ist ein wichtiger Auftraggeber. Das Unternehmen erzielt mehr als 50 Prozent seines Umsatzes aus der Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber IT-Planungsrat. Die Frage, wer welchen Einfluss auf Firmen hat, die von der öffentlichen Hand im Bereich eGovernment beauftragt werden, gewinnt an Bedeutung. Bremen genießt einen guten Ruf in Fragen der IT-Kompetenz. Die Nachfrage nach sicheren IT-Lösungen im Bereich digitale Verwaltung wächst ständig.

Governikus hat aktuell 152 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ein Großteil hochqualifizierte IT-Fachleute. Mit dem Kauf der Anteile werden diese Arbeitsplätze gesichert und die Weichen für einen weiteren Ausbau gestellt.

Auch in der Geschäftsführung von Governikus ist man mit der Entwicklung zufrieden. „Mit Governikus, Governikus MultiMessenger (GMM) und DVDV (Pflege des bisherigen und Neuimplementierung von DVDV 2.0) verantworten wir in der Zwischenzeit drei Anwendungen des IT-Planungsrates. Vor allem vor diesem Hintergrund ist der Senatsbeschluss ein konsequenter und richtiger Schritt“, so Dr. Stephan Klein, Geschäftsführer der Governikus GmbH & Co. KG.

„Für uns als Unternehmen ändert sich dadurch nichts. Mit nunmehr zwei (Stadtgemeinde Bremen und neu, das Land Bremen) Kommanditisten, anstatt wie bisher vier, bleibt auch unsere Rechtsform unverändert“, so Klein weiter.

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Dem schließe ich mich an. Wie sollen Privatunternehmen in der Lage sein Aufträge im öffentlichen...  lesen
posted am 29.08.2018 um 12:04 von Unregistriert

Rechtlich bedenklich. Ausschreibungen werden wohl jetzt im stillen Zimmer verabschiedet. Wo soll...  lesen
posted am 27.08.2018 um 15:57 von Unregistriert


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