Im Internet nichts Neues Brauchen wir eine „Cyber-NATO“?

Von Eva Hornauer

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine tobt seit mittlerweile zwei Monaten – und das nicht nur auf ukrainischem Boden. Der digitale Raum – namentlich das Internet – wird zunehmend als Austragungsort des Konfliktes genutzt. Die eigene Sicherheit im digitalen Raum wird deshalb auch von vielen Deutschen angezweifelt.

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„Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dürfte der erste wirklich hybride Krieg im 21. Jahrhundert sein“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg
„Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dürfte der erste wirklich hybride Krieg im 21. Jahrhundert sein“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg
(© Jess rodriguez – stock.adobe.com)

In den vergangenen Wochen wurde der „Westen“, und vor allem Europa, immer wieder emotional erschüttert. Krieg auf europäischem Boden hielten die meisten von uns für eine Dystopie – die schrecklichen Bilder aus Butscha, die Schneisen der Verwüstungen in den von der ukrainischen Armee zurückeroberten Gebieten erscheinen zu grausam, um wahr zu sein. Doch dieser Krieg ist die neue Realität. Die Ereignisse in der Ukraine sorgen dafür, dass auch wir im sicheren Westen immer wieder den Atem anhalten – zum Beispiel, als die russische Armee im Februar die Kontrolle über die Atomruine von Tschernobyl übernahm. Im Zuge dessen wurde immer wieder von Stromausfällen in Tschernobyl berichtet – die Angst vor einer atomaren Katastrophe beschäftigt Westeuropa mehrere Tage.

Zwar wird der russische Angriffskrieg auf die Ukraine in der Politikwissenschaft wohl eher dem Typus eines „klassischen“ Krieges zwischen zwei Staaten zugerechnet, dennoch zeichnet er sich schon jetzt durch eine entscheidende Komponente aus: die Kriegsführung im digitalen Raum. „Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dürfte der erste wirklich hybride Krieg im 21. Jahrhundert sein“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg bereits Anfang April.

Hackerattacken aus Russland, oder die Aktionen von Hackergruppen wie Anonymous, die sich gegen das Regime Putin, richten verunsichern auch die Menschen hierzulande. Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergab, dass 56 Prozent der Befragten die Aktivitäten der Hacker, die für die ukrainische Seite und gegen Russland ins digitale Feld ziehen, befürworten. 38 Prozent der Befragten sind sogar der Meinung, dass ohne den Eingriff von Hackern der Krieg für die Ukraine nicht zu gewinnen sei. Gleichzeitig gaben 61 Prozent der Befragten an, dass sie eine unkontrollierbare Eskalation des Krieges durch die Aktivitäten dieser Hacker befürchten. Welche Ziele diese Hackergruppen verfolgen, ist den meisten Befragten unklar, deshalb vertrauen 52 Prozent der durch den Bitkom befragten Deutschen Hackergruppen nicht.

Alles in allem also ein in sich verworrenes Meinungsbild, das sich zum Teil auch selbst widerspricht. Diese Zahlen zeigen deshalb wohl eines am deutlichsten: Der digitale Raum als Kriegsschauplatz ist den Deutschen nicht geheuer. Und: Was, wie und wo im Internet im Zusammenhang mit Putins Krieg passiert, ist für einen Großteil der Bevölkerung völlig unübersichtlich.

An die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr bei einem massiven Cyberangriff glauben – laut einer anderen Umfrage des Digitalverbands Anfang des Monats –gerade einmal zehn Prozent der Befragten. Deshalb scheint es auch nicht überraschend, dass 79 Prozent der befragten Deutschen von der Europäischen Union den Aufbau einer gemeinsamen Cyber-Armee fordern. Der Bitkom-Präsident Berg geht in seinen Forderungen zur Cybersicherheit noch eine Instanz höher: „Cybersicherheit muss für den Nato-Raum und seine Partner gesamtheitlich gedacht werden. Wir brauchen eine Cyber-NATO.“

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