Cyberkriminalität und Anonymität – ein Gegensatz?

Blick ins Deep Web

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Doch natürlich ziehen sich auch die Gangster in immer größere Tiefen des Internets zurück. Dies lässt sich zum Beispiel an der Rangliste der im „Deep Web“ am meisten gehandelten Güter ablesen: An erster Stelle steht hier Cannabis, gefolgt von nicht frei zugänglichen Arzneimitteln. Erst dann folgen harte Drogen, Videospiele und Zugangsdaten zu Bankkonten oder Kreditkarteninformationen.

Dass immer mehr Aktivitäten des kriminellen Untergrunds in das tiefe oder dunkle Web abwandern, hat nicht zuletzt mit dem erhöhten Fahndungsdruck der Polizeibehörden zu tun. Bankentrojaner wie VAWTRAK oder Ransomware wie TorrentLocker nutzen daher TOR-Techniken, damit die kriminellen Hintermänner möglichst unentdeckt bleiben. Zusammen mit starken Verschlüsselungstechniken werden es die Strafverfolgungsbehörden und IT-Sicherheitsanbieter in Zukunft daher schwer haben, die Übeltäter zu fassen.

Aus dem Dunkel ans Licht

Das tiefe Web und das dunkle sind nicht vom sichtbaren Internet oder gar von der realen Welt abgetrennt. Eines der erschreckendsten Untersuchungsergebnisse der Trend Micro-Studie ist der Anteil der auf „Deep Web“-Seiten gefundenen Webadressen, die mit sexuellem Kindesmissbrauch in Verbindung stehen. Diese machen nicht weniger als ein Viertel aller gefundenen Webadressen aus.

Während demgegenüber Angebote für gefälschte Identitäten – ein deutscher Personalausweis, Reisepass und Führerschein sind im Paket schon für 700 Euro zu haben – harmlos wirken, läuft es einem in anderen Fällen kalt den Rücken herunter: Wer eine hoch gestellte Persönlichkeit aus Politik und Wirtschaft ermorden lassen will, kann einen Mörder schon ab 180.000 US-Dollar mieten. Wenn der Mord nach einem Unfall aussehen soll, steigt der Preis zwar auf 300.000 US-Dollar, das dürfte die Auftraggeber jedoch in keiner Weise abschrecken.

Und andere Gewalttaten wie Bombenanschläge, Prügelattacken oder Vergewaltigungen sind noch viel günstiger zu haben.

„Die kriminellen Aktivitäten des tiefen und dunklen Web finden irgendwann ihren Weg ans Licht, in das sichtbare Internet oder die reale Welt“, sagt Martin Rösler, Leiter des Bedrohungsforscher-Teams bei Trend Micro.

„Als IT-Sicherheitsanbieter, der auch aktiv mit den Strafverfolgungsbehörden in aller Welt zusammenarbeitet, müssen wir die tiefen und dunklen Regionen des Internets noch stärker als bisher beobachten. Das hat unsere zweijährige Forschungsarbeit in diesem Bereich gezeigt. Nur so können wir unsere Kunden auch in Zukunft effektiv vor Cyberkriminalität und -spionage schützen.“

Hacker-Angriffe auf Behörden und Ministerien
Bildergalerie mit 141 Bildern

(ID:43534965)