Lebensdokumentation

Biografisches IT-Gedächtnis für Menschen mit Demenz

| Autor: Susanne Ehneß

Wichtige Ereignisse mit Demenzkranken teilen – zum Beispiel die Geburt des Enkelkindes
Wichtige Ereignisse mit Demenzkranken teilen – zum Beispiel die Geburt des Enkelkindes (Bild: © Connected Living)

Die Zahl der Menschen mit Demenz steigt stetig an. Ein IT-Projekt will Patienten, Angehörigen und Pflegenden unter die Arme greifen.

Im fortgeschrittenen Stadium einer Demenz-Erkrankung können die Betroffenen häufig keine Auskunft mehr zu ihrer Biografie, ihrem Tagesablauf, ihren Vorlieben und Routinen geben. Dabei könnten genau durch diese Informationen Aktivierungsmöglichkeiten in den Pflege- und Betreuungsalltag einbezogen werden, die bei den Betroffenen zu mehr Freude und Wohlbefinden und damit einer besseren Lebensqualität führen – heißt es auf der Internetseite des Projekts „PERLEN“.

Die Projektlaufzeit endet im Juni 2018, bis dahin soll das interdisziplinäre Konsortium ein ganzheitliches IT-System zur identitätsbezogenen Alltagserfassung und persönlichen Lebensdokumentation von Menschen mit Demenz bzw. Demenz und Diabetes entwickeln. „Das System kann biografische Informationen, Vorlieben und Routinen erfassen und den Angehörigen und Pflegenden bereitstellen, dadurch die aktivierende Pflege unterstützen, den Dokumentationsaufwand verringern und die Qualität der Pflege durch einen besseren Informationsfluss zwischen den Pflegebedürftigen, Angehörigen und Pflegefachkräften steigern“, heißt es dazu von Konsortialpartner Connected Living. Zudem soll die Weiterreichung der persönlichen Informationen zwischen den verschiedenen Versorgungsbereichen, ambulant und stationär, durch das PERLEN-System gefördert werden, um alle Beteiligten zu entlasten.

Die entwickelten Module und Prototypen wurden im November 2016 einem Expertenkreis, bestehend aus Ärzten aus Allgemeinmedizin, Endokrinologie, Geriatrie, Neurologie und Psychologie, vorgestellt.

Mit diesem entwickelten Prototypen soll außerdem die Therapietreue bei Diabetes mellitus Typ 2 in einem demenzgerechten Diabetes-Tagebuch in PERLEN digital protokolliert, optimiert und der Übergangspunkt zwischen Eigen- und Fremdmedikation besser identifiziert werden können. Laut Connected Living können Angehörige und Pflegekräfte durch konfigurierbare Benachrichtigungen bei vergessener Insulingabe rechtzeitig eingreifen oder die erfassten Werte zur Anpassung der Insulintherapie dem zuständigen Arzt zeitnah übermitteln.

Auch für Pflegende von Demenzkranken soll das System hinsichtlich der Biografiearbeit hilfreich sein. Gemeinsam kann eine multimediale biografische Sammlung aus Fotos, Videos, Texten oder Audio-Files erstellt werden. Zum einen würden dadurch wertvolle biografische Daten für den weiteren Verlauf der Pflege konserviert, zum anderen werde es dadurch ermöglicht, wichtige Ereignisse mit nur einem Klick mit Angehörigen zu teilen.

Die mit „PERLEN“ erhobenen Daten sollen Einrichtungen der ambulanten und stationären Altenpflege helfen, den Aufnahmeprozess des Betroffenen durch den Import in deren bestehende Softwaresysteme zu beschleunigen, zudem kann auf Basis dessen sofort nach der Aufnahme mit einer individuellen, biografieorientierten Pflege begonnen werden.

In einem nächsten Schritt ist die Entwicklung weiterer Demonstratoren geplant, die mit potenziellen Nutzern in der Praxis getestet und für eine Verwertung optimiert werden.

Ergänzendes zum Thema
 
Projekt „PERLEN“
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