Auch digitale Bildung ist für alle

Bildung im Jahr 2025

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Beim Digital Mainstreaming gehe es hingegen um die Nutzung und Integration digitaler Medien bei der Wissensvermittlung, um mithilfe digitaler Lehr- und Lernmittel, zum Beispiel mathematische, geschichtliche, naturwissenschaftliche oder anderweitige Kenntnisse auf neue Weise zu vermitteln. Digitale Medien würden so zu einem integralen und selbstverständlichen Bestandteil des Lernens – analog zu ihrer Rolle im alltäglichen Leben. Dadurch ergäben sich große Chancen in Bezug auf individuelle Förderung und Wissensvermittlung. Auch auf diese Weise könnten die Lernenden Kompetenzen und Selbstbewusstsein im Umgang mit digitalen Medien erlangen, wenn auch nicht in derselben expliziten Weise wie bei der Medienbildung. Digital Mainstrea­ming führt nach Meinung der Verfasser zugleich dazu, dass die Risiken der Nutzung digitaler Medien auf andere Unterrichtsfächer ausgeweitet werden. Zu diesen Risiken gehört die Abhängigkeit von der technischen Verfügbarkeit ebenso wie der Missbrauch der technischen Möglichkeiten zu unterrichtsfremden Zwecken.

Dazu, wie die beiden Elemente zusammenspielen, heißt es in der Studie: „Medienbildung und Digital Mainstreaming sind komplementär. Während bei der Medienbildung die reflexive Auseinandersetzung mit den neuen Technologien und ihren Möglichkeiten und Risiken im Vordergrund steht, werden durch das Digital Mainstreaming die Nutzung digitaler Mittel zur Lösung von Problemen aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen erlernt und eingeübt.“

Nach Meinung der Autoren sollten Medienbildung und Digital Mainstreaming daher in der Bildungsstrategie gleichermaßen Berücksichtigung finden. So könnten die positiven Potenziale der Digitalisierung für den Bildungssektor voll ausgeschöpft und gleichzeitig die Risiken adressiert und verringert werden.

Grundlegende Thesen zur digitalen Bildung

Ihre Ideen zur digitalen Bildung fassen die Autoren in fünf Thesen zusammen. Diese sind im einzelnen:

  • Bildung betrifft jeden – aber jeden anders: Egal ob Kindergarten, Schule, Universität oder Weiterbildung – jede und jeder hat persönliche Erfahrung mit dem Bildungssystem. Diese vielen, oft sehr heterogenen Erfahrungen und Meinungen treffen in der Debatte über die Zukunft der Bildung aufeinander. Eine neutrale, objektive und sachliche Betrachtung fällt auch angesichts der Bedeutung des Bildungsweges schwer. Die Heterogenität der Erfahrungen unterstreicht, dass es verschiedene Lerntypen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen gibt, denen das Bildungssystem gerecht werden muss, um höchstmögliche Chancengleichheit zu gewährleisten.
  • Überambitionierter Reformeifer schadet dem Bildungswesen. Das Bildungssystem steckt in einem Zwiespalt: Einerseits ist es notwendig, die erforderlichen Anpassungen vorzunehmen, um die Lernenden auf zukünftige Herausforderungen und Aufgaben ausreichend vorzubereiten, andererseits lässt sich beobachten, dass Reformen nicht immer einheitlich erfolgen und teilweise bereits zurückgenommen werden, bevor sie überhaupt Wirkung entfalten können. Eine Überreformierung des Bildungssektors durch den Versuch, mit sich schnell ändernden Rahmenbedingungen Schritt zu halten, ist jedoch ein Irrweg.
  • In der Bildung ist Digitalisierung kein Rationalisierungsinstrument. Die Digitalisierung setzt das Bildungssystem einem erheblichen Veränderungsdruck aus. Zugleich bietet die Digitalisierung der Bildung beträchtliche Potenziale sowohl zur Beschleunigung von Anpassungsprozessen, etwa durch die schnelle Distribution neuer Lehrmaterialien, als auch zur Effizienzsteigerung durch die Unterstützung von Lehrenden und Lernenden. Daraus ergeben sich aber auch langfristig keinerlei Möglichkeiten für Einsparungen und Rationalisierung. Vielmehr bedarf die Digitalisierung der Bildung einer leistungsfähigen Infrastruktur sowie kompetenter und engagierter Lehrkräfte. Mögliche Einsparungen an einigen Stellen schaffen dabei Freiräume, die mit der Digitalisierung verbundenen Bildungsaufgaben besser bewältigen zu können.
  • Lehrende sind der Schlüssel zur erfolgreichen Digitalisierung des Bildungssystems. Bildung umfasst weit mehr als das Auswendiglernen von Vokabeln und Fakten. Zu den immer vielfältigeren Anforderungen zählen auch soziale Kompetenzen, Fähigkeiten zur Anwendung und Transformation sowie die Förderung von kritischem Denken und Kreativität. Zur Unterstützung braucht es Lehrende, die den Lernprozess begleiten und einen angemessenen Rahmen setzen. Für digitale Bildung gilt dies in gleichem Maße. Bei pädagogischer Begleitung und zielgerichtetem Einsatz kann digitale Bildungsvermittlung einen wesentlichen Beitrag zum selbstbestimmten, interaktiven Lernen bei effizienter Mittelverwendung leisten – und damit die Lernenden auch zum Selbstlernen befähigen. Deshalb ist es wichtig, Kompetenzen, Mittel und Freiräume zu schaffen, damit Lehrende die Möglichkeiten der digitalen Bildung nutzen und dann von den daraus resultierenden Vorzügen profitieren können.
  • Digitale Bildung ist kein Allheilmittel. Globalisierung, demografischer Wandel, Migration, soziale Ungleichheit, Belastung der Lehrenden – das Bildungssystem ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Die Digitalisierung kann hier in vielen Bereichen einen wichtigen Beitrag zu Lösungsansätzen leisten, wie am Beispiel der Integration aufgezeigt wird. Gleichzeitig wirft digitale Bildung ihre ganz eigenen Fragen und Probleme auf, die konsequent und konstruktiv adressiert werden müssen. Digitale Souveränität des Einzelnen und gleichberechtigter Zugang zu Informationen und Technologien sind hier beispielhaft zu nennen.

Die Ausgangssituation ist denkbar schlecht

Die Autoren verhehlen aber auch nicht, dass die Situation in Deutschland – wie in vielen Bereichen der Digitalisierung – nicht zum Besten steht. So heißt es dazu: „Im ­internationalen Vergleich liegt Deutschland bei der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik an Schulen weit hinten: Durchschnittlich kommt ein Computer auf vier Schüler. Dies bleibt nicht ohne Folgen: Im Hinblick auf die Computer- und Internetkompetenzen der 16- bis 19-Jährigen gehört Deutschland im europäischen Vergleich jeweils zu den Schlusslichtern.“

Insgesamt bietet die Studie – wozu auch die Praxisbeispiele zählen – für alle, denen die Thematik am Herzen liegt, einen lesenwerten Einstieg in die komplexe Materie.

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