Nutzung von Datenmanagement in der Medizin

Big Data Healthcare und der Einfluss auf Geschäftsmodelle

| Autor / Redakteur: Dr. med. Tobias D. Gantner, MBA, LL. M. / Manfred Klein

Ärzte müssen Data-Driven Healthcare als Investoren die Vorreiterrolle einnehmen
Ärzte müssen Data-Driven Healthcare als Investoren die Vorreiterrolle einnehmen (Bild: Atheneum - Fotolia.com)

Täglich erscheinen weltweit 28.000 wissenschaftliche Publikationen. Erstmals in der Menschheitsgeschichte stehen für eine Analyse dieser Erkenntnisse und die Aufbereitung privater Daten geeignete Rechnerkapazitäten zur Verfügung. Somit ist Data Driven Healthcare technische Innovation und moralische Verpflichtung gegenüber Patienten gleichermaßen.

Der Begriff „Big Data“ bezeichnet Datenmengen, die so groß sind, dass man sie mit normaler Hardware beziehungsweise den herkömmlichen Methoden der Datenverarbeitung nicht mehr bewältigen kann. Daten entstehen mit jedem Klick, mit jedem Online-Einkauf, jedem Fitnessstudiobesuch, jeder Bewegung in sozialen Netzwerken und jeder Benutzung von Sensoren, die Funktionen unseres Körpers messen. Die gleiche Datenmenge, die die Menschheit seit ihrer Entstehung bis zum Jahr 2011 geschaffen hat, entstand im Jahr 2014 innerhalb von nur zehn Minuten.

Unternehmen werden auf diese neuen Gegebenheiten reagieren müssen, denn nur durch eine Veränderung der eigenen Strategie, einem Umdenken, kann es auch gelingen, das Geschäftsmodell den aktuellen und kommenden Herausforderungen der Big Data Analytics anzupassen. Daten, so heißt es, seien das neue Rohöl.

Demnach wird es die nun mögliche Analyse großer Datenmengen sein, die uns in den nächsten zehn Jahren zu neuen Erkenntnissen in der Medizin verhelfen und dadurch den Fortschritt und Innovation treiben wird: Daten sind für unsere Zeit so wichtig, wie für die Industrialisierung das Öl. Um zum Ziel zu führen, müssen beide aufbereitet werden. Das hat einen direkten Einfluss auf die Geschäftsmodelle im Healthcare, aber auch in anderen Bereichen.

Auswirkungen von Big-Data-Technologien auf Geschäftsmodelle

In den USA werden vermutlich bereits in diesem Jahr 1,9 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen, die sich mit Big-Data-Projekten beschäftigen. Das „Internet of Things“ bringt eine stark steigende Anzahl an Geräten mit sich, die mit dem Internet verbunden sind.

Diese Geräte sind bereits heute vollgestopft mit Sensoren, die andauernd Daten sammeln. Das birgt die Möglichkeit, Daten auch im privaten Bereich in großem Stil, jenseits von Forschungslaboren zu speichern (Cloud) und auszuwerten (Apps).

Der zukünftige Patient wird zeitlich sehr viel früher als heute als Kunde angesprochen und wird vom Behandelten zum Handelnden. Hierdurch entstehen große neue Marktfelder im zweiten Gesundheitsmarkt für etablierte Unternehmen, wie auch für Start-ups im Healthcare- und im Selfcare-Bereich (zum Beispiel in der Kosmetik, im Personal Training und beim Functional Food.

Das neue Stichwort heißt hier: „Quantified Self“. Das Vertrauen in eine Vollleistungsmedizin ist in Zeiten von impliziter Rationierung geschwunden. Die Selbstfürsorge ist an ihre Stelle getreten und mit ihr auch eine neue Spielart der Prävention, nämlich die Vermessung des Selbst.

So ist zum Beispiel zu erwarten, dass in den Jahren 2015 und 2016 erste Verträge zur Besonderen Versorgung (§140 b SGB V) zwischen Kassen und entsprechenden Dienstleistern abgeschlossen werden. Auch die Prävention wird sich wandeln: So war das Risiko, eine Krankheit zu bekommen bislang immer eine Momentaufnahme bestimmter Bedingungen. Big Data kann dem die vierte Dimension der Zeit hinzufügen. Und die Nutzungsmuster von Smartphones können bei Wissensarbeitern als prädiktive Hinweise auf einen drohenden Burn-out interpretiert werden.

Strategien im „Data-Driven Healthcare“

Daten haben Einfluss auf Logistik, Lagerhaltung und Personalplanung von großen wie kleinen Unternehmen im Gesundheitsbereich. Rückt der Kunde ins Zentrum der personalisierten, patientenzentrierten Medizin kann so auf der einen Seite Fortschritt durch Datensammlung erreicht werden. Auf der anderen Seite sind klare Datenschutz- und Ethikrichtlinien für diese neue Art der Präventionsmedizin notwendig, die die Sicherheit, Gleichbehandlung und Privatsphäre des Patienten sicherstellen.

Hier müssen vielmehr Ärzte als Investoren die Vorreiterrolle einnehmen und damit ihre an Internetratgeber und Diagnose-Apps verlorengeglaubte Souveränität zurückgewinnen. Realistisch ist, dass die Erkenntnis über Erkrankungen nicht mehr nur aus Forschungslabors kommt, sondern auch aus Rechenzentren. Das ruft die Zusammenarbeit der Spezialisten unterschiedlicher Gebiete auf den Plan: Die Verwaltung der Daten mithilfe der IT und die Interpretation auf Grundlage der Medizin.

So richtet Data-driven Healthcare das Geschäftsmodell am Kunden aus, und dieser profitiert als Patient von den Vorteilen in Behandlungsmethoden, Diagnostik und Medikation.

Dieser Text ist ursprünglich bei Atheneum erschienen, dem weltweit agierenden Anbieter expertenbasierter Marktforschung.

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