Mehr IT-Aufträge der Behörden trotz immer schwierigerer Vergabeprozesse

Beschaffungsveranwortliche haben Sorgenfalten auf der Stirn

12.09.2008 | Autor / Redakteur: Bernhard Dühr / Manfred Klein

Der Umfang der IT-Beschaffung der Behörden hat deutlich zugenommen, parallel dazu sind diese Prozesse aufgrund der Vorgaben des Gesetzgebers noch schwieriger geworden. So sehen die Vergabespezialisten nach einer Erhebung des Beratungshauses Infora große Fallstricke bei Aufträgen für Dienstleistungen. Die Anwendung des neuen EVB-IT-Systemvertrages erschwert offensichtlich die Situation für die Auftraggeber.

Die Öffentlichen Verwaltungen haben 2007 im Vergleich zum vorangegangenen Jahr mehrheitlich die IT-Ausgaben deutlich gesteigert. Nach einer Befragung von 78 Beschaffungsstellen in Bundes- und Landesbehörden durch das Beratungshaus Infora nahm das Volumen der Auftragsvergabe an IT-Unternehmen in neun von zehn Fällen zu. 62 Prozent der Verwaltungen verzeichneten gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg zwischen sechs und zehn Prozent, bei weiteren 14 Prozent lag er sogar darüber. Eine nur marginale Steigerung der Beschaffungsaufträge bis zu 5 Prozent wurde dagegen in nur jeder achten befragten Behörde registriert.

Im Vordergrund der Beschaffungsmaßnahmen standen 2007 Server-Systeme. Sie wurden von zwei Dritteln der befragten Verwaltungen in Auftrag gegeben. Deutlich seltener, aber immerhin von 54 Prozent der befragten Behörden, wurden IT-Anbieter mit der Entwicklung von Individual-Software betraut. An dritter Stelle des Rankings der Beschaffungsarten für IT standen Netzwerklösungen, die ebenfalls in mehr als jedem zweiten Fall eine ausgeprägte Bedeutung in den Vergabemaßnahmen hatten. Beratungsaufträge wurden 2007 im Vergleich dazu deutlich seltener vergeben (28 Prozent), spielten aber dennoch eine größere Rolle als etwa die Bestellung neuer Arbeitsplatzsysteme oder Standardsysteme (26 beziehungsweise 22 Prozent). Projekte zur Betriebsorganisation und Archivierung hatten in jeder fünften Bundes- oder Landesverwaltung einen hohen Stellenwert, während Aufträge für das Dokumentenmanagement oder die eAkte von jeder siebten Behörde initiiert wurden. Mit der Vergabe von Outsourcing- und Telekommunikationsmaßnahmen beschäftigte sich letztes Jahr hingegen kaum eine der befragten Beschaffungsstellen.

„Die Öffentliche Verwaltung befindet sich in Sachen Modernisierung der IT derzeit in einem relativ dynamischen Prozess“, bewertet Per Wiegand, Geschäftsbereichsleiter der Infora, die Ergebnisse für 2007. Diese Entwicklung habe sich in diesem Jahr in ähnlicher Weise fortgesetzt, betont er mit Blick auf seine aktuellen Erfahrungen in der Beratung. Dar–über hinaus ist nach seiner Einschätzung der Anteil von Individualsoftware innerhalb der Beschaffung überraschend hoch. Dieser Trend werde sich jedoch wandeln: „Die Bedarfsträger werden sich zunehmend von ihren individuellen und oftmals nicht zukunftsfähigen Lösungen trennen und auf Standardsoftware setzen. Dies bedeutet aber in der Konsequenz auch eine Anpassung verwaltungsinterner Abläufe.“

 

Weitere Veränderungen bei der IT-Beschaffung

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