München – einmal Linux und zurück

Berater sollen Schwächen von Limux aufdecken

| Redakteur: Manfred Klein

In München steht Linux auf dem Prüfstand. Es wird eng in der Komfortzone für den Pinguin
In München steht Linux auf dem Prüfstand. Es wird eng in der Komfortzone für den Pinguin (Michael Nagy/Presse- und Informationsamt München / Montage Michael Büchner)

Dieser Tage wurde der ehemalige Oberbürgermeister Münchens Christian Ude zum Ehren­bürger ernannt. Mit Limux, der Umstellung der IT auf Linux – ein Projekt, das untrennbar mit dem Namen Udes verbunden ist – gehen seine Nachfolger, der SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter und sein Vize Josef Schmid von der CSU, weniger rücksichtsvoll um.

Wird also Limux wieder einmal zum Politikum? Denn immer häufiger kritisieren Reiter und Schmid, dass das Open-Source-Projekt technisch überholt und nicht geeignet sei, die Anforderungen der Stadtverwaltung zu erfüllen.

Auf Anfrage von eGovernment Computing zum aktuellen Stand der Dinge heißt es derzeit aus München, Oberbürgermeister Reiter hätten aus verschiedensten Bereichen kritische Rückmeldungen zur städtischen IT erreicht.

Deshalb sei der Oberbürgermeister der Meinung, dass die Stadt München sich mit diesen internen Anliegen offen auseinandersetzen müsse. Er habe daher die Verwaltung damit beauftragt, die Grundlagen für die Beauftragung eines externen Beratungsunternehmens zu erarbeiten. Folgende Fragen sollen dabei geklärt werden:

  • Ist die städtische IT leistungsfähig genug, um den Ansprüchen an eine moderne Großstadtverwaltung gerecht zu werden?
  • Kann sie die Bedürfnisse ihrer Nutzerinnen und Nutzer jederzeit zufriedenstellend abdecken?
  • Wie effizient ist unsere IT-Organisation?
  • Wie wirtschaftlich ist sie?

In diesem Zusammenhang sei natürlich auch die entsprechende Zeit- und Kostenfrage zu klären. Sobald die Ergebnisse vorliegen, werde der OB über das weitere Vorgehen entscheiden.

Das könnte das Aus für das ehemalige Vorzeigeprojekt bedeuten. Und das, nachdem in den vergangenen zehn Jahren in der Stadtverwaltung rund 15.000 Rechner, also 80 Prozent, auf Linux umgestellt worden waren und die Migration erst Ende vergangenen Jahres abgeschlossen wurde.

Die jetzt angestrebte Wirtschaftlichkeitsprüfung erstaunt indes umso mehr, als die Landeshauptstadt noch 2012 von Einsparungen in Höhe von über zehn Millionen Euro gesprochen hatte.

Inzwischen wehrt sich ironischerweise allein die Stadtratsfraktion der Grünen gegen einen überstürzten Wechsel des Betriebssystems, hatte die grüne Spitzenkandidatin im Wahlkampf doch selbst Linux kritisiert. Die Medienberichte haben den Fraktionsvorsitzenden der Grünen – rosa Liste, Dr. Florian Roth, veranlasst, eine Stadtratsanfrage zu stellen.

Darin will der Grünen-Politiker, der auch in der Münchener IT-Kommission sitzt, wissen, ob die angekündigte externe Überprüfung der städtischen Betriebssysteme schon vergeben wurde, wie die Unabhängigkeit der prüfenden Agentur gesichert wird und ob der Stadtrat mit der Angelegenheit befasst werden soll. Er fragt außerdem nach den konkreten Gründen für die geplante „Re-Migration“ auf Windows und nach deren finanziellen Auswirkungen.

Dazu Roth: „Diese Fragen sollten geklärt sein, bevor mit einem erneuten Wechsel des Betriebssystems erneut hohe Kosten verursacht werden – und die Investitionen für die Migration auf Open-Source-Software sich in Luft auflösen.“ Noch steht eine Antwort des Bürgermeisters aus.

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