Parteien im Visier von Hackern

„Bei der Digitalisierung fehlt es an Strategie“

| Redakteur: Manfred Klein

IT-Sicherheit wird zusehends zum Thema für Politik und Strafverfolgungsbehörden
IT-Sicherheit wird zusehends zum Thema für Politik und Strafverfolgungsbehörden (Bild: ©Andy Ilmberger - stock.adobe.com)

Das Thema IT-Sicherheit und Digitalisierung ist bei den politischen Parteien angekommen. Vielleicht liegt es daran, dass auch immer mehr Politiker und die politischen Parteien Opfer von Cyber-­Attacken werden.

Was Parteien und Politiker dagegen tun können, darüber sprach eGovernment Computing mit dem Generalsekretär der bayerischen FDP, Daniel Föst, und Dirk Arendt von Check Point Software.

Bereits Anfang Juli warnte der Verfassungsschutz davor, dass Cyber-Attacken den Ablauf der Bundestagswahl im September gefährden könnten. Die Angreifer hätten es vor allem auf deutsche Politiker und die politischen Parteien abgesehen, heißt es in dem Bericht des Verfassungsschutzes. Herr Arendt Wie bewerten Sie dieses Krisenszenario aus Sicht eines Sicherheitsherstellers?

Arendt: Die Gesamtlage gestaltet sich schwierig, denn es gibt jede Menge Angriffsvektoren und dementsprechend auch viele potenzielle Einfallstore. Außerdem muss eine aktuelle Kompromittierung nicht zwangsläufig dazu führen, dass sofort kopierte Daten an die Öffentlichkeit gelangen. Es kann durchaus sein, dass die Akteure erst einmal nur Informationen sammeln und diese zu einem späteren Zeitpunkt publik machen. Ein konkretes Krisenszenario könnte zum Beispiel ein DDoS-­Angriff auf die Webseite des Bundeskanzleramts oder einer der Parteien sein, der diese lahmlegt. Gleichzeitig werden immer mehr demokratiegefährdende Fake-News gestreut.

Dass solche Gefahren drohen, ist leider immer noch nicht überall ins Bewusstsein der Verantwortlichen gedrungen.

Daher sollten nicht nur die Parteien und die in den Wahlkampf involvierten Politiker mit entsprechenden IT-technischen Maßnahmen geschützt werden, sondern auch in deren Namen beauftragte Dienstleister wie Werbeagenturen.

Daniel Föst, Generalsekretär der bayerischen FDP, fordert mehr Aufmerksamkeit für das Thema IT-Sicherheit in der Politik
Daniel Föst, Generalsekretär der bayerischen FDP, fordert mehr Aufmerksamkeit für das Thema IT-Sicherheit in der Politik (Bild: Sittig Fahr-Becker)

Herr Föst, wie schätzen Sie die Bedrohungslage ein und fühlen Sie sich sicher?

Föst: Man kann sich leider niemals sicher sein, besonders nicht, wenn es um IT-Sicherheit geht, dafür ist das Thema zu komplex. Wir bemühen uns um möglichst hohe Sicherheitsstandards, aber sollte zum Beispiel einer unserer Social Media Accounts gehackt und sollten Fake-News darüber verbreitet werden, werden wir schnell mit den Sozialen Medien, Medienvertretern und den Behörden eng zusammenarbeiten, um den Schaden zu minimieren. Natürlich haben wir uns mit solchen Szenarien befasst und sind als digitale Partei – und das ist ja eine Kernkompetenz der FDP – hier auch transparent.

Was ist im Hinblick auf die kommende Bundestagswahl bereits heute möglich? Mit welchen Bedrohungen müssen wir rechnen?

Arendt: Leider liegt bereits einiges im Bereich des Möglichen. Angriffe auf mobile Geräte oder stationäre Laptops und PC etwa können Spitzenpolitiker in ihren Kommunikationsmöglichkeiten zum Beispiel über Twitter einschränken. Darüber hinaus ist es natürlich vorstellbar, dass sich Gespräche mitschneiden oder Standorte lokalisieren lassen.

Denken Sie auch an Services wie den Wahlomat. Wenn Sie diesen mit einem DDoS-Angriff vom Netz nehmen oder die Verfügbarkeit schmälern, dann wirkt sich das verstärkend auf die Politikverdrossenheit der Bürger aus. Solche Szenarien sind auch im Bereich kritischer Infrastrukturen, Stichwort KRITIS, möglich, wenn am Wahltag beispielsweise der Verkehr behindert würde.

Ein anderes Beispiel haben wir bereits bei der französischen Tageszeitung Le Monde gesehen, wenn wichtige Medien angegriffen und deren Social-Media-Accounts über­nommen werden. All das zählt aktuell zu den Möglichkeiten seitens der Angreifer, den Ablauf der Bundestagswahl zu stören oder aber das Vertrauen der Bürger in staatliche Einrichtungen und die Demokratie zu untergraben.

Herr Föst, sehen Sie im Rahmen der Bundestagswahlen ein besonderes Risiko?

Föst: Alles was möglich ist, wird auch versucht und gemacht. Natürlich ist die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Schaden, den man anrichten kann – Stichwort Wahlbeeinflussung – dann am größten, wenn Bundestagswahlen bevorstehen Das ist uns als Partei und mir als Generalsekretär auch bewusst.

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