eGovernment im ländlichen Raum

| Redakteur: Manfred Klein

Sitz der Verwaltung in Ludwigslust-Parchim: moderne Architektur für einen modernen Landkreis
Sitz der Verwaltung in Ludwigslust-Parchim: moderne Architektur für einen modernen Landkreis (Foto: Landkreis Ludwigslust-Parchim)

Der demografische Wandel zwingt den durch die Kreisstrukturreform entstandenen Großlandkreis Ludwigslust-Parchim zu unkonventionellen Lösungen. eGovernment Computing sprach mit dem Informationsmanager des Landkreises, Achim Schreiber, darüber, wie die teilweise widersprüchlichen Anforderungen unter einen Hut passen.

Denn unter dem Motto „Konsolidieren ohne Qualitätsverlust – Interkommunale Zusammenarbeit als Weg“ sollen die Dienstleistungen der Behörden mit wenigstens gleicher Güte, mit geringeren Kosten und weniger Mitarbeitern erbracht werden. Gleichzeitig darf sich die Verwaltung aber auch nicht zu sehr aus der Fläche zurückziehen, sollen die Anfahrtswege der Bürger nicht zu lang werden.

Herr Schreiber, die geringe Bevölkerungsdichte in Mecklenburg-Vorpommern hat den Landkreis zu ungewöhnlichen Maßnahmen bei der interkommunalen Kooperation bewogen, um die Versorgung der Bevölkerung mit behördlichen Dienstleistungen sicher zu stellen. Welche Maßnahmen waren das im Einzelnen?

Schreiber: Der Landkreis Ludwigslust-Parchim liegt zwischen der Metropole Hamburg und der Bundeshauptstadt Berlin im Südwesten des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Mit einer Fläche von 4.750 Quadratkilometern ist er der zweitgrößte Landkreis in Deutschland. Trotz seiner Größe zählt der ländlich geprägte Landkreis Ludwigslust-Parchim zu den sehr dünn besiedelten Regionen Deutschlands. Die Bevölkerungsdichte liegt derzeit bei nur 48 Einwohnern je Quadratkilometer, Tendenz – gerade auch mit Blick auf den demografischen Wandel – weiter sinkend.

Bürger und Unternehmen erhalten heute im sehr ländlich geprägten Landkreis Ludwigslust-Parchim in vielen Gemeinden und Ämtern ein breites Angebot an behördlicher Leistungen mit in der Regel akzeptablen Bearbeitungs- und Wartezeiten.

Viele Menschen sind jedoch aus unterschiedlichen Gründen – Alter oder Krankheit – nicht mehr in der Lage, die Verwaltung beziehungsweise die Bürgerbüros persönlich aufzusuchen. Zudem ziehen sich auch öffentliche Einrichtungen und Institutionen aufgrund der bereits vorhandenen geringen Bevölkerungsdichte und des weiter zu erwartenden demografischen Wandels zunehmend aus dem ländlichen Raum zurück. Dadurch verlängern sich die Wege im Landkreis für alle Bürger und Unternehmer, wenn sie öffentliche Leistungen in Anspruch nehmen wollen.

Viele wollen und können auch nicht die elektronisch bereitgestellten Bürgerdienste nutzen und vielfach ist es auch noch erforderlich, die Angelegenheiten vor Ort persönlich abzuwickeln.

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim setzt daher seit Längerem auf interkommunale Zusammenarbeit im Bereich der Bürgerbüros, aber auch auf eine Gebietskörperschaften übergreifende Zusammenlegung von Aufgaben.

In den Bürgerbüros werden viele Verwaltungsleistungen, die sich für den Front-Office-Bereich fachlich eignen, „aus einer Hand“ und vor Ort angeboten. Die Bürgerbüros an den Standorten Ludwigslust und Hagenow unterstehen dabei der Leitung und Verantwortung des Landkreises. Zusätzlich wurden kooperative Bürgerbüros in Boizenburg, Dömitz, Stralendorf, Zarrentin, Lübtheen und Wittenburg eingerichtet. Diese unterstehen den Verwaltungseinrichtungen der Stadt beziehungsweise des Amtes und sind gleichzeitig eine Außenstelle des Landratsamtes.

In den kooperativen Bürgerbüros bieten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kreisangehörigen Kommune sowohl die Leistungen des Amtes oder der Stadt als auch des Landkreises an.

Zum Leistungsspektrum gehören dabei neben dem Einwohnermeldewesen und dem Fundbüro als klassische gemeindliche Aufgaben auch die Zulassung von Fahrzeugen oder die Beratung und Antragsannahme in den Bereichen Bafög und Fahrerlaubnis als kreisliche Aufgaben.

Weiterhin verfolgt der Landkreis Ludwigslust-Parchim bereits in fünf Bereichen – Katasterwesen, Veterinär- und Lebensmittelüberwachung, Kfz- und Führerscheinwesen, Bafög und Rettungsleitstelle – sehr weit–reichende Kooperationen mit der Landeshauptstadt Schwerin in Form von Servicecentern.

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